40.000
Aus unserem Archiv

Kreuzberg: Die Schnittstelle im Ahrtal (27)

Drei Flüsse, drei Täler und drei Gebäude, die ehemals als Schule dienten: Die Zahl drei spielt im Altenahrer Ortsteil Kreuzberg schon eine gewisse Rolle. Als Cruceberg wurde der Ort urkundlich erstmals 893 im Prümer Urbar erwähnt. Besonders ist seine Topografie: Kreuzberg liegt, umgeben von Wäldern und hohen Felsen, in drei Tälern: dem Ahrtal, dem Vischeltal und dem Sahrbachtal. Dementsprechend fließen auch drei Gewässer durch das Dorf: die Flüsschen Vischelbach und Sahrbach, die in Kreuzberg innerhalb von knapp 100 Metern in die Ahr münden.

Die Flüsschen Vischelbach und Sahrbach münden in Kreuzberg innerhalb von knapp 100 Metern in die Ahr. Bei Kreuzberg beginnt auch der Übergang von Wein- zum Waldbau. Hinter Altenahr gibt es den letzten Weinberg des Ahrtals, aber der wird nur als Hobby betrieben. Untrennbar ist der kleine Ort mit dem Namen der Adelsfamilie von Boeselager und ihrer Burg. Foto: Petra Ochs
Die Flüsschen Vischelbach und Sahrbach münden in Kreuzberg innerhalb von knapp 100 Metern in die Ahr. Bei Kreuzberg beginnt auch der Übergang von Wein- zum Waldbau. Hinter Altenahr gibt es den letzten Weinberg des Ahrtals, aber der wird nur als Hobby betrieben. Untrennbar ist der kleine Ort mit dem Namen der Adelsfamilie von Boeselager und ihrer Burg.
Foto: Petra Ochs

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Bei Kreuzberg beginnt auch der Übergang von Wein- zum Waldbau. Hinter Altenahr gibt es hier den letzten Weinberg des Ahrtals, aber der wird nur als Hobby betrieben. Untrennbar ist der kleine Ort mit dem Namen der Adelsfamilie von Boeselager verbunden. „Sie tun dem Ort gut", sagt Ortsvorsteherin Christine Auster. Für jeden Kreuzberger hätten die von Boeselagers, die die Burg Kreuzberg bewohnen, ein offenes Ohr. Und auch wenn sie nicht unmittelbar am Dorfgeschehen teilnehmen, seien sie stets am Ort interessiert. Sie sind ja auch mittendrin: Ihre Burg thront im Zentrum über Kreuzberg, und alle Ortsstraßen sind strahlenförmig vom Burgberg weg angeordnet. Rund 650 Einwohner zählt Kreuzberg, das seit 1969 zur Ortsgemeinde Altenahr gehört. Seiner Tallage ist geschuldet, dass das Örtchen keinen Platz hat, sich weiter auszudehnen. Und so kommt es, dass das jüngste Neubaugebiet bereits rund 30 Jahre alt ist. Dennoch lebt es sich gut in Kreuzberg.

Eine Landflucht sei eher nicht gegeben, meint die Ortsvorsteherin, da sich im Ort das erweiterte Stadtgebiet Köln-Bonn und das Erholungsgebiet mit Wander- und Radtourismus in idealer Weise begegneten. Bonn ist gerade einmal 35 Kilometer entfernt, Köln rund 70 Kilometer. Und die Verkehrsanbindung ist dank Tunnel und Schnellstraße sehr gut. Auch die Bahn tut das ihre dazu: Sie fährt im Stundentakt in Richtung Bonn. Die mächtigen Felsen des Ahrgebirges werden unweit von Kreuzberg gleich mehrfach durch Tunnelbauten aufgebrochen. Dass der Lingenbergtunnel, der Kreuzberg am nächsten gelegene Tunnel, im Zuge der Ortsumgehung von Altenahr aber überhaupt gebaut wurde, ist einer Naturkatastrophe zu verdanken: Am 17. Februar 1988 kam es bei Kreuzberg zu einem gewaltigen Felsrutsch an der Hohen Ley, bei dem nur durch Glück niemand verletzt wurde. Gut zehn Meter hoch türmten sich damals die Felsmassen auf der B 257 und den Bahngleisen.

An das Unglück erinnert heute noch ein Gedenkstein – ein Teil des herabgestürzten Schieferfelsens – am Rondell „Am Auel" in der Dorfmitte. Das Rondell ist nicht nur ein innerörtlicher Verkehrsknotenpunkt. Hier treffen sich die Kreuzberger an Silvester zum Böllern, und hier stellt sich der Karnevalszug auf, der sich alljährlich durch den Ort schlängelt. Gefeiert wird gern in Kreuzberg. Das Kirchweihfest am 17. Januar ist inzwischen aber eine reine „Gasthofkirmes", bei der man sich zur Schlachtplatte trifft. Gern engagieren sich die Kreuzberger in den Ortsvereinen: bei der Feuerwehr oder beim Bürgerverein, der den Karnevalszug und auch das weit und breit einzige Höhenmartinsfeuer auf der Martinsnück bei Kreuzberg organisiert.

Der Junggesellenverein St. Antonius baut zu seinem Junggesellenfest stets eine Tunnelbar unter der Ahrbrücke auf. Aktiv ist auch der Eisenbahner-Sport-Verein (ESV) Kreuzberg: In Eigenleistung hat er jüngst das Sportlerheim um einen Gebäudeanbau erweitert. Ungewöhnlich ist die Künstlerdichte in Kreuzberg: Heimisch sind der Bildhauer und Restaurator Bernhard P. Schneider sowie Maler und Restaurator Markus Simons. Zugezogen ist Jacques Overhoff: Der aus den Niederlanden stammende Künstler und freischaffende Designberater hat lange in den USA gelebt und gearbeitet. Nun ist der frühere Beatnik, der sich mit seinen architektonischen Skulpturen, Monumenten, Fassaden- und Brückenentwürfen unter anderem in San Francisco verewigt hat, mit seiner Frau Elfriede Cryns, ebenfalls Künstlerin, in der Alten Remise daheim. In Kreuzberg ist Overhoff auch künstlerisch angekommen: Er hat das Tor zur Burg entworfen. Neben der Burg und ihren Nebengebäuden hat Kreuzberg einen weiteren architektonischen Hingucker: „die Villa". So nennen die Kreuzberger das späthistoristische Gebäude, das die Unternehmerfamilie Bengs auf einer Anhöhe im Vischeltal errichten ließ. Eine Rarität ist das prächtige Treppenhaus – es diente schon des Öfteren als Filmkulisse.

Die benachbarte Fabrikhalle war Sitz der Robena Ledermoden GmbH, die 2006 ihren Betrieb einstellte. Nun sollen hier Eigentumswohnungen entstehen. 
Baugeschichtlich bemerkenswert ist auch das ehemalige Bahnbetriebswerk Kreuzberg. Bis 2006 stand die Gebäudeanlage, die um 1918 noch während des Ersten Weltkrieges entstanden und für die damals größte Güterzuglokomotive ausgelegt war, unter Denkmalschutz. Lange Jahre bemühte sich der Verein Museums-Bw Kreuzberg um den Erhalt des Bahnbetriebswerks. Inzwischen ist das Baudenkmal gefährdeter denn je: Das Bahnhofsgebäude steht zum Verkauf, der Ringlokschuppen verfällt zusehends.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach