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    Bad Neuenahr

    Noch zeitgemäß? Wie die Parks zu ihren Namen kamen

    Muss der Kurpark heute eigentlich noch Kurpark heißen? Und müssen Parkanlage heute noch nach Persönlichkeiten benannt werden, die an Zeiten erinnern, als in Deutschland noch Kaiser und Könige das Sagen hatten?

    Seit Ende der 1860er-Jahre verläuft durch den Kaiser-Wilhelm-Park ein künstlicher Bach, der zum Schwanenteich aufgestaut wird. 
    Seit Ende der 1860er-Jahre verläuft durch den Kaiser-Wilhelm-Park ein künstlicher Bach, der zum Schwanenteich aufgestaut wird. 
    Foto: Repro Jochen Tarach

    Die in der Ratssitzung von Ratsherr Engelbert Feld angestoßene und von Bürgermeister Guido Orthen eher ungewollt befeuerte Diskussion führt zu der interessanten Frage: Wie kamen die betreffenden Grünflächen überhaupt zu ihrem Namen?

    Gleich sechs Parkanlagen sind es, die den besonderen Charme von Bad Neuenahr ausmachen. Das Anlegen des ersten Parks geht auf die Zeit der Gründung und Einweihung des Heilbades im Jahr 1858 zurück. Da ein Heilbad eben auch einen Park benötigte, wurde er zeitgemäß Kurgarten oder später Kurpark genannt. In der selben Sachlichkeit wurden dann 1978 auch Dahlien- und Rosengarten benannt.

    Ganz anders war das zur Kaiserzeit, als im Jahr 1902 der heutige Kaiserin-Auguste-Viktoria-Park als Volksgarten angelegt wurde. Benannt wurde er ursprünglich nach Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811-1890), der Frau Kaiser Wilhem I. (1797-1888), und hieß folglich Kaiserin-Augusta-Park. Die Namensgeberin war 1858 als Prinzessin von Preußen bei der Weihe der Augustenquelle persönlich anwesend. Seit etwa 1950 heißt der Park jedoch, ohne je offiziell umbenannt worden zu sein, auf einmal Kaiserin Auguste-Viktoria-Park. Auguste Viktoria Friederike Louise Feodora Jenny Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921) war die Gattin Kaiser Wilhelm II. (1859-1941). Sie allerdings ist nie in Bad Neuenahr gewesen. Im Schatten seiner mächtigen Bäume hat die Stadt als Eigentümerin des Parks im Jahr 2007 einen großzügigen Kinderspielplatz anlegen lassen.

    Die Benennung des Volksgartens nach der Kaiserin war damals Ausdruck des Denkens der Zeit. Das gilt ebenso für den Kaiser-Wilhelm-Park. Der Kaiser war im Alltag seiner Untertanen allgegenwärtig, obwohl er nie persönlich in Bad Neuenahr war. Trotzdem: „Auch im Heilbad Neuenahr schlug das treue Preußenherz“, so schreibt es der Heimatforscher Hans-Jürgen Ritter in seinem Beitrag für das Heimatjahrbuch 2004. „Die Erinnerung an Neuenahrs große Zeit ist verblasst und auch die beiden erlauchten Namensgeber umweht nunmehr ein dünner Hauch der Geschichte“, so Ritter. Immerhin war es das Kaiserpaar Auguste-Viktoria und Wilhelm II., unter dessen Regentschaft Deutschland geradewegs in den Ersten Weltkrieg steuerte.

    Da das Rheinland seit dem Wiener Kongress im Jahr 1816 zum Königreich Preußen gehörte, waren die Verbindungen des jungen Heilbades zum Haus der Hohenzollern von Anbeginn an sehr gut. So gelang es auch im Jahr 1858, Prinzessin Augusta von Preußen, die Großmutter von Wilhelm II., für die Quellenweihe zu gewinnen und mit dem „Preußischen Generaldirektor aller Königlichen Gärten“, Peter-Josef Lenné, einen bekannten Fachmann und Experten für die Gestaltung der Kuranlage zu verpflichten. Der 1927 angelegte Lennépark mit seinen Tennisplätzen und dem romantischen Lenné-Schlösschen wurde allerdings nicht ihm, sondern dem Geheimen Sanitätsrat Dr. med. Albert Lenné, dem Sohn des zweiten Kurdirektors August Lenné (Kurdirektor von 1863-1893), einem Großneffen des Königlichen Gartenbaudirektors, gewidmet.

    Einen Park einfach so nach dem Kaiser zu benennen, war zu dessen Lebzeiten natürlich nicht möglich. Auf allgemeinen Wunsch von Bürgern und Offiziellen gab Wilhelm II. jedoch auf Nachfrage gerne seine Zustimmung dazu, und so heißt der Park noch heute Kaiser-Wilhelm-Park. Bereits seit Ende der 1860er-Jahre verläuft ein künstlicher Bach durch den Park, der zum Schwanenteich aufgestaut wird. Fast ist es eine Ironie der Geschichte, dass heute ausgerechnet im Park mit dem Namen des Kaisers ein großes Ehrenmal steht, mit dem an die vielen sinnlosen Toten auch des Ersten Weltkrieges erinnert wird.

    Daten und Fakten sind im bezeichneten Artikel von Hans-Jürgen Ritter sowie in der Broschüre „Bad Neuenahr“ von Heinz Schönewald nachzulesen.

    Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach

    Kurpark umbenennen? Laut Stadt derzeit kein Thema

    Leserbriefe und Anschreiben an die Stadtverwaltung veranlassen diese, zum Thema „Umbenennung von Parkanlagen im Stadtteil Bad Neuenahr“ Stellung zu nehmen. Die Wortmeldung eines einzelnen Ratsmitglieds zur Namensgebung des Kurparks sei im Protokoll aufgenommen worden. „Darüber hinaus fand keine weitere inhaltliche Diskussion zu diesem Vorschlag statt“, betont die Verwaltung und stellt klar: „Die Umbenennung des Kurparks Bad Neuenahr steht derzeit nicht zur Disposition.“ Es gelte, sich mit wichtigen Zukunftsfragen zu beschäftigen.

    Namensdiskussionen gehörten eher nicht dazu.

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