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Kreis Ahrweiler

Er kennt sich mit Leid und Elend aus: Gerd Mainzer ist neuer Chef des Weißen Rings

Gerd Mainzer war sein Leben lang Polizist. Er hat in der Kölner und der Bonner Innenstadt viele „Karrieren“ erlebt, die geprägt waren von Elend und Leid. Der 61-Jährige weiß, wie sich das anfühlt, Angehörigen sagen zu müssen, dass ihr Sohn, ihre Tochter, ihr Vater, ihre Mutter gestorben sind, bei einem Verbrechen oder Unfall. All diese Erfahrungen will er nutzen, um anderen zu helfen – als neuer Leiter der Außenstelle des Weißen Rings im Kreis Ahrweiler.

Gerd Mainzer (links) wird neuer Leiter der Außenstelle des Weißen Rings im Kreis Ahrweiler. Sein Vorgänger Hubertus Raubal tritt nach 15 Jahren an der Spitze ab, bleibt den Opferschützern aber treu.
Gerd Mainzer (links) wird neuer Leiter der Außenstelle des Weißen Rings im Kreis Ahrweiler. Sein Vorgänger Hubertus Raubal tritt nach 15 Jahren an der Spitze ab, bleibt den Opferschützern aber treu.
Foto: Jan Lindner

Seit Oktober 2017 ist der gebürtige Walporzheimer pensioniert. Im August wird er Hubertus Raubal (70) ablösen, der die Opferschutzorganisation im Ahrkreis 15 Jahre lang geleitet hat und noch länger Mitglied ist (eins von 120 im Kreis Ahrweiler). Mainzer sagt: „Ich möchte da anschließen, wo ich bei der Polizei aufgehört habe.“ Die Prävention ist ihm wichtig, als eine der Säulen, die die Arbeit des Weißen Rings ausmachen. Das passe gut, denn: „Prävention ist auch eine der vornehmsten Aufgaben der Polizei.“

Mainzer hat seit 1987 in der Polizeiführung gearbeitet. Zuletzt leitete er die Wache in Bonn-Ramersdorf. Klar, er hätte sich auch bei der Bonner Sektion der Opferschützer engagieren können. Aber, sagt er, dann „wäre ich vielleicht mit meiner früheren Arbeit als Polizist über Kreuz gekommen“. Er weiß natürlich, dass der Kreis Ahrweiler in Sachen Kriminalität nicht mit Bonn und Köln zu vergleichen ist. Er weiß aber auch, dass „hier keine heile Welt herrscht“.

Die absolute Zahl von Verbrechen und und Opfern ist im Kreis Ahrweiler sicher deutlich geringer. Die Art der Fälle ist es nicht. Und die Art der Arbeit auch nicht. Neben der Prävention kümmert sich der Weiße Ring vor allem um die Opferbetreuung. Hat sich jemand in all seiner Verzweiflung an den Verein gewandt, übernehmen dessen Mitarbeiter (13 im Kreis Ahrweiler) eine Lotsenfunktion.

Sie greifen zurück auf ihr Netzwerk von Hilfsorganisationen wie Frauenhilfeverein und Caritas, Ärzten, Anwälten, Psychologen, Krankenhäusern, Kirchen und Bewährungshelfern, um zu schauen, wie sie dem Opfer helfen können, sofort und längerfristig. Mainzer sagt: „Als Mitarbeiter des Weißen Rings muss man Menschen mögen und wertschätzen.“ Und als deren Leiter müsse man Menschen anleiten und sie auch mitnehmen können.

Und man muss einiges an Leid, Elend und Schrecken aushalten können. Mainzer kennt das aus seiner jahrzehntelangen Polizeiarbeit in Fahndung und Strafverfolgung. Er weiß, wie belastend Verbrechen und Schicksalsschläge für Opfer und ihre Angehörigen sind: „Besonders wenn Opfer zu Tode kommen, hängt einem das sehr lange und stark nach. Das wird verstärkt, wenn man diese Nachricht den Zurückgebliebenen überbringen muss.“ Er erinnert sich besonders an einen Fall, als ein Neunjähriger in seinen Armen gestorben ist.

Im Kreis Ahrweiler sind die Opferschützer derzeit mit keinem größeren Fall betraut. Wobei, entgegnet Mainzer, für das Opfer ist der Fall immer „groß, einschneidend und schlimm“. Etwa 120 Fälle jährlich betreuen die Mitarbeiter des Weißen Rings im Ahrkreis. Etwa 60 Prozent machen häusliche und sexuelle Gewalt aus. Etwas zugenommen haben zuletzt die Verbrechensarten Mobbing und Stalking (10 Prozent).

Ein Grund, warum die Mitarbeiter des Weißen Rings nach wie vor gut zu tun haben – und das trotz diverser Konkurrenzorganisationen – ist die Einsamkeit vieler Menschen, meint der Ex-Polizist: „Sie haben niemanden, an den sie sich wenden und mit dem sie ihre Trauer verarbeiten können.“

Von unserem Redakteur Jan Lindner

Als die Verfolgung eines RAF-Autos unglaublichen Stress auslöste

Die erste Festnahme, die Verfolgung eines Autos mit RAF-Bezug: Das sind die beiden Fälle, die Gerd Mainzer (61) am ehesten in Erinnerung geblieben sind aus seiner Jahrzehnte langen Arbeit bei der Polizei. Dabei war die Festnahme von drei Jugendlichen weniger spektakulär. Die Verfolgung des Autos in der RAF-Zeit war es schon und hat damals „einen unglaublichen Stress verursacht“, wie Mainzer noch heute weiß.

Der neue Leiter der Außenstelle des Weißen Rings kommt ursprünglich aus Walporzheim und lebt in Königswinter. Er ist Ende September 2017 pensioniert worden. Neben der Arbeit als Opferschützer übt er weitere Ehrenämter aus: Er hat sich einst bei einem offenen Schulträger engagiert (2004 bis 2011), ist Vorsitzender eines Musikvereins, in der Kirche aktiv und Stadtbeauftragter der Malteser in Bonn. Gerd Mainzer sagt: „Ich möchte die Gesellschaft mitgestalten und etwas für die Jugend tun. Vereine sind da ein guter Andockpunkt, um präventiv wirken zu können.“ jl

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