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Heppingen

Heppingen: Geschichte spielt in dem quirligen Ort eine wichtige Rolle (47)

Von Bad Neuenahr aus nur wenige Hundert Meter die Ahr abwärts liegt mit Heppingen ein Ort, der den Kurort an Geschichte weit übertrifft. Seine Historie wird ebenso wie die von Bad Neuenahr weitgehend vom Mineralwasser aus dem Untergrund und der Ahr beeinflusst. 1050 Jahre alt ist Heppingen im vergangenen Jahr geworden und noch immer voll quirligen Lebens.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Pfarrkirche von Bomben getroffen und schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Pfarrkirche von Bomben getroffen und schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Wenn die Bürger um ihren Ortsvorsteher Klaus Kniel das Alter des Ortes so genau bestimmen können, so liegt das daran, dass man das Alter des Pantaleons-Hofes in der Ortsmitte urkundlich genau nachweisen kann. Dazu muss man aber tief in die in die Geschichte eintauchen. Heimatforscher Wilhelm Knippler hat das bereits um 1960 herum getan. Natürlich hieß der Pantaleons-Hof im Jahr 965, als er in einer Urkunde erstmalig schriftlich benannt wurde, nicht Pantaleons-Hof, sondern Hof Havingan.

Der Eigner des Hofes zu jener Zeit, Bruno I., Erzbischof von Köln und Herzog von Lothringen, war ein mächtiger Mann. Er soll der Überlieferung nach ein Nachkomme des legendären Sachsenkönigs Widukind gewesen sein („Wir sind die Niedersachsen, Herzog Widukinds Stamm“, so heißt es noch heute in der inoffiziellen Hymne des Landes Niedersachsen). Als Bruder des späteren Otto des Großen war Bruno Sohn König Heinrichs I. (876–936), dem Regenten des Ostfrankenreiches.

Ein verbrieftes Recht für die Bürger ist die kostenlose Versorgung mit Apollinaris und Heppinger Mineralwasser.
Ein verbrieftes Recht für die Bürger ist die kostenlose Versorgung mit Apollinaris und Heppinger Mineralwasser.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Jener Bruno also kannte sich während seines Lebens an der Ahr gut aus und hatte Äcker und Weinberge, Wiesen und Wald sowie als Herzstück den Hof Havingan. Als er im Jahr 965 starb, vermachte er diesen Hof dem Benediktinerkloster St. Pantaleon in Köln. Die dazu erstellte Urkunde ist erhalten und der erste urkundliche Nachweis, dass auf Heppinger Gebiet Menschen gesiedelt haben.

Im Jahr 1130 wird der Hof Havingan unter dem Namen Pantaleons-Hof erwähnt. Er lag geschützt unten im Tal, angeschmiegt an die Terrassen der Landskrone, die Niederung ausfüllend bis zur Ahr und zum Leimersdorfer Bach, geschützt durch dichtes Weißdorngestrüpp.

Das Haus Heppingen der Grafen Wolf-Metternich dämmert indes vor sich hin, die Gebäude des Pantaleons-Hofes sind erst nach der napoleonischen Zeit entstanden.
Das Haus Heppingen der Grafen Wolf-Metternich dämmert indes vor sich hin, die Gebäude des Pantaleons-Hofes sind erst nach der napoleonischen Zeit entstanden.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Den besten Schutz aber bot die Unantastbarkeit geistlichen Besitztums. Der Hof war nie ein Kloster, sondern immer nur Klosterbesitz, dafür zuständig, das Mutterhaus standesgemäß zu versorgen. 1643 fiel die Heppinger Kapelle einem Brand zum Opfer. Abt Ägidius Romanus (1646–84) ließ sie 1650 wieder aufbauen. Selbst als 1682 die Burg Landskron durch den Herzog von Jülich gesprengt wurde, blieb der Klosterbesitz erhalten.

Das Haus Heppingen der Grafen Wolf-Metternich dämmert indes vor sich hin, die Gebäude des Pantaleons-Hofes sind erst nach der napoleonischen Zeit entstanden.
Das Haus Heppingen der Grafen Wolf-Metternich dämmert indes vor sich hin, die Gebäude des Pantaleons-Hofes sind erst nach der napoleonischen Zeit entstanden.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Vom ursprünglichen Anwesen ist heute außer dem Namen nichts mehr erhalten. Die aktuellen Gebäude des Pantaleons-Hofes, der auch im Volksmund oft „Heppinger Abtei“ genannt wird, sind alle viel später entstanden. Auf dem Torbalken der großen Scheune ist die Jahreszahl 1809 eingebrannt. Napoleon war es, der den kirchlichen Besitz im Zuge der Säkularisation verweltlichte. Wer genau nun zu dieser Zeit Besitzer des Pantaleon-Hofes wurde, ist nicht mehr festgehalten. Heute jedenfalls sind Karl-Heinz Schumacher und Sohn Johannes die Hausherren auf dem Hof. Wie sie berichten, ist ihre Familie bereits in der fünften Generation hier beheimatet.

Der Bau der Ahrtalbrücke 1975 war auch für Heppingen ein einschneidendes Ereignis.
Der Bau der Ahrtalbrücke 1975 war auch für Heppingen ein einschneidendes Ereignis.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Das große Hoftor trennt die Hofgebäude vom übrigen Dorf ab und macht einen geheimnisvollen Eindruck. Doch wer hindurchschreitet, der sieht ein gepflegtes Anwesen. Die Schumachers betreiben hier ihre Firma für Sanitär- und Heizungsbau. Aus der langen Zeit von nunmehr 1051 Jahren gäbe es natürlich noch viel mehr zu erzählen, Das Wichtigste aber ist, dass die erste Erwähnung des Ortes Heppingen durch den Hof Havingan, den späteren Pantaleons-Hof, unzweifelhaft sichergestellt ist.

Jochen Tarrach

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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