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Schuld

Schuld: Tourismus, Freilichtbühne und Felsen prägen Ort (13)

Da kann man machen, was man will: In Schuld kommt so leicht niemand an der Ahr vorbei. In einer engen Schleife schlängelt sich der Fluss durch das gesamte Dorf, flankiert von beeindruckend hohen Felswänden am Ortsrand.

Blick auf Schuld: Die beste Aussicht auf den Ort bietet das auf den Felsen in Richtung Harscheid gelegene Plateau an der Martinshütte.
Blick auf Schuld: Die beste Aussicht auf den Ort bietet das auf den Felsen in Richtung Harscheid gelegene Plateau an der Martinshütte.
Foto: Petra Ochs

Von unserer Mitarbeiterin 
Petra Ochs

Seit Langem ist Schuld ein anerkannter Fremdenverkehrsort, auch wenn Bürgermeister Helmut Lussi zugeben muss, dass der Ort touristisch vor einigen Jahrzehnten einen „besseren Stellenwert als jetzt" hatte. Doch noch immer sorgen eine gute Handvoll gastronomische Betriebe und Hotels für das Wohl ihrer Gäste. Der Brunnen am Dorfplatz ist besonders im Sommer ein beliebter Rastplatz für Touristen. Und die werden besonders auch durch die Attraktionen, die die Ahr bietet, angezogen: Der AhrSteig läuft an Schuld vorbei in Richtung Insul, während der AhrRadweg direkt durch den Ort führt.

Felslandschaft an der Ahr: Beeindruckend hohe Felswände flankieren bei Schuld die Ahr.
Felslandschaft an der Ahr: Beeindruckend hohe Felswände flankieren bei Schuld die Ahr.
Foto: Petra Ochs

Die beste Aussicht auf Schuld bietet das auf den Felsen in Richtung Harscheid gelegene Plateau an der Martinshütte, ein beliebter Veranstaltungsort für private Feiern. Und im Sommer lockt die Ahr zum Baden. Es gibt sogar Stellen, an denen früher „Klippenspringen" praktiziert wurde. Die Ahr war es wohl auch, die die alten Römer dazu brachte, im heutigen Schuld zu siedeln. Unter Bäumen an einem Feldweg verborgen finden sich noch jetzt die Reste eines römischen Gutshofes, die 1964 im Zuge der Flurbereinigung entdeckt wurden. „Man sieht nicht mehr viel", erklärt Helmut Lussi. Nur noch die Grundmauern sind zu erkennen. Die antiken Fundstücke von hier sind heute in der Römervilla in Ahrweiler zu besichtigen. Einmalig in dieser Region war der Fund von Mosaikfragmenten. Bekannt ist Schuld auch für seine Freilichtbühne, die bis vor einigen Jahren auch Aufführungsort der Passionsspiele war.

Ahrbrücke in Schuld: Drei Brücken über die Ahr gibt es in Schuld. Deren Unterhaltung muss die Gemeinde alleine stemmen.
Ahrbrücke in Schuld: Drei Brücken über die Ahr gibt es in Schuld. Deren Unterhaltung muss die Gemeinde alleine stemmen.
Foto: Petra Ochs

Jahr für Jahr ist Schuld zudem Schauplatz des Radrennens „Köln-Schuld-Frechen". Auch für Pilger ist der Ort ein begehrtes Ziel: An allen Sonntagen im Mai findet die Marienwallfahrt zur Schornkapelle oberhalb des Dorfes statt. Noch ganz jung ist die Pfarrkirche St. Gertrud: Sie wurde 1972 bis 1974 neu gebaut und ersetzte den am 29. Oktober 1944 bei einem Bombenangriff beschädigten Kirchenbau von 1923, der wiederum auf einem Bau aus dem 13. Jahrhundert fußte und nach dem Zweiten Weltkrieg zwar wieder aufgebaut, aber dennoch bald baufällig wurde. Die Pfarrei in Schuld ist ebenso alt wie bedeutend. Erstmals wurde sie in einer Chronik aus dem Jahr 975 erwähnt – und dies nahmen die Schulder zum Anlass, 1975 ihre 1000-Jahr-Feier zu begehen. Rund 730 Einwohner hat das kleine Dorf heute – Tendenz steigend.

Dennoch bereitet die Altersstruktur Sorgen: Das Dorf wird immer älter, weil die meisten jungen Menschen fortziehen – dahin, wo sie Arbeit haben. Apropos demografischer Wandel: Das ehemalige Hotel „Zum Ahrtal", in dem früher Aussiedler untergebracht waren, wird derzeit aufwendig zum Objekt für seniorengerechtes Wohnen umgebaut. Gaststätten, Bäcker, Metzger, Friseur, Schreinerei und Kfz-Werkstatt, dazu ein Kindergarten: Infrastrukturell ist Schuld ganz gut aufgestellt. „Für das dörfliche Leben haben wir noch alles hier", sagt auch Ortschef Helmut Lussi. Wäre da nicht die schlechte Haushaltslage: Die Einnahmen decken bei Weitem nicht die Ausgaben. Die Gemeinde setzt daher unter anderem aufs Energiesparen: 80 Prozent der Beleuchtung sind bereits auf LED umgerüstet.

Das Bild zeigt die Reste des römischen Gutshofes.
Das Bild zeigt die Reste des römischen Gutshofes.
Foto: Petra Ochs

Und auf dem Dach des Kindergartens St. Franziskus ist eine Fotovoltaikanlage installiert. Froh ist der Bürgermeister aber auch, dass in Schuld viele Projekte durch ehrenamtliches Engagement angeschoben werden können. So wurde vor zwei Jahren die hölzerne Stefansbrücke über die Ahr erneuert. Die Eigenleistung der Schulder sparte der Gemeinde dabei rund 30 000 Euro. Aktuell ist die Bahnhofsbrücke dran: Ganze 720 ehrenamtliche Stunden wurden hier bisher für die notwendigen Arbeiten investiert. Dass in Schuld der Gemeinsinn großgeschrieben wird, beweist auch der Schulterschluss, den Vereine, Privat- und Geschäftsleute bei der Großveranstaltung „Ahrfelsen in Flammen" üben. Das Dorfgemeinschaftsfest lockt seit 2007 alljährlich am Vorabend des Raderlebnistages „Tour de Ahrtal" nach Schuld. Der Höhepunkt ist das Feuerwerk in den Felsen der Bubenley, und der Erlös des Festes kommt dem gesamten Dorf zugute. 2013 bei „Ahrfelsen in Flammen" mit von der Partie war auch das bekannte Theater Feuervogel, das in Schuld zu Hause ist.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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