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    G 20 in Bad Neuenahr: Der Gipfel – und was er uns angeht

    Für zwei Tage rückt Bad Neuenahr-Ahrweiler in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Am Donnerstag und Freitag tagen die Arbeits- und Beschäftigungsminister der G 20-Staaten, das sind die größten Industrienationen der Welt, im Steigenberger Hotel am Kurpark in Bad Neuenahr. Doch auch wenn Weltpolitik auf dem Etikett dieses Treffens steht, die gleichen Fragen, die unter der Regie von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) beim Gipfel diskutiert werden, beschäftigen schon heute auch Unternehmer, Arbeitnehmer und Politiker im Kreis.

    In der Landwirtschaft ist die Digitalisierung längst im vollen Gange. Hier fährt ein Roboter über ein Feld und erkennt automatisch, welche Pflanze unter ihm eine Nutzpflanze ist und was Unkraut.
    In der Landwirtschaft ist die Digitalisierung längst im vollen Gange. Hier fährt ein Roboter über ein Feld und erkennt automatisch, welche Pflanze unter ihm eine Nutzpflanze ist und was Unkraut.
    Foto: dpa

    Es geht um die Gestaltung der Zukunft der Arbeit. Darum, wie in einer digitalisierten und robotergesteuerten Welt der Mensch nicht zu kurz kommt. Es geht um die Verbesserung der Qualität von Frauenerwerbstätigkeit. Es geht um die Integration von Migranten und Geflüchteten, die auch im Kreis Ahrweiler ein großes Thema ist. Und es geht um die Förderung nachhaltiger globaler Lieferketten. Darüber hinaus werden die Themen Jugendbeschäftigung und Ausbildungssysteme erörtert.

    Wenn es um die Arbeitswelt von morgen geht, ist die Zukunft auch im Kreis Ahrweiler schon im Jetzt angekommen. Das weiß Mechthild Heil, CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis, aus eigener Anschauung. „Wir haben Unternehmen im Kreis, auch kleine, die beim Thema Arbeitswelt 4.0 schon weit fortgeschritten sind. Toll. Meistens werden diese Entwicklungen von jungen Leuten getrieben. “ Für die Christdemokratin ist die Entwicklung mehr Chance als Gefahr. „Die Angst, dass Arbeitsplätze verloren gehen, ist eine typisch deutsche Sorge“, glaubt sie.

    Das bestätigt Günter Fischer, Geschäftsführer der Firma Freudenberg Sealing Technologies in Remagen und Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbands „vem.die arbeitgeber“. Fischer warnte jüngst bei der vem-Mitgliederversammlung in Trier davor, Angst vor der Digitalisierung zu schüren, vor menschenleeren Fabriken, Robotern und künstlicher Intelligenz. Jede industrielle Revolution hat ihm zufolge bisher langfristig eher Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Deutschland werde mit Digitalisierung und Industrie 4.0 seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Neben dem Beruf des Informatikers seien die Berufe der Metall- und Elektroindustrie dabei die wichtigsten im Bereich der Digitalisierung, sagte Fischer.

    Arbeitsmarktforscher Stefan Sell (Hochschule Koblenz) widerspricht dieser sehr positiv besetzten Sichtweise in Teilen: „Ich denke, die Wahrheit liegt – wie fast immer – in der Mitte.“ Auch er geht davon aus, dass durch die technische Entwicklung zwar einige Tätigkeiten wegfallen, aber dafür andere Arbeitsplätze entstehen. Dennoch: Auch im Kreis Ahrweiler gebe es Teilbereiche, die durch die Digitalisierung „massive Probleme“ bekommen werden. Der Professor denkt da an erster Linie an Sparkasse und Volksbank: „Ich bin mir sicher, dass es da einen gewaltigen Stellenabbau geben wird.“ Personenbezogene Dienstleistungen – wie Gastronomie, Gesundheit, Pflege, Tourismus – dürften eher mit steigendem Personalbedarf rechnen. Sell: „Diese Tätigkeiten lassen sich nicht robotisieren.“

    Karl Tack, geschäftsführender Gesellschafter der Gebrüder Rhodius GmbH & Co. KG (Schleifwerkzeuge und Mineralwasser) in Burgbrohl sieht die Digitalisierung „sehr optimistisch. Es ist keine Bedrohung, sondern eine interessante Herausforderung.“ Industrielle Revolutionen hätten immer die Angst ausgelöst, dass dann viele Mitarbeiter auf der Straße stehen würden. Tack: „Aber das Ergebnis war immer: Einige Arbeitsplätze sind überflüssig geworden, dafür sind andere entstanden.“

    Er geht davon aus, dass es künftig immer wichtiger sein wird, dass Mitarbeiter Prozesse in Teams steuern: „Es wird nicht mehr möglich sein, dass Einzelne Prozesse beherrschen. Die Hierarchien werden daher sehr flach werden.“ Und (Aus)Bildung werde immer wichtiger. Tack: „Das Thema Qualifizierung bekommt künftig einen völlig neuen Stellenwert.“ Er befürchtet, dass der Fachkräftemangel zunehmen wird und ist sich sicher, dass dieser nicht allein von den Universitäten aufgefangen werden kann: „Da ist auch die Industrie gefordert.“

    Auch im Handwerk ist die Digitalisierung längst angekommen. Für Maik Rönnefarth (Schreinerei „Die Holzwürmer“ in Dernau) liegen die Vorteile auf der Hand: eine größere Genauigkeit, Flexibilität und Qualität. Wenngleich der Obermeister der Schreinerinnung um die Skepsis in der Branche weiß: In seinem Betrieb hat die Digitalisierung zum Wachstum beigetragen. Die Zahl der ist Mitarbeiter gestiegen. Und es sind immer noch Schreiner, die gebraucht werden. „Wenn ich nicht weiß, was ich mit Holz anfangen kann, kann ich die Produktion auch nicht digital umsetzen“, sagt Rönnefarth.

    Von unseren Redakteuren Uli Adams, Frieder Bluhm, Christian Koniecki und Jan Lindner

    Das Bundesarbeitsministerium zu Arbeiten 4.0

    Zum Arbeiten 4.0 schreibt das Bundesarbeitsministerium von Andrea Nahles: „Die wachsende Vernetzung und zunehmende Kooperation von Mensch und Maschine ändert nicht nur die Art, wie wir produzieren, sondern schafft auch ganz neue Produkte und Dienstleistungen.

    Durch den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel entstehen neue Ansprüche an Arbeit, auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen verändert sich. Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Organisation von Arbeit und sozialer Sicherung haben, ist durch Gesellschaft und Politik gestaltbar. Wir stehen am Beginn neuer Aushandlungsprozesse zwischen Individuen, Sozialpartnern und dem Staat.“

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