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Wershofen

Flugplatzfest in Wershofen: Größte Flugveranstaltung Deutschlands lockt 6000 Besucher in die Nordeifel

Trudeln in der Luft, Trubel am Boden: Das Flugplatzfest in Wershofen war am ersten Septemberwochenende für rund 6000 Interessierte ein Fest der Sinne.

6000 Besucher hat das Flugplatzfest in Wershofen am Wochenende angelockt. Foto: Dreschers
6000 Besucher hat das Flugplatzfest in Wershofen am Wochenende angelockt.
Foto: Dreschers

Gebannt reckten sich die Köpfe bei diversen Kunstflugdarbietungen gen Himmel, als Jan Bodenheim, seines Zeichens Fluglehrer beim Wershofener Segelflugverein, vom Turm des kleinen Eifelflugplatzes aus die spektakulär anmutenden Figuren wie Looping, Rolle oder Trudeln erläuterte und über die Fluggeräte unterschiedlicher Bauart am Himmel informierte. Diese konnten auch am Boden aus der Nähe in Augenschein genommen werden. Auf einer Strecke von einem Kilometer waren sie am Rande der Landepiste abgestellt. Das Flugplatzfest in der Nordeifel war am ersten Septemberwochenende für rund 6000 Interessierte ein Fest der Sinne.

Nicht nur viele Dutzend angemeldete Flugzeuge waren an beiden Tagen gekommen, sondern weitere 20 Piloten auf der Durchreise. Das „Who is Who“ der Szene gab sich hier die Ehre. Für die Flieger wurde eine Picknick-Zone eingerichtet, in der sie sich austauschen und Kontakte knüpfen konnten. Und so gab es manche interessante Geschichte zu hören.

Tornado-Pilot Uli Schmitt, dessen Vater bereits Pilot war, ist ein Glückspilz. Zusammen mit seiner Frau Jennifer hat er drei bezaubernde Töchter. Die Älteste, Shannon (16), ist sich sicher, dass es auch in der dritten Generation mit der Fliegerei in der Familie weitergehen wird: „Ich gehe zur Lufthansa. Falls das nicht klappt, habe ich einen Plan B: Dann werde ich Hubschrauber-Pilotin bei der Bundespolizei“. Die selbstbewusste junge Frau steht mit strahlenden Augen vor Papas Flugzeug, einem Stieglitz von Focke-Wulff, einem Doppeldecker mit Sternmotor, eines der meistfotografierten Flugzeuge beim Flugtag in Wershofen. Kein Wunder. Das 1940 gebaute Flugzeug ist ein Hingucker. Ein Detail bleibt dem aufmerksamen Beobachter nicht verborgen. Da, wo einst am Leitwerk ein Hakenkreuz aufgemalt war, hat nun ein stilisierter Kranich seinen Platz gefunden.

Der ehemals in Nörvenich stationierte Schmitt wurde nach 20 Jahren mit 41 Jahren in Pension geschickt. Die Bundeswehr entsandte ihn während seiner Berufspilotenzeit nach Kanada und in die USA, wo seine Mädels zur Welt kamen. Denen wurde die Fliegerei in die Wiege gelegt. Als Fluglehrer bildete er sieben Jahre in Saudi Arabien Öl-Scheichs in der Fliegerei aus. Die ganze Familie stets im Gepäck. Die Fliegerei ist seine Passion. Und die ganze Familie lebt sie mit.

Der Trierer Christian Werner fliegt eine Cessna 120, Baujahr 1946. In Amerika vor wenigen Jahren grundüberholt, erwarb er das vollverchromte Flugzeug günstig: „Ich musste sie einfach haben!“ In Deutschland ließe sich seine Cessna für das Doppelte verkaufen. Auch Flugzeuge können eine Wertanlage sein. Erst acht Jahre alt ist der Kibitz von Burkhard Zach aus dem Glottertal im Schwarzwald, der mit seiner Frau Michaela übers Wochenende nach Wershofen geflogen kam. Sein Doppeldecker ist als Ultraleicht-Flugzeug zugelassen. Das Schätzchen ist ein Hingucker. Der dunkelrote Anstrich und die Liebe zu den Details, wie das in Naturleder eingefasste Cockpit, sind auf Retro getrimmt. Es entsteht der Eindruck, einen Oldtimer von 1929 vor sich zu haben. Mit neuer Technik und einem zuverlässig vor sich hin schnurrenden Rotaxmotor.

