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Kreisstadt

Literaturnobelpreisträger: Was Ahrweiler mit Heinrich Böll verbindet

Jochen Tarrach

Die derzeit im Stadtrat diskutierte Idee, den Aufenthalt berühmter Gäste wie Karl Marx in der Stadt auf Erinnerungstafeln zu verewigen, scheint inspirierend zu wirken. Horst Happe, ehemaliger Oberstudienrat des Erich-Klausner-Gymnasiums in Adenau und heute in Höxter zu Hause, meldete sich bei der RZ mit einem weiteren interessanten Kandidaten für die städtische Findungskommission, die darüber entscheiden soll, wer auf diese Weise geehrt werden soll: Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll (1917-1985).

Die Beziehungen Bölls zu Ahrweiler und Bad Neuenahr sind das Ergebnis der Bombennächte des Krieges. Das Hotel „Vier Winde“ in der Oberhutstraße von Ahrweiler, direkt gegenüber dem heutigen „Alten Zunfthaus“, war sicherlich nicht das prächtigste Hotel der Stadt. Aber es war gemütlich, die Gäste fühlten sich wohl, und mit Heinrich Böll hatte es während des Zweiten Weltkrieges einen Gast, der später einmal weltberühmt werden sollte.

Die in Köln ausgebombte Familie des Schriftstellers, Vater Viktor und Mutter Maria mit Tochter Mechthild sowie Heinrich Bölls Ehefrau Annemarie, fand in den Jahren 1943/44 eine sichere Zuflucht im Gasthof-Hotel „Vier Winde“. Bölls Familie bewohnte ab dem 29. Juni 1943 ein Doppel- und zwei Einzelzimmer in dem von der Familie Mies geführten Haus an der Oberhutstraße. Böll selbst hielt sich als Soldat zeitweilig in Lazaretten in Ahrweiler und Bad Neuenahr auf und war natürlich oft mit seinen Eltern im Hotel zusammen. Während des Zweiten Weltkrieges war die Herberge von Militär und teilweise Fliegergeschädigten aus Köln sowie dem Ruhrgebiet bis unter das Dach belegt.

Bei den Fliegerangriffen auf Ahrweiler am 29. Januar 1945 wurde das Haus durch Bomben zerstört. Das Hotel „Vier Winde“ gibt es heute nicht mehr. An diesem Tag fiel auch das Ahrtor zusammen, die Ahrhutstraße war nur noch Schutt und Asche. Zu diesem Zeitpunkt, am 17. November 1944, war die Familie Böll bereits in das Dorf Marienfeld bei Much auf der rechten Rheinseite verzogen, wo sie auch das Kriegsende erlebte.

Der Name „Ahrweiler“ taucht in Bölls Briefen am 17. Juli 1943 erstmalig auf. Er macht sich darin Sorgen um seine in Köln ausgebombte Familie und deren Übersiedlung nach Ahrweiler. Er schrieb in der Kriegszeit nahezu täglich Briefe; zunächst an seine Familie, später dann an seine Freundin Annemarie Cech, die er 1942 heiratete. „Von dort aus (Ahrweiler a.d.R.) fuhren wir täglich zu dritt, mein inzwischen 75-jähriger Schwiegervater, meine Schwägerin und ich, nach Köln. Die Züge waren überfüllt mit Menschen, die beruflich noch in Köln festgehalten wurden“, beschreibt Annemarie Böll später die Situation. Die Nächte in Ahrweiler seien ruhig gewesen, doch 1944 wurden die Tieffliegerangriffe bei Tage immer häufiger. Bei Fliegerangriffen musste die 67-jährige Mutter Bölls, die an einer schweren Knochenkrankheit litt, in den Luftschutzkeller getragen werden. Sie starb am 3. November 1944 und wurde auf dem Friedhof am Ahrtor in Ahrweiler bestattet. Heinrich Böll lag 1944 zeitweilig mit hohem Fieber in der Ehrenwall'schen Klinik, die ab Kriegsbeginn 1939 mit 120 Betten von der Wehrmacht als Reservelazarett genutzt wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden kehrte er im Oktober 1944 zu einem Genesungsurlaub, der bis zum 19. Oktober dauern sollte, erneut nach Ahrweiler zurück. Wegen eines vermutlich bewusst herbeigeführten erneuten Fieberanfalls nahm man ihn am 21. Oktober 1944 in das Lazarett 2/612 in Bad Neuenahr auf.

Nach dem Tod seiner Mutter am 3. November wurde er am 6. November aus dem Lazarett entlassen und bekam bis zum 17. November 1944 Sonderurlaub. An diesem Tag siedelte die Familie Böll nach Marienfeld um. Heinrich Böll geriet am 9. April 1945 bei Waldbröl in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Für kurze Zeit war er nach eigenen Angaben auch im Gefangenenlager „Goldene Meile“ zwischen Remagen und Sinzig untergebracht, ehe er schließlich am 15. September 1945 in Bonn aus der Gefangenschaft entlassen wurde. 1982 kam er zu einem Besuch zurück an die Ahr. In der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler trug er sich als Literaturnobelpreisträger in das Goldene Buch ein.

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