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Waldorf

Funde in Waldorf: Archäologen haben noch viel zu tun

Jochen Tarrach

Bedeutende römische Funde aus Ahrweiler, aus Schuld, aus Sinzig oder aus Remagen sind in der breiten Öffentlichkeit wohl bekannt. Prächtige Villen aus römischer Zeit und sogar eine ganze Niederlassung am Rhein sind dort von Archäologen ausgegraben worden. Jetzt überraschte Dr. Hubertus Ritzdorf von der Römervilla am Silberberg damit, in der Ausstellungssaison 2018 mit nicht minder interessanten Funden aus Waldorf, dem kleinen Ort im Vinxtbachtal, eine ganze Sonderausstellung zu gestalten.

Der studierte Althistoriker Martin Mundorf aus Waldorf brennt darauf, die spannende Geschichte der Römer im Vinxtbachtal, der Grenze zwischen den Provinzen Obergermanien (Germania Superior) und Niedergermanien (Germania Inferior), ins öffentliche Interesse zu rücken.
Der studierte Althistoriker Martin Mundorf aus Waldorf brennt darauf, die spannende Geschichte der Römer im Vinxtbachtal, der Grenze zwischen den Provinzen Obergermanien (Germania Superior) und Niedergermanien (Germania Inferior), ins öffentliche Interesse zu rücken.
Foto: Jochen Tarrach

Die Überraschung war gelungen. Römische Besiedlung in Waldorf? Für Experten und viele Waldorfer keine Neuigkeit, hatten doch zum Beispiel Wilfried Dünchel, Eugen Ewig und viele andere bereits im Buch „Waldorf – Geschichte eines Eifeldorfes“ sowie in weiteren Publikationen darüber geschrieben.

Doch alle ansehnlichen Fundstücke, eine wundervolle Terrakottafigur der Göttin Minerva, Scheibenfibeln, Tonrasseln, Doppelhenkelkrüge, Schrägrandgefäße, zahlreiche Münzen (der Kaiser Nero, Vespasian und Konstantin) und viele Dinge mehr verschwanden ungesehen von der Öffentlichkeit nach Ausgrabungen im Jahr 1879 im Archiv des Rheinischen Landesmusems Bonn oder wurden vom Kölner Privatsammler Carl Anton Nissen (1830-1934) um 1910 bei völlig unwissenschaftlichen Grabungen am Fuße des Bausenberges, nahe des heutigen Mitfahrerparkplatzes an der Grenze zur Gemarkung Waldorf, gefunden.

Funde aus der Römervilla in Schuld sind bereits öffentlich ausgestellt, die aus Waldorf jedoch noch nicht. Fotos: Jochen Tarrach
Funde aus der Römervilla in Schuld sind bereits öffentlich ausgestellt, die aus Waldorf jedoch noch nicht. Fotos: Jochen Tarrach
Foto: Jochen tarrach

Als 1936 am Nordrand des Ortes, in der Gemarkung „Walburgis“, Privatleute in ihrem Garten gruben, fanden sie sogar einzelne Mosaikstücke und Reste farblich gestalteter Putzstücke. Wissenschaftlich untersucht wurde der Fundort bis heute nicht. Bekannt sind im Waldorfer Umkreis mindestens zwei Villen mit Badebezirken. An acht unterschiedlichen Stellen sind römische Hinterlassenschaften aufgefunden worden. „Mindestens in der Zeit von der Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. bis zur Mitte des vierten Jahrhunderts n. Chr. waren die Römer rund um Waldorf aktiv“, so der 34-jährige Martin Mundorf aus Waldorf, der sich zwar als junger Mann, aber trotzdem als studierter Althistoriker mit dem Nebenfach „Christliche Archäologie“ derzeit bemüht, die Informationen über die Römer in Waldorf zusammenzufassen und gemeinsam mit Dr. Jürgen Ritzdorf dabei ist, die Ausstellung in der Römervilla am Silberberg vorzubereiten.

Mundorf hatte die Gelegenheit, das Depot des Rheinischen Landesmuseums in Meckenheim längere Zeit zu besuchen und dort die aus Waldorf stammenden Stücke zu sichten. Er will nun die gesamte römische Geschichte seines Heimatortes bündeln und sie mehr publik machen, denn schließlich gäbe es für ihn und eine halbe Armee von Archäologen in Waldorf noch genug auszugraben.

Wunderschöne Vorratsgefäße sind in Waldorf ausgegraben worden.
Wunderschöne Vorratsgefäße sind in Waldorf ausgegraben worden.
Foto: Jochen tarrach

Dass dort Römer lebten, ist kein Wunder, galt doch der Vinxtbach durch den Bau des Limes ab dem 1. Jahrhundert als Grenze zwischen den Militärbezirken, später den Provinzen Obergermanien (Germania Superior) und Niedergermanien (Germania Inferior). Das Grenzbollwerk gegen die wilden Germanen begann bekanntlich rechtsrheinisch gegenüber der Vinxtbachmündung. Die möglicherweise frührömische Neusiedlung Waldorf muss wohl im Zusammenhang mit der Erschließung des Vinxtbachtales durch den römischen Straßenbau gesehen werden. Dabei dürfte die Straße von Mayen über Niederzissen und Waldorf nach Sinzig und Remagen von Bedeutung gewesen sein. Wahrscheinlich hat sie in der heutigen Ortslage Waldorf mittels Holzbrücke den Vinxtbach überquert.

Was wird den Besucher der Römervilla am Silberberg nun in der nächsten Saison erwarten? Dazu Martin Mundorf: „Wunderschöne, nie öffentlich gezeigte Fundstücke aus Waldorf, ein Begleitbuch und Publikationen zur Ausstellung.“ Eine einzelne Scherbe in der Vitrine reiße niemanden vom Hocker, aber durch Aussagen zum historischen Zusammenhang könne sie regelrecht spannend sein.

Öffnungszeiten: Die neue Saison 2018 der Römervilla soll am 3. März mit Wochenendöffnungen beginnen. Vom 24. März 2018 bis zum 11. November 2018 läuft dann die Hauptsaison mit Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr. Anschließend wird lediglich noch am dritten Adventswochenende zum Ahrweiler Mitternachts-Weihnachtsmarkt geöffnet.

Von unserem Mitarbeiter
Jochen Tarrach

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