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Remagen

Neue Luxusherberge: Wird Schloss Ernich Teil eines Hotels über dem Rhein?

Christian Koniecki

Bekommt Remagen bald ein weiteres Luxushotel? Wenn es nach dem Besitzer von Schloss Ernich hoch über dem Rhein geht, dann ja. Der Filmproduzent Ulrich Felsberg und sein Architekt Karl-Heinz Möseler stellten am Mittwochabend dem Ortsbeirat von Remagen ihre ersten ambitionierten Pläne vor, und die stießen erst einmal auf Wohlwollen bei den Politikern.

Schloss Ernich: Das Haupthaus von 1908 ist ein neobarocker Bau.
Schloss Ernich: Das Haupthaus von 1908 ist ein neobarocker Bau.
Foto: rmk-Architektur

Kein Wunder, denn Schloss Ernich ist als Immobilie nicht nur eines der Filetstücke am Rhein, sondern auch ein historisch bedeutsamer Ort, der eine wichtige Rolle in der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg spielte. Würden die Pläne umgesetzt, wäre das Gelände nach vielen Jahrzehnten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und könnte ein Aushängeschild für die Stadt und die Region werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Plänen.

Was ist auf Schloss Ernich geplant? Auf dem weitläufigen Wald- und Parkgelände, einem natürlichen Plateau über dem Rhein, soll hinter dem bestehenden Gebäude ein Hotelneubau mit 75 bis 90 Zimmern und Suiten entstehen. Dazu kommen Seminar- und Konferenzräume, ein Spa und Hotelrestaurants. Außerdem soll ein öffentliches Restaurant mit Blick über den Rhein auf das Siebengebirge gebaut werden. Das Hotel soll in der luxuriösen Vier- bis Fünfsterne-Kategorie angesiedelt sein.

Pläne für das Hotelprojekt über dem Rhein.
Pläne für das Hotelprojekt über dem Rhein.
Foto: rmk-Architektur

Was passiert mit den bestehenden Gebäuden? Auf dem Ernich stehen derzeit neben dem Haupthaus, einem neobarocken Herrenhaus im Stil eines französischen Schlosses, die ehemalige Remise, ein Gärtnerhaus und eine alte Kegelbahn. Der Filmproduzent Ulrich Felsberg erwarb das Anwesen im Jahr 2006, das sich damals zum Teil in einem desolaten Zustand befand. Er sanierte die verfallenen Gebäudeteile aufwendig und investierte in die Ver- und Entsorgungsleitungen der Häuser.

Die bestehenden denkmalgeschützten Gebäude sind in die jetzigen Hotelplanungen eingebunden, sollen aber in ihrer Substanz nicht verändert werden. So könnten in dem Haupthaus den jetzigen Ideen nach die Rezeption und eine Bar entstehen, im ersten Obergeschoss wäre Platz für Hotelsuiten und im zweiten Obergeschoss könnten Büros und Räume für die Hotelverwaltung untergebracht werden. In der alten Remise könnten kleine Läden und weitere Verwaltungsräume entstehen, das Gärtnerhaus mit einem Glasanbau könnte zu einem Hotelrestaurant werden und die ehemalige Kegelbahn, von der aus eine tolle Aussicht auf das Rheintal bietet, soll den Entwürfen nach ein öffentliches Restaurant werden.

Erste Entwürfe für die modernen Neubauten hinter dem Schloss.
Erste Entwürfe für die modernen Neubauten hinter dem Schloss.
Foto: rmk-Architektur

Was soll neu gebaut werden? Nach den ersten Ideen könnten auf dem Wiesengelände neben dem Schloss sechs niedrige Einzelgebäude mit Hotelzimmern und Suiten sowie einem Spa-Bereich entstehen. Hinzu käme ein weiterer Gebäudetrakt mit Konferenzräumen. Unter einem Teil der Gebäude ist eine Tiefgarage mit genügend Abstellplätzen für Autos vorgesehen.

