40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Ahrweiler
  • » Gegen Kräuterraub ist kein Kraut gewachsen
  • Aus unserem Archiv
    Kreis Ahrweiler

    Gegen Kräuterraub ist kein Kraut gewachsen

    Der Kult um die Kräuter boomt. Wandern, sammeln, kochen – entsprechende Kurse werden gern gebucht, auch von Touristen. Doch ohne Genehmigung läuft im Geschäft mit den wilden Originalen aus dem Garten der Natur nichts mehr, seit das neue Bundesnaturschutzgesetz in Kraft ist.

    Kreis Ahrweiler – Der Kult um die Kräuter boomt. Wandern, sammeln, kochen – entsprechende Kurse werden gern gebucht, auch von Touristen. Doch ohne Genehmigung läuft im Geschäft mit den wilden Originalen aus dem Garten der Natur nichts mehr, seit das neue Bundesnaturschutzgesetz in Kraft ist.

    Ob Kräuterköche wie Jean Marie Dumaine aus Sinzig, Kräuterpädagogen wie Tanja Fusenig-Hoffmann aus Altenahr oder auch Floristen – wer Naturpflanzen für gewerbliche Zwecke pflückt, weiterverarbeitet und verkauft, muss sich um die Lizenz zum Kräutersammeln kümmern. Die Reaktionen: Verständnis einerseits, aber auch Skepsis, ob damit die illegale „Wilderei“ wirklich einzudämmen ist und die schwarzen Schafe zu fassen sind.

    Anlaufstelle für diejenigen, die sich der Bürokratie verantwortungsbewusst stellen: die obere Naturschutzbehörde bei der Struktur- und Genehmigungs-Direktion (SGD) Nord. Nachdem das Genehmigungsverfahren zunächst bei den Kreisverwaltungen angesiedelt war, ist die übergeordnete Behörde nun zuständig, weil Sammler eben nicht an Kreisgrenzen halt machen. Sachbearbeiter Michael Ehlting hat jetzt auch die von den Kreisen weitergereichten und noch nicht bearbeiteten Anträge auf dem Tisch. Ein einziger sei im Zuständigkeitsgebiet, also im nördlichen Rheinland-Pfalz, bisher von hier aus genehmigt worden. Bis zum Frühjahr will Ehlting die langsam wachsende Liste der Antragssteller aber abgearbeitet haben. Viel Aufwand.

    Was mit „Paragraf 39, Absatz 4“ im Bundesnaturschutzgesetz auf die Protagonisten in der Kräuterszene zukommt, weiß Christian Havenith aus Wassenach sehr genau. Er kultiviert in seinem Garten vergessene Sorten und kann deshalb seltene Kräuter von eigenen Beeten ernten. Aber er ist bei seinen Wanderungen auch als Kräuterpädagoge im Wald und auf Wiesen unterwegs. Havenith setzt sich für eine bundesländerübergreifende Pauschalgenehmigung mit standardisiertem Text für diejenigen ein, die für das gewollte Staatsziel Umweltbildung im Einsatz sind und eine entsprechende Qualifikation für das nachhaltige Sammeln nachweisen können. Dass sich Kräuterpädagogen stattdessen mit individuellen Formulierungen als sachkundige und verantwortungsbewusste Nutzer des Waldes empfehlen, sei problematisch. „Das führt am Ende dazu, dass man für jedes abgepflückte Brennnesselblatt eine Genehmigung braucht.“

    Dass mehr Kontrolle notwendig ist, dass Produzenten und deren Lieferwege im Auge behalten werden müssen, steht für ihn außer Frage. „Es geht nicht, dass Bärlauch-Bestände beispielsweise so systematisch geplündert werden, dass kaum noch natürliche Ressourcen vorhanden sind“, findet er. „Eine Genehmigung sollten nur qualifizierte Sammler bekommen, die den Standort einschätzen können.“ Mit der Genehmigung ist allerdings auch die Auflage verbunden, den Sammel-Standort und den Eingriff in die Natur zu dokumentieren und die Ergebnisse zwei Jahre lang überprüfbar vorzuhalten.

    Die Natur zu schützen – das ist auch im Sinne der Altenahrer Kräuterpädagogin Tanja Fusenig-Hoffmann. Sie hat ihren Antrag auf eine Genehmigung zum Kräutersammeln eingereicht und wartet ebenso wie Jean Marie Dumaine auf eine positive Antwort. Sie registriert ein zunehmendes Interesse der Menschen am Thema Kräuter und an der Natur in der nahen Umgebung.

    Kräuterpädagogin Andrea Schmickler aus Bad Neuenahr hat sofort reagiert auf den Hinweis, dass sie für ihre professionellen Kräutertouren auch mit einem behördlichen Papier ausgerüstet sein muss. Sie hat es immer dabei und kann verstehen, dass etwas gegen das Profitsammeln getan werden musste. Sie selbst begegnet seltenen Schätzen mit großem Respekt, vor allem wenn sie vom Aussterben bedroht sind. „Da wird bei mir eher etwas nur gezeigt oder mal ein Blättchen gezupft“, berichtet sie.

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Donnerstag

    2°C - 8°C
    Freitag

    0°C - 5°C
    Samstag

    -1°C - 4°C
    Sonntag

    2°C - 4°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach