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Marienthal: Eine Ruine voller Leben (37)

Vor drei Jahren wurde das 875-jährige Bestehen der Anlage gefeiert, die ehedem das Augustiner-Nonnenkloster St. Marien und St. Johann Evangelist beherbergt hat. Das Kloster Mariae vallis ist das älteste Kloster an der Ahr überhaupt. Die "Annales Rodenses", eine Art Jahresbericht, geben Auskunft über Gründung, Aufgabe und Wirken von Marienthal. Aufgeschrieben wurden die Klosterrather Annalen im niederländischen Klosterrath (Provinz Limburg), dem "Mutterhaus" des Konvents im Ahrtal. Klosterrath war auch das Hauskloster der Grafen von Saffenberg, deren Sitz die Saffenburg bei Mayschoß an der Ahr war. Und diese waren es auch, die im Jahre 1137 den Augustinerinnen das Hubachtal stifteten.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Es waren zumeist adlige Frauen, die in ihrem Streben nach monastischem Leben in die neu errichtete Klosteranlage zogen. 1138 wurde in Marienthal die erste Messe gelesen, die Klosterkirche weihte der Kölner Erzbischof dann im Jahre 1141 ein. Die Augustinerinnen von Marienthal waren dem Abt von Klosterrath zum Gehorsam verpflichtet. Angeführt wurden sie von ihrer "magistra" (Meisterin), auch "Fraw Meistersche" oder "Mefrow" genannt.

Zwei Jahrhunderte lang prosperierte das vom Adel protegierte Kloster, das malerisch in einem tiefen Seitental der Ahr errichtet worden war. Das Kloster beherbergte sieben Werkstätten, unter anderem eine Brennerei, und ein Gästehaus. Aller Wahrscheinlichkeit entstand hier auch die mittelalterliche Handschrift des Rheinischen Marienlobes, ein hymnischer Lobgesang auf Maria.

Doch der beschauliche Frieden verging: Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Kloster mehrfach überfallen, ausgeraubt und schließlich von französischen Truppen angezündet. An die Stelle der mittelalterlichen Teile der Anlage trat deshalb ab 1699 ein großer barocker Neubau. Doch auch seine Pracht währte nicht lange – jedenfalls nicht für die katholische Kirche: Das Kloster nämlich wurde im Jahre 1802 im Zuge der napoleonischen Säkularisierung aufgehoben. Bereits zuvor waren die ansässigen Augustinerinnen in andere Klöster geflüchtet.

1811 wurden die Besitzungen des Klosters dann durch die französische Regierung versteigert. "Die Klostergebäude wurden auf Abbruch verkauft und in roher Weise niedergerissen. Die Talbewohner betrachteten das Kloster als einen Steinbruch und bauten damit ihre Häuser, Scheunen und Stallungen", schreibt Jakob Rausch in seinem im Jahr 1957 im Heimatjahrbuch erschienenen Beitrag "Marienthal an der Ahr" über den Niedergang des Klosters. Erhalten geblieben sind das barocke Gartenhaus von 1762, auch "Äbtissinnenhaus" genannt, sowie der Kreuzgang und Teile des Ost- und Nordflügels. Von der reichen Barockkirche stehen dagegen nur noch die von Efeu umwachsenen Außenmauern; Teile der aufwendigen Ausstattung Marienthals fanden in umliegenden Kirchen einen neuen Platz, darunter in der Pfarrkirche Mayschoß, in der Pfarrkirche Rech und in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Aremberg – hier ist noch heute der Altar zu finden.

Im 19. Jahrhundert gaben sich die Besitzer der Klosterruine quasi die Klinke in die Hand: Jakob Rausch zufolge gehörte sie um 1850 der Familie von Neufville in Miel, dann den Erben von der Leyen. Ein späterer Besitzer ließ im Terrassengarten ein großes Herrenhaus errichten. Als die Ahrtalbahn zweigleisig ausgebaut wurde, erwarb der Eisenbahnfiskus das Haus als Verwaltungsgebäude.

1925 schließlich wurde das ehemalige Kloster Sitz der staatlichen Weinbaudomäne. Fast 80 Jahre dauerte diese Ära in der langen Geschichte des Klosters an, bis das Land Rheinland-Pfalz im Jahre 2004 die Gesamtanlage mit der dazugehörigen Weinbaufläche an die Weingut Kloster Marienthal KG veräußerte. Deren Gesellschafter sind selbst vier namhafte Ahrweinproduzenten: die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, die Dagernova Weinmanufaktur und die Weingüter Brogsitter und Meyer-Näkel.

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