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Lohrsdorf

Lohrsdorf: Die Geschichte hat das Ortsbild geprägt (48)

Das östliche Tor zur Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist der Stadtteil Lohrsdorf mit seinen knapp 600 Einwohnern. Hinzu kommt noch der Ortsteil Green mit rund 100 Einwohnern. Die ehemals selbstständige Doppelgemeinde Lohrsdorf/Green wird im Jahr 828 als Ludovesdorf oder Hludovesthorp erstmalig urkundlich erwähnt und ist damit einer der ältesten Orte entlang der Ahr.

Lohrsdorf ist kein klassisches Straßendorf an der B 266. Es versteckt sich als Bergflankendorf am Lohrsdorfer Bach zwischen den Ausläufern der Landskrone sowie an der Südflanke des Heubergs und dem steil aufstrebenden Lohrsdorfer Koppen.
Lohrsdorf ist kein klassisches Straßendorf an der B 266. Es versteckt sich als Bergflankendorf am Lohrsdorfer Bach zwischen den Ausläufern der Landskrone sowie an der Südflanke des Heubergs und dem steil aufstrebenden Lohrsdorfer Koppen.
Foto: Jochen Tarrach

Wenn heute über seine Historie so viel bekannt ist, dann ist das besonders den Forschungen von Karl Hatwig, dem letzten Schulleiter von Lohrsdorf, zu verdanken. Viele der hier genannten Daten und Fakten entstammen seinen Publikationen. Lohrsdorf liegt eingebettet in die vielgestaltige, besonders reizvolle Landschaft der unteren Ahr etwa zehn Kilometer vom Rhein entfernt und ist nicht zuletzt durch die Existenz der einst auf Lohrsdorfer Territorium erbauten, mächtigen Burg Landskron von besonderem geschichtlichen Interesse.

Der moderne Autofahrer hat den Eindruck, dass es sich um ein typisches Straßendorf an der alten Eifel-Ardennen-Straße, der heutigen Bundesstraße B 266 handelt. Die B 266 ist es auch, deren Autoverkehr mit seinem Schmutz und Lärm Teile des Ortes vor große Probleme stellt. Doch Lohrsdorf ist kein Straßendorf. Der eigentliche Ortskern mit seinen alten Fachwerkhäusern und der altehrwürdigen, Anfang des 11. Jahrhunderts erbauten Kapelle St. Petrus und Marcellinus versteckt sich als Bergflankendorf am Lohrsdorfer Bach zwischen den Ausläufern der Landskrone sowie an der Südflanke des bepflanzten Heubergs und des steil aufstrebenden Lohrsdorfer Koppens.

An der Nordseite der Kapelle steht das große Lothringer Doppelkreuz aus Sandstein. Als Jahreszahl ist 1754 eingemeißelt, vermutlich ist es aber noch wesentlich älter.
An der Nordseite der Kapelle steht das große Lothringer Doppelkreuz aus Sandstein. Als Jahreszahl ist 1754 eingemeißelt, vermutlich ist es aber noch wesentlich älter.
Foto: Jochen Tarrach

Kaiser Ludwig der Fromme (778-840), der Sohn Karls des Großen, schenkte urkundlich im April 828 dem Einhard, dem Schreiber der Lebensgeschichte seines Vaters, zur Nutznießung bis zu seinem Tode das Landgut "Hludovesthorp". Damit hatte Lohrsdorf das Licht der Welt erblickt. Einhard übertrug die Nutznießung dem Kloster Seligenstadt. Die begehrten Weinberge gingen später noch an mehrere Klöster über, bis dann mit der Reichsfeste Landskron dem Ministerialen Gerhard aus Sinzig (geboren 1237) das kaiserlich/königliche Krongut zur Verwaltung und später zum Lehen übertragen wurde.

Anhand von archäologischen Funden ist eindeutig nachzuweisen, dass bereits Kelten und Römer lange vor den Zeitgenossen Karls des Großen oder den Rittern der Landskron auf dem Gebiet von Lohrsdorf gesiedelt haben. In der zeitlichen Abfolge wurde es 1206 wieder so richtig spannend, als König Philipp von Schwaben begann, auf dem Berg Gimmich (Mons Gimiche) oder auch "Landes Krone" genannt, seine Reichsfeste zu erbauen. Bis 1682, als auf Anweisung des Kurfürsten von der Pfalz als Herzog von Jülich die gesamte Burganlage bis auf wenige, noch zu sehende Reste, abgerissen wurden. Heute können die interessierten Bürger die Reste des dem Grafen von Kanitz gehörenden Burggeländes frei besuchen und vom ehemaligen Bergfried aus einen wunderschönen Ausblick in das Ahrtal und auf die Eifelhöhen genießen.

Die kleine Kapelle St. Petrus und Marcellinus in der Ortsmitte gehört nicht dem Bistum Trier, sondern der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Um 1650 erbaut, enthält sie noch Chorteile aus dem 13. Jahrhundert.
Die kleine Kapelle St. Petrus und Marcellinus in der Ortsmitte gehört nicht dem Bistum Trier, sondern der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Um 1650 erbaut, enthält sie noch Chorteile aus dem 13. Jahrhundert.
Foto: Jochen Tarrach

Eng mit der Geschichte Reichsfeste verbunden ist der Köhlerhof im Norden von Lohrsdorf, der heute Zentrum eines weithin bekannten Golfplatzes ist. Bereits im Jahr 1209 taucht er, nur drei Jahre nach Baubeginn auf der Landskron, als "Hof Curle" erstmalig urkundlich im Besitz des Grafen Gerhard von Are als kölnisches Lehen auf.

Viele Besitzer hat das Gut im Verlauf der Geschichte gehabt, bis es in der Mitte des 20. Jahrhunderts in die Hand der Familie Kossler kam und danach mit einem großen Teil seiner herrlichen Ländereien zum Golfplatz umgestaltet wurde. Die Lohrsdorfer Gemarkung entlang der Ahr ist heute insgesamt ein Paradies für Wanderer und Geschichtsfreunde, Bewunderer von floristischer Seltenheit und landschaftlichen Schönheiten.

Stolz sind die Lohrsdorfer auch auf ihr schmuckes Bürgerhaus am Rande der Ahrwiesen.
Stolz sind die Lohrsdorfer auch auf ihr schmuckes Bürgerhaus am Rande der Ahrwiesen.
Foto: Jochen Tarrach

Jochen Tarrach

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