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Kreis Ahrweiler

Experten warnen: Der Nachwuchs lässt das Saufen nicht

Christian Koniecki

Karnevalszeit, Party machen, hoch die Tassen – besonders für Kinder und Jugendliche sind diese Wochen im Jahr besonders gefährlich. Denn immer noch gehört der Griff zur Flasche – ob aus Gruppenzwang oder weil es manche Erwachsenen ja schließlich auch so machen – einfach dazu. Die Folgen sind allzu oft dramatisch.

Erschreckend viele, darunter sehr junge Kinder und Jugendliche, haben sich 2016 in einen Rausch getrunken, der für sie in der Notaufnahme endete.  Foto: Damian Morcinek
Erschreckend viele, darunter sehr junge Kinder und Jugendliche, haben sich 2016 in einen Rausch getrunken, der für sie in der Notaufnahme endete.
Foto: Damian Morcinek

Vom vermeintlich leichten Rausch bis zum regelrechten Komasaufen oder dem Einstieg in eine jahrelange Suchtkarriere reicht die Palette. Wie dramatisch, das zeigen Zahlen, die die Krankenkasse DAK-Gesundheit und das Statistische Landesamt veröffentlicht haben.

So mussten allein 2016 – aus diesem Jahr stammen die aktuellsten Werte der Statistiker – im Kreis Ahrweiler 44 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 19 Jahren wegen starken Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern behandelt werden. Immerhin drei von ihnen gehörten der Altersgruppe 10 bis 15 Jahre an. Und auch wenn die absoluten Zahlen nicht erschreckend hoch erscheinen, zeigen sie nach Ansicht von Experten doch auch nur die Spitze eines Eisbergs.

Das bestätigt Gerd Aehnlich, Psychologe und Suchtberater bei der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr in Ahrweiler. „In unserer Rotweinregion mit ihren Traditions- und Junggesellenvereinen ist der Alkoholkonsum leider viel zu oft gesellschaftlich akzeptiert und der kritische Umgang mit Alkohol oft zu wenig entwickelt“, so seine Beobachtungen. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass ein Projekt namens „HaLT – Hart am Limit“ der Caritasverbände, bei dem in Zusammenarbeit mit den Kliniken bei der Behandlung von alkoholisierten Kindern und Jugendlichen Suchtberater der Caritas hinzugerufen werden, hier im Kreis nicht funktionierte. „Bis unsere Mitarbeiter in den Kliniken waren, hatten die Eltern ihre Kinder oft schon wieder mit nach Hause genommen“, so seine ernüchternde Erfahrung.

Und auch an den Schulen scheint das Problemfeld Alkohol bei Jugendlichen aktuell in den Hintergrund zu treten. „Dort ist unter den Schülern momentan das sogenannte Cybermobbing in den sozialen Netzwerken das viel drängendere Problem“, weiß Aehnlich aus seinem Arbeitsalltag. Was den Alkoholkonsum bei Jugendlichen angeht, sei über die Jahre ein gewisser Gewöhnungseffekt in der Öffentlichkeit entstanden. Dabei seien sich auch viele Erwachsene über die schweren gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen gar nicht bewusst.

„Was auch viele Eltern nicht wissen: Die Leber eines Kindes und Jugendlichen ist gar nicht in der Lage, das Zell- und Nervengift Alkohol im Körper abzubauen, wie es bei der Leber eines Erwachsenen möglich ist“, so Aehnlich. Daher seien die Folgen des Alkoholkonsums auch schon bei kleineren Mengen für Heranwachsende viel gefährlicher. Das wissen auch die Experten der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Die Krankenkasse hat aktuell das Projekt „Bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ gestartet, das sich besonders an Schüler und Jugendliche wendet.

In diesem bundesweiten Wettbewerb sind Schüler im Alter zwischen 12 und 17 Jahren aufgerufen, mit Plakaten kreative Botschaften gegen das Rauschtrinken zu entwickeln. Auch die Schulen im Kreis Ahrweiler wurden angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen, bestätigt Claus Uebel, Pressesprecher der DAK-Gesundheit. „Und dass dieses Projekt die Jugendlichen tatsächlich erreicht und anspricht, hat eine wissenschaftliche Auswertung des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung bestätigt“, sagt der DAK-Sprecher. Die Aktion hilft den Jugendlichen, die Gefahren des Alkoholkonsums besser einzuschätzen.

Wenn alle mitspielen – die Veranstalter auf die Besonderheiten des Jugendschutzgesetzes achten, die Händler keinen Alkohol an Kinder und Jugendliche verkaufen und die Jugendlichen selbst erkennen, dass Alkoholkonsum gefährlich und nicht cool ist, dann steht einer fröhlichen Karnevalswoche nichts im Wege.

Die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle der Caritas ist in der Bahnhofstraße 5 in Ahrweiler, Telefon 02641/759.880, E-Mail suchtberatung@caritas-ahrweiler.de. Die Caritas hat auch eine Außenstelle in Adenau, Kirchstraße 16. Informationen zur DAK-Aktion „Bunt statt blau“ sind im Internet unter www.dak.de/ buntstattblau erhältlich.

Von unserem Redakteur Christian Koniecki

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