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Fuchshofen

Fuchshofen: Zuzug bringt frischen Wind (12)

Punkt 23 Uhr gehen hier die Lichter (sprich die Straßenlaternen) aus: Wer Abgeschiedenheit und das Leben im Einklang mit der Natur sucht, ist in Fuchshofen an der richtigen Adresse. Doch die Idylle hat auch ihre Schattenseiten.

Der Fuchs ist das Wahrzeichen von Fuchshofen- was nicht wirklich verwundert.
Der Fuchs ist das Wahrzeichen von Fuchshofen- was nicht wirklich verwundert.
Foto: Werner Dreschers

Von unserer Mitarbeiterin 
Petra Ochs

Denn das 100 Einwohner zählende Dorf an der Ahr bekommt schon jetzt zu spüren, welche negativen Auswirkungen der demografische Wandel haben kann: Der Ort ist überaltert, rund ein Viertel der Einwohner ist zwischen 65 und 80 Jahren alt. Die wenigen Jungen ziehen der Arbeit wegen spätestens nach der Berufsausbildung fort. Froh ist Ortsbürgermeister Wolfgang Heinisch deshalb, dass durch den Zuzug von Auswärtigen frischer Wind in die Gemeinde kommt. Fast 12 Prozent der Einwohner wurden nicht in Deutschland geboren – sie kommen ursprünglich aus den Niederlanden, aus England und Kroatien. Etwa Yvette Bosch und Vincent Knol: Sie übernahmen vor vier Jahren die Brückenschenke in Fuchshofen, nachdem sie schon in den Niederlanden ein Restaurant geführt hatten. Hier geht es für die jungen Eltern nun sehr viel entspannter zu.

Was aber auch Nachteile hat: Mit dem schnellen Internet hapert es, und auf Mobilfunk müssen die Fuchshofener ganz verzichten – Handys haben hier schlichtweg keinen Empfang.
Was aber auch Nachteile hat: Mit dem schnellen Internet hapert es, und auf Mobilfunk müssen die Fuchshofener ganz verzichten – Handys haben hier schlichtweg keinen Empfang.
Foto: Werner Dreschers

Die meisten ihrer Gäste haben sie dem gar nicht so fernen Nürburgring zu verdanken. „Der Ring ist für die Region schon sehr wichtig", betont Bürgermeister Heinisch. Auch ansonsten spielt der Tourismus für Fuchshofen eine große Rolle. Schließlich ist das Dorf Anrainer des Ahrsteigs und des Ahr-Radwegs und Jahr für Jahr Station des Radaktionstages „Tour de Ahrtal". Der Ahr-Radweg wartet hier sogar mit einer Besonderheit auf: Der Weg, der in Blankenheim startet, endet hier, um erst in Schuld wieder fortgeführt zu werden. „Wir sind bekannt für die Lücke", so Wolfgang Heinisch. Allerdings nicht bei allen: Immer wieder sind Radler verwundert, wenn sie im Dorf ankommen und die wenigen Kilometer nach Schuld auf die Landstraße ausweichen müssen. Doch der Lückenschluss des Ahr-Radwegs wird kommen, bekräftigt der Ortschef – feststehe eben nur noch nicht wann. Infrastrukturell liegt Fuchshofen etwas im Hintertreffen.

Noch rund 100 Bürger wohnen in dem etwas abgelegenen Eifelörtchen, das für seine landschaftlichen Reize und seine Ruhe von Touristen geschätzt wird.
Noch rund 100 Bürger wohnen in dem etwas abgelegenen Eifelörtchen, das für seine landschaftlichen Reize und seine Ruhe von Touristen geschätzt wird.
Foto: Werner Dreschers

Mit dem schnellen Internet hapert es, und auf Mobilfunk müssen die Fuchshofener ganz verzichten – Handys haben hier schlichtweg keinen Empfang. Hoffnung setzt der Bürgermeister deshalb auf den neuen Mobilfunkmast, der demnächst bei Müsch gebaut wird. Apropos mobil: Das müssen im Dorf schon die Kinder sein, denn in den Kindergarten und in die Grundschule fahren sie nach Antweiler. Lebensmittel kommen alle paar Tage mit rollenden Händlern ins Dorf. Und wer selbst einkaufen fährt, tut dies in Adenau, Euskirchen oder Bad Münstereifel. Einige Handwerksbetriebe und einen Großbauern gibt es noch im Dorf. Doch es gibt keine Vereine mehr – und damit auch keine Kirmes. Ein Publikumsmagnet ist aber seit Jahren die Veranstaltung „Dorf der 1000 Lichter". Denn wenn zu St. Martin alle Häuser im Dorf im Lichterglanz erstrahlen, wollen das auch die Menschen aus den umliegenden Dörfern nicht verpassen. So klein der Ort auch ist: Historisch kann Fuchshofen auf einiges zurückblicken. Die erste Besiedlung könnte bis in die römische oder fränkische Zeit zurückgehen. Eine erste urkundliche Erwähnung fand das Dorf aber erst 1768, als der Reifferscheider Müller Johann Michael die Regierung um die Erlaubnis bat, hier eine Mahl- und Ölmühle zu errichten. Über Jahrhunderte bildete Fuchshofen eine Gemeinde mit Reifferscheid. Doch das waren die Fuchshofener irgendwann leid: Die Zugehörigkeit zu Reifferscheid versuchten sie Anfang des 19. Jahrhunderts zu beenden, indem sie die Bildung einer eigenen Gemeinde beantragten. Erst Jahrzehnte später waren sie erfolgreich: Seit 1862 steht Fuchshofen auf eigenen Füßen. Große Geschichte ist mit dem Tunnel verknüpft, der ab 1909 im Zuge des Bahnstreckenbaus zwischen Dümpelfeld und Jünkerath bei Fuchshofen errichtet wurde: Beim verheerenden Hochwasser im Jahr 1910 starben viele Bahnmitarbeiter. Im Zweiten Weltkrieg waren im selben Tunnel V1- und V-2-Raketen deponiert, die von Tondorf, Rohr und Lommersdorf abgeschossen wurden.

Den Alliierten blieb dies nicht verborgen: Sie bombardierten das kleine Dorf, und rund 80 Prozent der Häuser wurden dabei zerstört. Inzwischen ist der ehemalige Eisenbahntunnel in Privatbesitz und nicht mehr zugänglich. Ein Überbleibsel aus der Zeit der Bahnstrecke ist auch die große Brücke, die die Einfahrt nach Fuchshofen sozusagen markiert. „Die Brücke gehört der Bahn. Zum Glück", schmunzelt Heinisch, wenn er an die Unterhaltungskosten denkt. Doch zurück zur Idylle: Die plätschernde Ahr, die reiche Natur und vor allem die Stille schätzen Judith Akos und Dick Fabriek, die aus dem lärmenden Rotterdam in die Eifel gezogen sind. „Man kann hier gut schlafen", lacht Fabriek. Auf der Suche nach einem Ort, „wo die Luft gut ist und nicht so viele Leute sind", wurden er und seine Frau schon vor Jahren in Fuchshofen fündig.

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