Die weiteste Anreise hatten George und Shery Acosta aus Northfield Minnesota in den Vereinigten Staaten. Der Airbus-Pilot fliegt in seiner Freizeit eine Cessna 195. Wie er vom Flugtag erfahren hat? „It was pure luck“, reines Glück, wie er sagt. Im Forum der internationalen Cessna-Association hatte er eine Ankündigung zum Classic-Cessna-Treffen gelesen. Seinen Kroatien-Urlaub hatte er kurzerhand abgekürzt, um mit seiner Frau nach Wershofen zu kommen. Der 74-jährige Holländer Jaap van Steinvoorn reiste mit einer Boeing Stearmann nach Wershofen an. Seit 1958 sitzt er im Cockpit und zeigt stolz seine Fluglizenz. Inzwischen haben sich 20.000 Flugstunden angesammelt. Ein Veteran.

Und so gab es viele Geschichten beim Flieger-Picknick zu hören. Die Piloten wurden nicht müde, Fragen zu beantworten, freuten sich stolz über die neugierigen Blicke auf ihre fliegenden Schätze. Manch ein Flugzeug hätte viele Geschichten zu erzählen, wenn es denn reden könnte. The Storyteller ist denn auch der Künstlername von Pilot Hans Nordsiek aus den Niederlanden, der die Geschichte seines altehrwürdigen Flugzeuges vor großem Publikum zum Besten gab. Seine Boeing Stearman „Old Crow“ – alte Krähe – wurde ursprünglich in den USA als Militärflugzeug gebaut. Die neue Lackierung, schwarz mit goldener Verzierung, gibt viel mehr von der Seele des Flugzeugs preis, „dem Spirit“, wie Nordsiek erläutert. Eine Viertelstunde Rundflug kostet mit dem Spritschlucker satte 130 Euro. Durchaus angemessen, wenn man die hohen Wartungskosten berücksichtigt.

Peter Dickhoff, Wirt des Wershofener Flugplatzrestaurants Thermik-Klause, wurde von seiner Frau Angie anlässlich des neunten Jahrestages des Heiratsantrages mit einem Gutschein für einen Rundflug beglückt. Erst Tränen vor Rührung, weil sein sehnlicher Wunsch in Erfüllung gehen würde, das Brummen des Sternmotors ganz aus der Nähe hören zu dürfen und sich den Wind im offenen Doppeldecker um die Ohren wehen zu lassen. Dieses besondere Vergnügen teilten am Wochenende etliche Flugbegeisterte in Wershofen.

Das Flugplatzfest ist Fliegen zum Anfassen. Zumindest ist es greifbar. Auch im Flugsimulator, den Heiko Stemmler mitgebracht hatte. Er betreibt in Kastellaun ein Vier-Sterne-Hotel. Seinen Profi-Simulator hat er selbst gebaut. Das Gerät steht sonst in seinem Hotel und kann auch dort von Gästen ausprobiert werden. In Wershofen standen die Leute Schlange. Nach Wershofen kam Stemmler aus Freude an der Sache.

Und so geht es allen Akteuren. Sie möchten den Menschen von ihrem Hobby, von ihrem Sport, von ihrer Leidenschaft berichten. In Wershofen kann jeder während einer dreimonatigen Schnuppermitgliedschaft für sich erproben, ob die Segelfliegerei zur eigenen Passion werden könnte. Manch einer hat später noch die Motorfluglizenz erworben.

Stefan János Wágner.

Viele Hobbyfotografen und Profis steuerten bereits während der Veranstaltung ihre Fotos bei. Darunter viele Schnappschüsse und Impressionen. Diese wurden bereits online gestellt. Und so kann das Erlebte noch eine Weile nachklingen. Zu sehen bei www.flugtag-wershofen.de

Zufrieden Bilanz gezogen

Christian Grau, Vorsitzender des SFG Wershofen, zog zufrieden Bilanz: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Es kamen sehr, sehr viele Menschen aus der ganzen Region zu uns. Und ein Flugzeug sogar aus der Schweiz.

Die Stimmung war gut. Bei den Gästen wie den eigenen Leuten. Das fördert das Miteinander und die Kameradschaft in unserem Verein.“ Auch Wehrführer Mario Kaspers von der freiwilligen Feuerwehr Wershofen ist zufrieden: „Die Stimmung war sehr entspannt. Ein tolles Fest, auch für uns.“ Mit 22 Erwachsenen und 16 Jugendlichen war die Feuerwehr vor Ort. Fluglotse Stephan Servatius verzeichnete insgesamt 430 Starts und Landungen. Aus seiner Sicht verlief die Veranstaltung reibungslos und vorbildlich. So viel Betrieb gab es am Wershofener Flugplatz lange nicht.
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