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Sinzig

Senioren am Steuer: Ist Fahrsicherheit eine Frage des Alters?

Gefährden Senioren sich und andere am Steuer? Das war Thema der gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Verkehrswacht (DV) im Kreis Ahrweiler mit der Seniorenberatung im Rahmen der Freiheiterwochen im Sinziger Rathaus.

Cornelia Brodeßer von der Deutschen Verkehrswacht informierte und tauschte sich mit Senioren und Jugendlichen zum Thema Fahrtauglichkeit aus.
Cornelia Brodeßer von der Deutschen Verkehrswacht informierte und tauschte sich mit Senioren und Jugendlichen zum Thema Fahrtauglichkeit aus.
Foto: Judith Schumacher

Und es gibt aktuelle Beispiele: Gerade erst am Montag hatte ein älterer Mann, der seinen Hund am Moselufer Gassi führen wollte, das Gaspedal mit der Bremse verwechselt und war geradewegs in den Fluss geraten. Das Fahrzeug sank, der Mann konnte sich retten, der Hund ertrank. „Es ist aber mit keiner Studie zu belegen, dass das Alter etwas mit der Häufigkeit von Unfällen zu tun hat“, betonte Cornelia Brodeßer von der DV. Die Ursachen für Unfälle (Vorfahrt missachten, Abbiegen und Wenden oder zu geringer Abstand) seien bei allen Altersgruppen gleich.

Die Frage „Fahrsicherheit (k)eine Frage des Alters?“ stellten sich im Rathaus nicht nur rund zehn ältere Herrschaften, sondern auch zwei junge Leute aus der Sinziger Stadtverwaltung, beides Fahranfänger. „Ich denke, dass Leute mit mehr Fahrpraxis durch ihre Erfahrung bestimmte Situationen vielleicht besser beherrschen“, meinte Daria Koslenko. Allerdings war sie wie auch Marius Ritterath der Auffassung, dass bei auftretenden Unsicherheiten im Straßenverkehr älteren Familienmitgliedern nahegelegt werden sollte, den Führerschein abzugeben.

„Ich hätte da keine Hemmungen, das im Gespräch zu thematisieren“, so Ritterath. Er findet es in jedem Fall besser, als die Gefahr, dass jemand zu Schaden kommt. „Und dann fährt der junge Herr seine Oma immer schön zum Arzt, Einkaufen oder ins Kino, ne?“, meinte Seniorin Ricarda Kirchhoff provokant. Senior Herbert Stolz warnte vor dem Irrglauben, dass es zu weniger Unfällen kommt, wenn ältere Menschen lediglich vertraute Straßen fahren.

Einig waren sich die Anwesenden allerdings darin, dass ähnlich den Vorbildern anderer EU-Länder ab einem Alter von 70 Jahren Gesundheits- und Fahrtauglichkeitstests verpflichtend sein sollten, um den Führerschein behalten zu dürfen. „Jetzt nach der Wahl, bei der 22 Millionen Wähler zur Generation 60 plus gehörten, kann das Thema ruhig wieder auf den Tisch“, so Cornelia Brodeßer. Fakt sei, dass ab dem Alter von 75 die Fahrtauglichkeit allmählich abnehme und die Zahl der Seniorenunfälle ansteigt. Das läge aber auch daran, dass es mehr ältere Menschen gibt und „mehr Strecke gefahren“ werde.

Als Hauptproblem in Sachen Unfallrisiko gerade mit zunehmendem Alter benannte Brodeßer neben der physischen Kondition die Einnahme von Medikamenten. „Von 55.000 zugelassenen Medikamenten machen 2800 verkehrsuntauglich – das ist eine supergefährliche Grauzone“, rechnete die 67-Jährige vor. Auch die Wechselwirkung von mehreren Medikamenten würde zu wenig berücksichtigt. Wichtig wäre es insbesondere, bei der Einnahme von neuen Medikamenten sich selbst zu beobachten und auf Anzeichen wie etwa Schwindel zu achten. Aber auch in der Apotheke frei erhältliche Grippemittel, Schnupfensprays, Rheumapflaster sowie Arzneitees könnten die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Brodeßer wies auf Computerprogramme in Apotheken hin, bei denen alle Medikamente und deren mögliche Wechselwirkungen angezeigt werden, wenn sich ein Kunde registrieren lässt.

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

Statistik: Senioren sind überproportional häufig in schwere Unfälle verwickelt

Die altersbedingt nachlassende körperliche Widerstandskraft, unsicherer werdende Bewegungsabläufe oder zunehmende Reaktionsschwächen führen dazu, dass Seniorinnen und Senioren überproportional häufig in schwere Unfälle verwickelt sind. Während sie verhältnismäßig seltener bei Unfällen verunglücken als jüngere Verkehrsteilnehmer, ist ihr Risiko, bei einem Unfall oder an dessen direkten Folgen zu sterben, etwa drei Mal so hoch wie in jüngeren Altersgruppen.

So waren laut Statistischem Bundesamt 12,6 Prozent aller im Jahr 2016 auf deutschen Straßen verunglückten Menschen älter als 64 Jahre. Bei den Getöteten lag ihr Anteil mit 32,7 Prozent jedoch deutlich höher. Sofern im Jahr 2016 über 64-Jährige als Pkw-Fahrer an einem Unfall beteiligt waren, trugen sie in zwei Drittel (67,1 Prozent) der Fälle die Hauptschuld an dem Unfall, bei den 75-Jährigen und älteren waren es 75,1 Prozent.

Die häufigsten Unfallursachen bei den Senioren waren „Vorfahrtsfehler“ (17,6 Prozent) sowie Fehler beim „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ (16,6 Prozent). Andere Gründe, die vor allem bei jüngeren Fahrern ursächlich zu Unfällen geführt haben – wie zum Beispiel Abstandsfehler, falsches Verhalten gegenüber Fußgängern oder nicht angepasste Geschwindigkeit – spielten dagegen eine geringere Rolle.

Das häufigste Fehlverhalten von Senioren als Fußgänger war „Falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn“ (81,3 Prozent). In knapp zwei Dritteln dieser Fälle achteten die Senioren dabei nicht auf den Fahrzeugverkehr (65,5 Prozent).

Quelle: Deutsche Verkehrswacht

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