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    Kreis Ahrweiler/Holzweiler

    Marder im Haus: Niedlich oder nervtötend?

    Seit 20 Jahren wird Doris Franke immer wieder von einem kleinen Untermieter terrorisiert. Oder vielmehr: von einem Übermieter. Denn das Kerlchen mit dem dichten braunen Fell, den dunklen Knopfaugen und dem hellen Kehlfleck lebt auf dem Dachboden der Familie Franke. Manchmal hört Doris Franke ein Fauchen, öfter ein Tippeln, als würde jemand mit Holzschuhen über ihr Dach laufen. Besonders nachts raubt der Unruhestifter der 62-Jährigen aus Holzweiler den letzten Nerv, denn dann hält er sie vom Schlafen ab.

    Wenn sich ein Marder erst einmal auf dem Dachboden oder unter der Motorhaube eingenistet hat, ist es sehr schwer, ihn wieder loszuwerden.
    Wenn sich ein Marder erst einmal auf dem Dachboden oder unter der Motorhaube eingenistet hat, ist es sehr schwer, ihn wieder loszuwerden.
    Foto: picture alliance

    Auf dem Dachboden der Familie Franke hat sich ein Steinmarder eingenistet. Ein Tier, das sich auf den Dachböden vieler Bürger aus dem Kreis oder unter den Motorhauben ihrer Autos sichtlich wohlfühlt. „Solange er nichts ernsthaft kaputt macht und ab und an auch mal Ruhe hält, können wir uns damit arrangieren“, erzählt Doris Franke. „Tagsüber hört man ihn zumeist gar nicht. Nachts, da dreht er auf.“ Am Anfang hatte Doris Franke oft darüber nachgedacht, dass das Tier entfernt werden muss. Inzwischen kann sie mit dem Marder leben, weil er in die Hälfte des Daches umgezogen ist, die über dem Büro liegt. Dort hält sich nachts nur selten jemand auf. Dieses Glück haben aber nicht viele der Mardergeplagten. Wenn der Zustand irgendwann unhaltbar ist, der Schlaf fehlt, die Autokabel durchgefressen sind und die Isolierung des Daches für viel Geld erneuert worden ist, heißt es: Der Marder muss weg!

    Waschbären gelangen durch offene Türen ins Haus

    Ähnlich verhält es sich mit Waschbären. Das katzengroße Tier mit der lustigen Banditenmaske im Gesicht besiedelt mittlerweile ganze Ortschaften im Kreis Ahrweiler. Erst ist das niedlich, manche Bürger füttern den Waschbär sogar an. Etwas, wovor Hannes Fritz, Berufsjäger und Hegeringleiter in Kesseling, strikt warnt. „Das bringt die Tiere nur noch näher ans Haus. Sie werden futterzahm und weniger scheu“, erklärt er. „Sie merken sich, dass es in der Nähe von Menschen Futter gibt.“

    Wenn der Waschbär dann den Garten verwüstet, Nachwuchs auf dem Dachboden bekommt oder durch die Terrassentüre auf der Suche nach dem Katzenfutternapf in die Wohnung spaziert, ist das auch nicht mehr niedlich. Außerdem beeinflusst der Waschbär die heimische Artenvielfalt. Er frisst Vogeleier, Jungvögel, Amphibien und Reptilien. Schnelle Hilfe ist gefragt.

    Doch das ist nicht einfach umzusetzen. Schließlich kann nicht jeder Bürger auf seinem Dachboden einfach auf Marder- und Waschbärenjagd gehen. Die Tiere unterliegen als bejagbare Wildart dem Jagdrecht. Es braucht eine kundige Person oder den Jagdausübungsberechtigten, mit Nachweis der Fachkenntnis zur Fallenjagd, um den Störenfried los zu werden. Hannes Fritz ist als Berufsjäger solch eine Person. Der 35-Jährige darf die sogenannte Fangjagd innerhalb der Jagdzeit ausüben.

    Für den Einsatz auf dem Dachboden, also einem befriedeten Bezirk, muss der Hauseigentümer zuerst einen Antrag auf Ausübung der Fallenjagd im befriedeten Bezirk bei der Unteren Jagdbehörde stellen. Ist dieser bewilligt, kann Fritz eine Falle aufstellen.

    Ist der Marder erst einmal da, ist es schwer, ihn wieder loszuwerden

    Mehrmals täglich muss er sie kontrollieren, um zu verhindern, dass ein Tier in der Falle keinen größeren Stress leidet als nötig. Aus tierschutzrechtlichen Gründen gibt es strikte Vorschriften für die einzusetzenden Fallen. Sie müssen unter anderem blickdicht und groß genug sein, um den Stress für das Tier gering zu halten.

    Ist ein Marder oder ein Waschbär in die Falle gegangen, muss er aus tierschutzrechtlichen Gründen unverzüglich erlegt werden. Die Alternative wäre, ihn auszusetzen. Damit Marder oder Waschbär nicht in ihr Revier zurückkehren, käme aber nur ein weiter Transportweg infrage. „Ein Transport verstößt gegen die Tierschutzvorschriften, da er das Wildtier nur unnötigem Stress aussetzen würde“, erklärt Fritz. „Eine dem Jagdrecht unterliegende Wildart darf auch nicht einfach ausgesetzt oder umgesiedelt werden.“

    Maßnahmen können verhindern, dass sich Störenfriede einnisten

    Um zu verhindern, dass sich ein Marder oder ein Waschbär auf dem Dachboden einnistet, gibt es mehrere Möglichkeiten. Hannes Fritz empfiehlt, Äste, die nah ans Haus heranragen, abzusägen. Ähnlich verhält es sich mit Rankgerüsten, Balken oder Dachrinnen – gute Klettermöglichkeiten für Marder und Waschbären. Sie können mit einem Kletterschutz entschärft werden. Für Motorhauben empfiehlt er, prophylaktisch Abwehrgeräte anzubringen, die beispielsweise durch Geräusche oder Gerüche den Marder fernhalten können.

    Für Doris Franke kommen diese Geräte nicht mehr infrage. Mittlerweile hat sie sich mit „ihrem“ Marder arrangiert. Sie kennt sogar seine Gewohnheiten: „Laute Musik mag er gar nicht“, sagt sie. „Dann verschwindet er immer für einige Zeit.“

    Von unserer Reporterin Celina de Cuveland

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