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Mayschoß: Das Weindorf – Reben prägen das Leben der 900 Bürger (33)

Wie kaum ein anderer Ort an der Ahr ist Mayschoß vom Wein geprägt. Er bestimmt das Leben der Menschen, die Winzer, Gastgeber oder einfach nur Anwohner sind, die sich mit den unzähligen Wein- und Wandertouristen, die den Ort nicht nur zur Saison im Spätsommer und Herbst besuchen, zu arrangieren haben. In Mayschoß wächst Wein, so weit das Auge reicht – sogar an den Häusern, die Wände emporrankend oder an in Reih und Glied stehenden Reben im Vorgarten.

"Wir sind ein Weindorf, wo Menschlichkeit gelebt wird, Traditionen gepflegt werden und Natur und Nachhaltigkeit unser Denken und Handeln bestimmen" – mit diesem Satz stellt sich Mayschoß auf seiner Internetseite vor. Bei genauerer Betrachtung erscheint der Ort zweigeteilt: Alte Bruchsteinhäuser säumen die schmale Dorfstraße, während die Bebauung im "neuen" Teil an der Ahrrotweinstraße vorwiegend aus der Nachkriegszeit stammt.

Rund 900 Einwohner zählt Mayschoß, Tendenz – wie in so vielen Dörfern – rückläufig. Dennoch ist das Dorfleben rege. Neben den vielen gastronomischen Betrieben gibt es drei Bäckereien und zwei Metzgereien, allerdings keinen Lebensmittelladen mehr. Reich ist der Ort an Vereinen: Es gibt den Angelsportverein und den Sportverein, den Möhnenverein, den Förderverein der Saffenburg, die Närrischen Freunde Mayschoß und den Verkehrs- und Verschönerungsverein, der bei den großen Veranstaltungen, "Mayschoß feiert" und Weinblütenfest, als Organisator in Erscheinung tritt. Immer dann wird der Waagplatz im Zentrum des Weindorfs bewirtschaftet, und der Erlös fließt in vielfältige Verschönerungsmaßnahmen im Ort.

Apropos schön: Das Dorf wird vom gewaltigen Burgfelsen der Saffenburg überragt, der wohl ältesten Befestigung des Ahrtals. Aushängeschild des Ortes in Sachen Wein sind die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, das Weingut Deutzer Hof und das Weingut Mönchberger Hof. Winzer und gleichzeitig Künstler ist Rainer Hess, der im ehemaligen Stall seines Elternhauses sein "Felsenatelier" eingerichtet hat.

Kunst hat auch die von Anneliese Baltes betreute Jugendgruppe im Repertoire: Sie hat sich in ganz Mayschoß künstlerisch verewigt – Picassos "Guernica" am Feuerwehrhaus, eine gepixelte Ansicht der Saffenburg an einer Hauswand und die "Galerie" im Radwegtunnel, der früher auch mal eine Champignonzucht beherbergt hat, sind nur drei Beispiele dafür.

In Mayschoß gehen auch andere alte Bauwerke mit der Zeit: Die ehemalige Schule ist inzwischen zum Bürgerhaus umfunktioniert worden, und im Kloster in Sichtweite der Saffenburg, in dem bis 1968 Nonnen des Ordens Arme Dienstmägde Christi lebten und wirkten, ist heute der Kindergarten untergebracht. Das geräumige Pfarrhaus ist dagegen noch immer das, was es stets war: ein Pfarrhaus.

Ebenso beeindruckend wie das Pfarrhaus ist die Pfarrkirche, von den Dorfbewohnern liebevoll Mayschoßer Dom genannt. In dem 1908 erbauten Gotteshaus sind die Reste der barocken Ausstattung aus dem Kloster Marienthal zu sehen – und auch das Grabmal der 1645 gestorbenen Gräfin Katharina von der Mark. Die aus schwarzem, belgischem Marmor gearbeitete Tumba zeigt das schöne Bildnis der Gräfin, die den Mayschoßern zu Lebzeiten viel Gutes gebracht haben soll.

Heute bringt der Tourismus einiges ein. Einen Campingplatz am Umlaufberg Etzhard, der den Ort "teilt", hat Mayschoß schon seit Langem. Neueren Datums ist dagegen der Wohnmobilplatz am Bahnhof. "Er bringt viele Übernachtungsgäste", erzählt Bürgermeister Hans-Ulrich Jonas. Auch das Mayschoßer Teilstück des Rotweinwanderweges sei stark frequentiert. Kein Wunder, findet Jonas, sei er doch hier besonders abwechslungsreich: "Um jede Ecke gewinnt man einen neuen Eindruck." Und überhaupt: Am liebsten wäre es dem Ortschef, wenn auch der Ahrsteig durch Mayschoß verlaufen würde.

Schwedenkopf, Akropolis und Ümerich sind die Namen der Aussichtspunkte, von denen man immer neue Blicke auf den Weinort werfen kann. Wunderschöne Aussichten (auch auf die gegenüberliegende Saffenburg) bietet das Michelskapellchen auf einem Berg über Mayschoß. Mitten durch den Ort fließt die Ahr. Einige Jahre schon hat sie dem Weindorf kein Hochwasser mehr beschert. Doch wenn die Ahr in Mayschoß über die Ufer tritt, dann tut sie dies am Sportplatz. Und damit dabei nicht immer der Belag weggeschwemmt wird, haben die Mayschoßer einen Rasenplatz angelegt. Petra Ochs

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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