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Kreisstadt

Kein leichtes Spiel: Wo Polizisten auf Puppen treffen

Gabi Geller

Polizeibeamte, die mit Puppen spielen – das mag sich im ersten Moment etwas seltsam anhören. Aber Eingeweihte wissen: In Sachen Kriminalprävention sind die polizeilichen Puppenspieler seit Jahrzehnten unübertroffen erfolgreich.

Der Schnupperkurs fand viele Teilnehmer, Referent Michael Kressin (liegend) legt viel Wert auf ein realistisches Puppenspiel.  Foto: Gabi Geller
Der Schnupperkurs fand viele Teilnehmer, Referent Michael Kressin (liegend) legt viel Wert auf ein realistisches Puppenspiel.
Foto: Gabi Geller

Am vergangenen Wochenende trafen sie sich wieder einmal zum viertägigen Weiterbildungsseminar im Jugendgästehaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Rund 50 Polizeipuppenspieler, vom Anfänger bis zum „alten Hasen“, tauschten sich aus, lernten von Referenten und erarbeiteten sich in Workshops neue Fertigkeiten.

Koordinator des Symposiums war Guido Asmuth. Er ist seit 30 Jahren als Polizeipuppenspieler aktiv und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig, wertvoll und wirksam die Arbeit der Polizeipuppenspieler ist. Denn Kinder behalten die Lerninhalte von Puppenbühnen weit besser als Hörspiele oder Filme.

Die Präventionsarbeit der Polizeibühnen konzentriert sich auf die Themen Verkehrssicherheit und Schutz vor sexuellem Missbrauch. Eingepackt in alltägliche Geschichten zeigen die Puppen den kleinen Zuschauern, wie man alles richtig macht. Die Geschichten sind stets positiv besetzt. Man will den Kindern keine Angst machen mit bedrohlichen Szenarien, was alles passieren könnte. Denn Kinder sollen sich stark und sicher fühlen in der Welt. Weil sie gelernt haben, wie man zum Beispiel eine Straße überquert. Oder dass man nie wohin geht, ohne Bescheid zu sagen.

Dieses kunstvolle Handwerk des Puppenspiels mit pädagogischem Anspruch will gelernt sein. Kinder sind dankbare aber auch kritische Zuschauer. So gab es beim Symposium in Bad Neuenahr-Ahrweiler unter anderem einen Workshop für Fortgeschrittene zum Thema Körpersprache. Hier lernten die Teilnehmer, wie eine Puppe wortlos ein Gefühl ausdrücken kann.

Wie der Puppenspieler selber Teil der Handlung werden kann – diese Technik vermittelte Profi-Puppenspieler Matthias Träger in seinem Seminar. Michael Kressin brachte den 13 Teilnehmern des Schnupperkurses die Basics des Puppenspiels bei. Zwei Varianten gibt es bei den Figuren: die Handpuppen, die von Spielern hinter einem Vorhang entlang einer Leiste bewegt werden und die Klappmaul- oder Mimikpuppen, für die der Spieler beide Hände einsetzt.

Aber um das Spiel dann auch überzeugend zu gestalten, gilt es, viele Regeln zu beachten. Die Puppe bewegt sich schrittweise langsam entlang eines imaginären Bodens. „Nicht husch, weg ist sie. Eine Puppe fliegt nicht“, macht Kressin deutlich. Die Puppe soll sich natürlich bewegen, dann wirkt das ganze Spiel echt. Bei der Bewegung ebenso wie beim Reden gilt daher die Regel: „Ihr müsst den Mut zur Pause haben.“ Der Experte erinnert daran: „Ihr kennt das Stück, aber die Zuschauer nicht. Also, lasst ihnen Zeit zu verstehen, was sie sehen.“ Also: Jede Situation in Ruhe ausspielen!

Daraus ergibt sich eine weitere Erkenntnis: Was die Kinder auf der Bühne sehen, müssen die Spieler nicht noch durch Worte erklären. „So in der Art: Da kommt die Oma, die hat Kuchen in der Hand. Das sehen die Kinder doch!“ Die meisten Anfänger im Schnupperkurs werden bald ihre Arbeit in einer der Polizeipuppenbühnen in Deutschland aufnehmen.

Von unserer Mitarbeiterin
Gabi Geller

Kasper hat im Polizeipuppentheater nichts verloren

Seit 1999 organisieren die Polizeipuppenbühne im Polizeipräsidium Koblenz und der „Verein zur Förderung der Methode Puppenspiel in der Kriminal- und Verkehrsprävention“ alle zwei Jahre ein solches Symposium. Seit vielen Jahren kommen sie hierfür regelmäßig ins kreisstädtische Jugendgästehaus. Angefangen hat alles mit dem Hamburger Verkehrskasper 1948.

Kasper hat allerdings in Stücken, in denen ein Polizist mitspielt, heute keinen Platz mehr. Denn in seiner bekannten Rolle ist Kasper immer schlauer als alle anderen. Mehr zu wissen als der Polizist – das wäre in solchen Lehrstücken unpassend. Die einzelnen Bühnen – in Rheinland gibt es in jedem der fünf Polizeipräsidien eine – erarbeiten die Stücke selbstständig, die Puppen werden eigens von Künstlern gebaut. Anfragen von Kitas an die Polizeipuppenbühne im Bereich des PP Koblenz gibt es viele. Zurzeit gibt es eine Wartezeit von zwei Jahren. gg

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