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Ahrweiler

Karnevalssitzung: Bäcker fahren närrische Sahnestücke auf

Früher war es ein Geheimtipp in einer kleiner Mehrzweckhalle im beschaulichen Bengen, heute ist sogar das Ahrweiler Helmut-Gies-Bürgerzentrum zu klein für die Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) Backes Jonge, besser bekannt, als „Bäckersitzung.“

Die Botzedresse gelten als Hausband der Bäckersitzung. Sie heizten dem Publikum mit Potpourris ein. Foto: Vollrath
Die Botzedresse gelten als Hausband der Bäckersitzung. Sie heizten dem Publikum mit Potpourris ein.
Foto: Vollrath

Warum das so ist? Es wird Spitzenkarneval geboten, nicht nur aus Köln. Die Sitzung, geboren aus einer Thekenidee eines ehemaligen Bäcker-Kegelclubs, garantiert Jahr für Jahr erstklassige Unterhaltung. Die, die heute hinter dem Verein stehen, machen es, wie ihre Vorgänger: Sie buchen nicht nach bekannten Namen, sondern schauen sich im großen Umkreis auf den Vorstellabenden um und bestellen erst dann das Programm.

Und darum waren am Sonntag auch wieder zehn starke Auftritte zu erleben. Das proppenvolle Ahrweiler Bürgerzentrum war von der ersten bis zur letzten Minute in Hochstimmung, die sich auch auf die Akteure übertrug. Garden, Musiker oder Redner gaben sich die Klinke, oder besser das Mikrofon in die Hand. Sitzungspräsident Volker Scherhag hatte dabei alle Hände voll zu tun, eine Rakete nach der anderen zünden zu lassen. Oftmals schien die Bühne zu klein zu sein. Das war schon beim Auftakt so, als das stolze blau-rote Corps der Beueler Stadtsoldaten mit knapp 60 Uniformierten aufmarschierte, um Gardisten und Mariechen tanzen zu lassen.

„Die Musik dazu macht unser Zug selbst, damit sind wir im Rheinland einzigartig“, so der stolze Kommandant. Eng wurde es auch, als mit den Rheinveilchen die akrobatische Tanzgruppe der KG „Große Braunsfelder“ aus Köln die Bühne erreichte. Die rund 40 Tänzer lieferten Spitzensport im Karneval, bei dem die Mädchen bis unter die Hallendecke flogen. Ganz anders dann die Narrenzunft Gelb-Rot aus Koblenz. Ihr Auftritt hat schon Varieté-Charakter. Das Thema: „James Bond in Russland.“ Dabei begeisterten die rund 40 Tänzer nicht nur mit der Choreographie, sondern auch mit insgesamt 136 einfallsreichen Kostümen, allesamt in Eigenarbeit erstellt.

Auf dem aussterbenden Ast sind die Redner, das Publikum will nur noch Party. Nicht so bei den Rednern bei der Bäckersitzung. Denen wird zugehört. Der „Knallkopp“ Dieter Röder bewies dabei ganz trockenen Humor. Mit Kindergartentasche um den Hals, haute er einen Kalauer nach dem anderen raus. Kurz, knackig, aus dem Leben. Besonders aus dem Kneipenleben und auf Kosten seiner Frau.

Gesang und Vortrag vereint hat Martin Schopps. „Kölns Bester“, so der Sitzungspräsident, der den Karnevalisten so beschreibt: „Nur die Rheinländer kommen mit der internationalen Idiotie der Menschen klar.“ Welche Menschen explizit gemeint waren, war klar: Trump, Erdogan und Jong-un. Die drei werden derzeit durch alle jecken Säle getrieben. Schopps hatte jede Menge Themen parat: den Kölner Dauerstau, die Kommunikation der heutigen Jugend oder aber politisch unkorrekte Lieder. Und dann waren da noch Willi & Ernst, zwei Koblenzer, die längst im großen Karnevalsgeschäft in Köln angekommen sind. Ihr Auftritt war Slapstick pur. Sie hatten alles im Griff, nahmen verdutzten Gästen die Telefone ab und übernahmen das Dirigat bei der Saalkapelle „Rhein-Ahr-Spatzen.“ Lernen konnte man bei genauem Zuhören auch etwas, nämlich perfektes rheinisch: „Isch frojen – du frääschs – er, sie, es fröösch.“

Bogen sich bei den Vorträgen die Lachmuskeln, strapazierten die Musiker Stimmbänder, Arme und Beine. Die „Botzedresser“, vorgestellt als „Hausband der Bäckersitzung“, begeisterten mit ihren Potpourris, „Et Fussisch Julche“, Marita Köllner landete auf einem Tisch statt auf der Bühne, erinnerte an nostalgische Karnevalszeiten und trennte sich sogar von ihrer roten Perücke.

Am Ende waren es dann erst die „Räuber“, die mit „Trömmelche“, „Kölsche Junge bützen joot“ oder „Dat es Heimat“ die Gäste von den Sitzen rissen. Damit nicht genug. Die „Höhner“ setzten noch einen drauf, luden das Publikum zu „Kumm loss mer fiere“ ein und vermeldeten eigentlich viel zu spät „Jetzt geht’s los.“ tbr

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