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Remagen

Luxushotel auf historischem Grund: Bombenräumer begleiten Hotelbaustelle in Remagen

Christian Koniecki

Die Archäologen freuen sich schon auf den April, wenn die Bauarbeiten zu Remagens Luxushotelprojekt "The Bridge Remagen" beginnen sollen. Denn dann können auch sie mit Ausgrabungen beginnen. Und sie erwarten explosive Funde.

Weltkriegsreste, Römergräber, vorrömische Siedlungsspuren? Das erwartete Fundspektrum im Schatten der Remagener Brückentürme schätzen die Landesarchäologen als relativ groß ein. Groß sind aber auch die Gefahren, die von Munitionsresten aus dem Weltkrieg ausgehen können.
Weltkriegsreste, Römergräber, vorrömische Siedlungsspuren? Das erwartete Fundspektrum im Schatten der Remagener Brückentürme schätzen die Landesarchäologen als relativ groß ein. Groß sind aber auch die Gefahren, die von Munitionsresten aus dem Weltkrieg ausgehen können.
Foto: Christian Koniecki

In unmittelbarer Nähe zu den Türmen der als „Brücke von Remagen“ bekannt gewordenen ehemaligen Ludendorffbrücke soll ab dem Frühjahr die riesige Hotelanlage des Viersternehotels „The Bridge Remagen“ entstehen. Hotelbauten auf historischen Boden – damit ist man in der Römerstadt spätestens seit diesem Sommer bestens vertraut, entdeckte man doch bei den Arbeiten für das Hotel-, Wohn- und Geschäftsprojekt in der Innenstadt unerwartet umfangreiche Siedlungsreste aus der Römerzeit. Sind ähnliche Funde oder gefährliche Weltkriegshinterlassenschaften nun auch an der Brücke von Remagen zu erwarten?

Wir sind schon ganz gespannt, denn dort ist auf jeden Fall etwas im Boden“, sagt Dr. Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der Direktion Landesarchäologie. „Das geht aus unseren Unterlagen hervor, die wir zu dem dort früher vorhandenen Industrieunternehmen in unserem Archiv gefunden haben.“ Das Areal, auf dem das Hotel entstehen soll, ist ein Teil des ehemaligen Becher-Geländes. Die Firma Becher stellte dort bis Anfang des Jahrtausends Türelemente her. Heute befindet sich im vorderen Teil des Grundstücks ein Einkaufszentrum mit Parkplatz, Supermarkt, Discounter und Drogeriemarkt. Im Bereich direkt am Rhein soll der Hotelkomplex mit 121 Suiten und Zimmern, zwei Restaurants und Bistro, einem Wellnessbereich sowie Konferenzräumen entstehen.

„Dort befindet sich noch eine alte Bodenplatte im Erdreich. Bei deren Bau hatte der Archäologe damals Hinweise auf archäologische Funde vermerkt, die noch immer unter dieser versiegelten Fläche verborgen sind“, so Henrichs. Darüber, was dort im Erdreich schlummert, kann auch der Experte nur spekulieren. Klar ist jedoch: Die Ausgrabung dort wird nicht ungefährlich.

Denn die „Brücke von Remagen“ war ein strategisch wichtiger und historischer Schauplatz des Zweiten Weltkriegs. „Die Ausgrabungen werden die ganze Zeit über von einem Kampfmittelräumer überwacht“, schildert Henrich die Problematik an dieser künftigen Grabungsstelle. Der Archäologe erwartet dort unter anderem Munitionsreste, aber auch die Spuren von ehemaligen militärischen Stellungen, sogenannten MG-Nestern, Schützengräben und anderen Weltkriegshinterlassenschaften. Diese sind für die Wissenschaftler ebenso interessant, wie die wesentlich älteren Funde, auf die die Archäologen zu stoßen hoffen.

„Aus dem Mittelalter ist eigentlich nichts zu erwarten, aber aus römischer und vorrömischer Zeit sind Funde wahrscheinlich.“ In unmittelbarer Nähe zu dem künftigen Grabungsort waren schon in der Vergangenheit Einzelfunde dokumentiert. „Wir könnten vielleicht auf Gräber stoßen“, spekuliert Henrich. Geophysikalische Vorerkundungen, sogenannte Magnetometermessungen, sind wegen der industriellen Nutzung des Geländes und der Weltkriegsreste allerdings nicht möglich. „Dafür ist dort einfach zu viel Metall im Boden.“ Die aufwendigen Ausgrabungen werden vermutlich im April beginnen und voraussichtlich etwa fünf Monate dauern. Mitfinanzieren muss sie laut Landesgesetz auch der Projektinvestor. Ein Prozent der Baukosten, die im Fall von „The Bridge Remagen“ rund 40 Millionen Euro betragen sollen, müssen vom Bauherrn noch einmal für die archäologischen Untersuchungen bereitgestellt werden. Aber Henrich beeilt sich zu betonen: „Wegen uns ist noch nie ein Bauprojekt gescheitert, verhindert oder sogar elementar verzögert worden“, und verweist dabei auf die jüngsten Erfahrungen bei dem Bauprojekt auf dem Gelände des Verkehrsverlags im Stadtzentrum von Remagen.

Von unserem Redakteur Christian Koniecki

Luxushotel auf historischem Grund

Das Konzept, das Hotelentwickler Tom Krause mit der Architektin Astrid Bohne im Planungsbüro Krause Bohne Architects and Planners International plant und umsetzt, sieht 121 Doppelzimmer und Suiten vor.

So sieht der Entwurf des Hotels „The Bridge Remagen“ aus. Grafik: Krause Bohne Architects+Planners International
So sieht der Entwurf des Hotels „The Bridge Remagen“ aus. Grafik: Krause Bohne Architects+Planners International

Die Bruttofläche des Gebäudes mit einer Tiefgarage und fünf oberirdischen Etagen beläuft sich auf rund 21.400 Quadratmeter. Geplant sind außerdem zwei Restaurants mit großer Rheinterrasse, einem Bistro, das über das Rheinufer hinausragt, sowie Tagungs- und Seminarräume. Die Investitionssumme wird mit 40 Millionen Euro veranschlagt. 

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