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Landskrone: Burgruine trotzt ihrer Zerstörung (45)

Viele Wege führen zur Landskrone: Aus Lohrsdorf, durch die "Burgpforte" in Gimmigen oder von Heimersheim aus etwa lässt sich mit etwas Puste der 272 Meter hohe Berg inklusive Naturschutzgebiet und Überresten der mittelalterlichen Burganlage erreichen. "Für mich ist das Heimat", sagt Andreas Schmickler, der die Landskrone wie seine Westentasche kennt.

So könnte die Burg Landskrone einmal ausgesehen haben. Die digitale Rekonstruktion der beeindruckenden Anlage ist das Werk von Andreas Schmickler.
So könnte die Burg Landskrone einmal ausgesehen haben. Die digitale Rekonstruktion der beeindruckenden Anlage ist das Werk von Andreas Schmickler.
Foto: Petra Ochs

Für die Kreisvolkshochschule bietet der Kirchdauner, der zum 800. Jubiläum über die Burg Landskrone ein Buch geschrieben hat, von Zeit zu Zeit Führungen auf den Berg an. Und der war früher einmal sehr viel kahler als heute. Weithin sichtbar thronte hier bis weit ins 17. Jahrhundert hinein die Burg, die dem Berg seinen Namen gab: Aus dem "Mons Gimiche", wie er im Jahre 853 erste Erwähnung fand, wurde ab 1206 mit dem Bau der stattlichen Burganlage die Landskrone. Der Staufer Philipp von Schwaben hatte die Burg im Kampf um den Thron mit dem Welfen Otto IV. von Braunschweig und zur Sicherung der in der Nähe verlaufenden Krönungsstraße errichten lassen und Gerhard von Sinzig als Burgherren eingesetzt. Dieser und seine Nachkommen beherrschten die Burg Landskrone bis zum Jahre 1370, dann wurde sie auf drei Familien aufgeteilt.

Belagert wurde die Anlage im Laufe der Jahrhunderte immer wieder: 1214 durch den Staufer Friedrich II., 1616 von den Spaniern, 1632/33 von schwedischen, spanischen und kurkölnischen Truppen. Zur Katastrophe kam es 1677, als ein Brand einen Großteil der Burganlage zerstörte. Ob Brandstiftung oder ein Blitzeinschlag der Auslöser des Feuers war, blieb ungeklärt. Am Ergebnis und seinen Folgen hätte aber auch die letzte Gewissheit darüber nichts geändert: Auf Befehl des Herzogs von Jülich wurden die Reste der Burg fünf Jahre nach dem Brand vollends zerstört, um zu verhindern, dass sich die Franzosen in der Burg festsetzen konnten. "Damals schickte Ludwig XIV. seine Soldaten bis ins Ahrtal. Sie verwüsteten das Land. 1689 legten sie schließlich Ahrweiler in Schutt und Asche", erzählt Schmickler.

Kleinzukriegen war die Landskrone trotzdem nicht: Die Ruine lebt. Bis heute trotzt die Burg ihrer Zerstörung – jedenfalls das, was von ihr noch übrig geblieben ist. Und das ist mehr, als man annehmen könnte. Vom Grün umwuchert sind auf dem Weg zum Gipfel viele steinerne Relikte zu finden. Früh trifft man auf die Mauerreste der untersten Pforte, bald darauf auf das Turmfundament am mittleren Tor, das von vielen irrtümlich für einen Brunnen gehalten wird. Beträchtliche Ausmaße hat das alte Bergfriedfundament, das heute als Aussichtsplattform dient. Weitere gut erhaltene Mauerreste gibt es auch vom oberen Zwinger. Relikte wie diese, der Grundriss von 1910, historische Quellen und zeitgenössische Abbildungen haben es Andreas Schmickler vor gut zehn Jahren möglich gemacht, die Burganlage digital zu rekonstruieren.

Basalt als Grundstein

Keine Frage: Die Steine, aus denen die Burg gebaut wurde, sind beständig. Doch das ist auch kein Wunder, handelt es sich doch um Basalt, der seinerzeit direkt am Hang der Landskrone abgebaut wurde. Die zuhauf herumliegenden alten Burgsteine recycelte im Jahre 1910 der Gastwirt Heinrich Möhren, der in den Resten der Burganlage auf den Grundmauern eines Wohnturms ein großes Gasthaus errichtete, das sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu einem beliebten Ausflugslokal mausern sollte. Ironie des Schicksals: Wie die Burg selbst wurde auch das Gasthaus ein Opfer der Flammen: 1949 brannte es ab – und mit ihm viele Funde aus der Burg, die der Wirt Möhren, der Hobbyarchäologe war, an der Anlage zutage gefördert hatte.

Von Zerstörung bedroht war im 19. Jahrhundert auch die Landskrone selbst. Wie viele andere Basaltkuppen nahe dem Rhein sollte sie für den Basaltabbau freigegeben werden. Doch glücklicherweise verhinderten dies ein 1889 gegründeter Verein zum Schutz der Landskrone und die Kreisverwaltung durch den Ankauf von Flächen. 1943 dann wurde der rund fünf Hektar große Gipfelbereich der Landskrone unter Naturschutz gestellt. Seltene Pflanzen wie Bilsenkraut, Eselsdistel und Efeusommerwurz, dazu viele Schmetterlinge, Eidechsen und die Schlingnatter sind hier zu finden, vor allem an den südlichen, warmen Felspartien. Inzwischen gehört die Bergkuppe auch zum Flora-Fauna-Habitat-Gebiet.

Einmal im Jahr wird auf der Landskrone das Brezelfest gefeiert. Veranstalter sind Heppinger Vereine, die sich auch um den Erhalt der im Kern noch romanischen Marienkapelle auf der Landskrone kümmern. Das etwas von der Burgruine entfernt liegende kleine Gotteshaus, das selbst von der A 61 aus gut zu sehen ist, wurde im Jahre 1212 erstmalig urkundlich erwähnt und ist seit 1470 auch unter der Bezeichnung "Kapelle der Fünf Jungfrauen" geläufig. Um 1618 wurde sie restauriert und 2010 erneut aufwendig saniert.

Petra Ochs

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