Die Pläne bestehen bereits seit anderthalb Jahren und sind nach Aussage von Ulrich Felsberg bereits mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt. Der Schlossherr und sein Architekt betonten bei der Vorstellung vor dem Ortsbeirat, dass die Neubauten niedriger als das Haupthaus bleiben sollen und somit optisch hinter dem Schloss und den Bäumen verschwinden würden. Außerdem soll kein großer Gebäuderiegel entstehen, sondern mehrere Einzelgebäude in einer modernen, gradlinigen Architektur. An den Planungen sind das Remagener Büro RMK-Architektur, die Ingenieurgesellschaft Team2 aus Rheinbach und das Architektenbüro Ginsburger aus Paris beteiligt.

Auf dieser Wiese ist Platz für Neubauten.
Auf dieser Wiese ist Platz für Neubauten.
Foto: rmk-Architektur

Wer ist eigentlich der Besitzer von Schloss Ernich? Der deutsche Filmproduzent Ulrich Felsberg hat das Anwesen 2006 gekauft und wohnt seitdem dort. Der 66-Jährige hat unter anderem Filme mit dem Regisseur Wim Wenders produziert, etwa den Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“, aber auch die britische Komödie „Kick it like Beckham“. Er hat mehrere Filmpreise gewonnen, war unter für den Oscar und den Emmy nominiert und Mitglied in den Jurys wichtiger Filmfestspiele, etwa in Venedig und Sao Paulo.

Schlossbesitzer Ulrich Felsberg (bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2000).
Schlossbesitzer Ulrich Felsberg (bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2000).
Foto: dpa

Wie geht es jetzt mit dem Hotelprojekt weiter? Zuerst müssen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Dafür ist eine Änderung des bestehenden Bebauungsplans notwendig. Dieser muss nun auf Stadt- und Kreisebene von der Verwaltung, den Ausschüssen und schließlich dem Stadtrat beschlossen werden. Anschließend will der Bauherr Ulrich Felsberg dann möglicherweise einen Wettbewerb für die Detailplanung ausschreiben. Steht diese fest, wird der Bauantrag gestellt. „Wenn alles glatt läuft, könnte es dann in zweieinhalb bis drei Jahren tatsächlich mit den Bauarbeiten losgehen“, so die Einschätzung von Ulrich Felsberg im Gespräch mit der RZ.

Von unserem Redakteur Christian Koniecki

Schloss Ernich: Ein Herrenhaus mit wechselvoller Vergangenheit und geschichtlicher Bedeutung

Das Schloss Ernich, auch Haus Ernich genannt, hat eine bewegte Geschichte. Zwischen 1906 und 1908 im Stil eines neobarocken Herrenhauses gebaut, diente es zunächst dem Kölner Großindustriellen Arnold von Guilleaume als repräsentativer Sommersitz. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzten es die Amerikaner für zwei Jahre als Lazarett, bevor es die Familie Guilleaume zurückerhielt.

Schloss Ernich (von der Erpeler Ley aus gesehen) liegt hoch über dem Rhein. 
Schloss Ernich (von der Erpeler Ley aus gesehen) liegt hoch über dem Rhein. 
Foto: Christian Koniecki

Mitte der 30er-Jahre wurde es dann zu einem bei wohlhabenden Kölnern beliebten Hotelrestaurant umgewandelt – bis es im Zweiten Weltkrieg erneut als Lazarett diente. Durch die Besatzungstruppen beschlagnahmt kam es schließlich in den Besitz der Franzosen. Kurze Zeit war es noch einmal Gästehaus der Internationalen Filmunion, die in Calmuth bei Remagen ein großes Synchronstudio unterhielt. Ab 1949 wurde Schloss Ernich erst Residenz des französischen hohen Kommissars am Regierungssitz Bonn, später dann französische Botschaft. Dort fanden wichtige Gespräches und Vertragsverhandlungen zur deutsch-französischen Aussöhnung statt. Mit dem Wechsel des Regierungssitzes nach Berlin stand das Gebäude für einige Jahre leer, bevor es 2006 der Filmproduzent Ulrich Felsberg dem französischen Finanzministerium abkaufte und aufwendig sanierte. 

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