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Sinzig

Im Trüffelhain sieht's vielversprechend aus

"Nein, das ist kein Trüffel. Das ist ein kleiner Kartoffelbovist – die Indianer haben mit seinem Pulver wunde Babypopos gepudert. Aber er wird manchmal dazu genutzt, Trüffelprodukte zu strecken." Frank Krajewski, der Pilzsachverständige des Ahrtrüffelvereins, ist ganz in seinem Element.

Pilzsachverständiger Frank Krajewski ist für den Ahrtrüffelverein von unschätzbarem Wert.
Pilzsachverständiger Frank Krajewski ist für den Ahrtrüffelverein von unschätzbarem Wert.
Foto: ith

Bei einem Besuch im vereinseigenen Trüffelhain in Bad Bodendorf gibt es erst mal eine kleine Pilzkunde. Täublinge sind giftig – sie schmecken bitter und scharf, machen den Mund taub, haben meist spröde Lamellen, und am Stil brechen sie wie Obst.

Kurz referiert Krajewski über Ritterling, Becherling, Schlauch- und Ständerpilze und schneidet dann zur Ansicht einen Trüffel auf, der am Rand schon ein bisschen matschig ist. Das Innere wird Gleba genannt und ist das, was Gourmets so heiß begehren. Pilze hat Krajewski schon immer gesucht, aber seit er in Frankreich mit dem Wildkräuterkoch Jean-Marie Dumaine erleben durfte, wie dessen Trüffelsuchhund Max bei einem Wettbewerb mehr Trüffeln als die ausgebildeten Profihunde aufstöbere, hat ihn die Begeisterung für die knolligen Schätze des Erdreichs gänzlich gepackt.

Schwarzes Gold – so nennt man die wertvollen Trüffeln, die auf der ganzen Welt unter der Erde wachsen. Ein Gramm des aromatischen Pilzes wird zu 3 Euro gehandelt. Es gibt sie auf allen Kontinenten – die Bedingungen müssen nur stimmen. Während in Deutschland die Wildschweine für ihre Verbreitung sorgen, indem sie sie fressen und wieder ausscheiden, übernehmen das in Australien etwa die Kängurus.

"Der Boden muss kalkhaltig sein, und die Begleitvegetation ist von Bedeutung", erklärt der Experte und wirft den nicht mehr ganz frischen Trüffel an den schmalen Stamm eines der 300 Setzlinge, die der Verein dort vor mehr als sieben Jahren angepflanzt hat. An manchen der kleinen Bäumchen hängen Plaketten mit den Namen ihrer Paten. Darunter auch der von Karin Lüer-Kirsch, der weltbesten Sporenfotografin, des Kabarettisten Bernd Stelters oder von Landrat Jürgen Pföhler. Hier im sonnenverwöhnten Trüffelhain (Truffière) Sinzigs sind es Aprikosen, Kornelkirschen, aber vor allem Eichen und Haselnussbäumchen, die als Wirtspflanzen für die Sommer- und Burgundertrüffeln (Tuber uncinatum) dienen.

Frank Krajewski erklärt den Vorgang des Mykotisierens: "Die Frucht des Baums, etwa eine Haselnuss, wird angeritzt und in neutrales Substrat gegeben, was mit dem Mineral Vermiculite angereichert ist. Man kann aber auch Katzenstreu hierfür nehmen, das ist billiger. Nachdem die Nuss gekeimt hat, vermischt man einen halben Teelöffel Trüffelsporenpüree mit den Trieben. In geeigneten Boden eingebracht, entstehen die besten Wachstumsbedingungen für Trüffeln. Nach einigen Jahren bringt der Pilz Fruchtkörper hervor – unsere Trüffeln."

Krajewski hofft, dass es eine gute Ernte werden wird. "Wir sind jetzt im achten Jahr und haben von Experten den Mykotisierungsgrad messen lassen – er liegt bei vier von fünf möglichen Punkten, das ist sehr vielversprechend", sagt er. Die Pflege der Truffière obliegt seit einigen Jahren Günter Laudien. Gerade kommt er mit einigen frischen Safranknollen an, die er für Jean-Marie Dumaine in ein Beet pflanzen soll. Die Baumscheiben hat er mit Stroh gemulcht. Überhaupt sorgt er verantwortungsvoll dafür, dass in Sinzigs Trüffelhain alles zum Besten steht.

Dort, wo sich Trüffeln mit dem Wurzelgeflecht ihrer Wirtspflanze verbunden haben, entsteht häufig im Umkreis eine vegetationsgeschädigte Zone, auch "verbrannte Erde" genannt. Trüffeln stehen seit 1986 auf der Roten Liste 1 – jegliches Sammeln und Transportieren ist verboten. "Beim Sommer- und Burgundertrüffel ist das eigentlich nicht berechtigt – es gibt sie in ganz Deutschland in Mengen in der Erde", so Krajewski. Nur gebe es keine Meldungen über Vorkommen, da verständlicherweise niemand bestraft werden wolle, wenn er welche ausbuddelt. Gut sei es wiederum, dass durch das Verbot verhindert werde, dass geldgierige Geschäftemacher mit ganzen Hundestaffeln den Wald durchwühlten.

In Frankreich hingegen sehe man das nicht so eng. Das offizielle Ertragsvolumen aus dem Trüffelhandel wird dort mit 100 Millionen Euro jährlich angegeben. Inoffiziell seien es jedoch eine halbe Milliarde Euro. "Wenn in Richerand und Carpentras Markt ist, stehen die dicken Limousinen in den Seitenstraßen – ein offener Kofferraum bedeutet: Ich will kaufen", beschreibt Krajewski das Prozedere. In Sinzigs Truffiére geht alles legal zu. Gourmetkoch Dumaine hat seit 2002 die Lizenz, mit Hund stichprobenartig Trüffelvorkommen zu Lehrzwecken aufzustöbern.

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

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