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Hönningen

Gemeinde gewachsen: Es lebt sich gut in Hönningen (17)

Die Fledermäuse haben Hönningen an der Ahr berühmt gemacht. Denn die nächtlichen Jäger – genauer gesagt eine im alten Bahnhof angesiedelte Sommerkolonie des Großen Maus-ohrs – vermiesten den Dorfbewohnern jahrelang ihre heiß ersehnte Ortsumgehung im Zuge der B257. Am Ende kam die Ortsumgehung dann aber doch noch: 2003 wurde die Strecke freigegeben. Seitdem ist in dem beschaulichen Ort Ruhe eingekehrt.

Im Jahre 1084 tritt die Abtei St. Arnulf ihren Besitz in Hönningen an das Stift St. Kunibert in Köln ab. Aus diesem Grunde ist auch St. Kunibert der Kirchenpatron der Pfarrei Hönningen.
Im Jahre 1084 tritt die Abtei St. Arnulf ihren Besitz in Hönningen an das Stift St. Kunibert in Köln ab. Aus diesem Grunde ist auch St. Kunibert der Kirchenpatron der Pfarrei Hönningen.
Foto: Werner Dreschers

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

In den Jahrzehnten davor hatten die Hönninger mit allerlei Mitteln für die Verkehrsentlastung gekämpft. Und verdenken konnte es ihnen im Grunde niemand: Schwerlast- und Pendlerverkehr, dazu an den Wochenenden noch Motorsportfans auf dem Weg zum Nürburgring – alles rollte durch die Hönninger Hauptstraße, die mitunter so schmal ist, dass zwei Lkw nicht aneinander vorbei passen.

Die Enge nutzten die Hönninger bisweilen für eine besondere Art des stillen Protestes, wie sich Bürgermeister Hans-Josef Weber noch gut erinnert: Freitags kehrte man gern die Straße vor dem Haus – pünktlich zum Nürburgring-Anreiseverkehr. „Da war dann immer Stau bis Altenahr“, schmunzelt Weber. Der Beschluss, die Ortsumgehung zu bauen, setzte der demonstrativen Reinlichkeit dann ein promptes Ende. Das Votum pro Umgehung ließ die Hönninger jubeln – obwohl oder weil die Entscheidung so überraschend kam. „Sie kam mehr oder weniger aus heiterem Himmel“, so Weber.

Mit den Traktortreffen hat sich die Gemeinde Hönningen in der Sammlerszene auch überregional einen Namen gemacht. Da gibt es dann auch richtig alte Teile zu bewundern.
Mit den Traktortreffen hat sich die Gemeinde Hönningen in der Sammlerszene auch überregional einen Namen gemacht. Da gibt es dann auch richtig alte Teile zu bewundern.
Foto: Werner Dreschers

Doch Ortsumgehung hin oder her: Hönningen bleibt ein Straßendorf. Auf einem runden Kilometer säumen Häuser die Straße, flankiert von der ehemaligen Bahntrasse, der Ahr und der B257, die einen Teil des Dorfes abtrennt. Verbunden sind die „Ortsteile“ durch eine imposante Brücke. Insgesamt führen drei Brücken über die Ahr – zwei in Hönningen, eine in Liers. Die mit rund 105 Metern größte Ahrbrücke an der Hönninger Kirche, die nicht nur die Ahr, sondern auch die Bundesstraße und die alte Bahntrasse überspannt, stammt von 1912/13 und wurde 1995 aufwendig saniert.

Früher gab es hier auch eine Ölmühle, doch die musste bereits vor 1910 dem Bahnbau weichen. Die Mahlmühle Hoffmann lief dagegen noch bis 2002. Für ihre Turbinen, die Strom erzeugten, war nach dem Bau der Ortsumgehung jedoch kein Platz mehr. Und überhaupt: Die Zeiten, als Hönningen noch landwirtschaftlich geprägt war, sind lange vorbei. Den Weinbau beendete bereits im 19. Jahrhundert die Reblaus.

Die restaurierte Hubertus-Kapelle mit Hubertus-Legenden-Malerei von Theo Busch, einem regional bekannten Eifelmaler
Die restaurierte Hubertus-Kapelle mit Hubertus-Legenden-Malerei von Theo Busch, einem regional bekannten Eifelmaler

Im Jahre 1972 wurde Liers eingemeindet. Doch schon zuvor war der Ort mit Hönningen verbandelt – durch die Kirche und auch durch die Vereine. Apropos Vereine: Die sind in der Gemeinde reichlich vertreten. Es gibt die Frauengemeinschaft und den Sportverein, Blaskapelle, Fanfarenkorps und die Chorgemeinschaft Hönningen-Dümpelfeld, den Karnevalsverein, jeweils zwei Junggesellenvereine und Feuerwehren, die Ortsvereine von CDU und FWG sowie den Wanderverein.

Der Angelsportverein hält das Gelände an der Ahr in Ordnung, und der Verein Dorfgemeinschaft Liers setzt sich für die Dorfverschönerung ein. Abwechselnd organisieren die Vereine die alljährliche Annakirmes in Hönningen. Liers feiert im August eine eigene Kirmes, bei der die Feuerwehr die organisatorischen Fäden in der Hand hält.

Es lebt sich gut in Hönningen. Das Dorf ist seit 1990 um sage und schreibe 200 Einwohner auf 1100 Einwohner gewachsen. Grund: Nach der Flurbereinigung steht in Hönningen und in Liers Bauland zur Verfügung – eine Seltenheit an der Ahr. Hönningen ist als Wohndorf attraktiv geworden – durch die Ortsumgehung und auch durch die recht verkehrsgünstige Lage.

Dagegen sei die Infrastruktur in den vergangenen 15 Jahren „dramatisch zurückgegangen“, beklagt Hans-Josef Weber. „2002 hatten wir noch alles da: Bäcker, Metzger, drei Lebensmittelläden, zwei Banken“, erzählt er. Die Geschäfte seien vor allem aus Altersgründen aufgegeben worden, die Bankfilialen wurden geschlossen. Zum Einkaufen müssen die Hönninger nun nach Adenau oder Ahrbrück fahren. Geblieben sei dem Ort aber eine „ordentliche Struktur an Kleingewerbe“, wie Bürgermeister Weber betont. Und dazu, dass es in der Gemeinde rund 200 Arbeitsplätze gibt, trägt zu einem großen Teil die seit 1972 in Liers ansässige Pumpenfabrik Emmerich bei.

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