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    Kreis Ahrweiler

    Energiewende: Kreis kann das Ziel schaffen

    Das energiepolitische Potenzial im Landkreis Ahrweiler und seinen Gemeinden ist erheblich: Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der in Bad Neuenahr-Ahrweiler beheimateten "EA European Academy".

    Alleine die Windkraft hat das Potenzial, den Gesamtstrombedarf des Kreises zu decken.
    Alleine die Windkraft hat das Potenzial, den Gesamtstrombedarf des Kreises zu decken.
    Foto: Jochen Tarrach

    Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

    Im Rahmen des im März 2015 im Kreis Ahrweiler gestarteten Bundesforschungsprojektes "EnAHRgie" hatte die EA von März 2015 bis April 2016 unter Beteiligung des Kreises, der Kommunen, Unternehmen und Banken, lokaler Verbände und Vereine sowie Bürgern eine Bestandsaufnahme zum Thema durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Status-Quo-Analyse stellte Projektkoordinator Dr. André Schaffrin jüngst im Kreis- und Umweltausschuss vor.

    Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte der Kreistag im Juni 2011 bekanntlich das Ziel ausgegeben, bis 2030 die Stromversorgung im Ahrkreis jahresbilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Doch die Umsetzung dieses Beschlusses kommt nur langsam voran. Bundesweit hinkt der Kreis Ahrweiler bei der ausgewogenen Nutzung alternativer Energien weit hinterher, zeigt die Analyse der EA. So liegt der Anteil erneuerbarer Energien im Ahrkreis einschließlich des importierten Ökostroms sowohl im Strom- (25 Prozent) als auch im Wärmebereich (12,2 Prozent) noch weit unter dem Bundesdurchschnitt.

    Jetzt wird auch wissenschaftlich untermauert, wovon die Kreisgremien bereits 2011 bei ihrem Beschluss, bis 2030 100 Prozent unseres Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, ausgingen: Es gibt im Kreis Ahrweiler Potenziale für regenerative Energien, die es zu nutzen gilt.

    Landrat Jürgen Pföhler

    Insgesamt ist der ländlich geprägte Kreis Ahrweiler bezogen auf Strom, Wärme und Verkehr noch abhängig von einem hohen Anteil an fossilen Energieträgern. Das führt laut Status-quo-Bericht dazu, dass die finanziellen Mittel der Region abfließen und regionale Wertschöpfungspotenziale noch nicht voll ausgenutzt werden. Darüber hinaus komme es zur ökologischen Belastung durch Emissionen von Treibhausgasen. Es zeige sich großer Handlungsbedarf, um die durchaus reichlich vorhandenen regionalen Potenziale verstärkt zu nutzen.

    Denn auch das zeigt die Analyse: Das Ziel einer vollständigen bilanziellen Strombedarfsdeckung aus erneuerbaren Energien ist rein technisch realisierbar. Alleine die Windkraft habe das Potenzial, den Gesamtstrombedarf des Kreises zu decken. Doch auch die Solarenergie kann bei voller Ausschöpfung des energetischen Potenzials einen Stromdeckungsgrad zu fast zwei Drittel leisten. Überschüssige Strommengen könnten zur Wärmeversorgung genutzt werden. "Trotz restriktiver Rahmenbedingungen gibt es viel Spielraum, um die Energieversorgung erneuerbar abzudecken", stellen die Verfasser der Studie fest.

    Aufgefallen ist ihnen auch, dass Ahrweiler geprägt ist durch heterogene Interessen der Gemeinde und Städte und – bezogen auf den gesamten Landkreis – eine nur schwach ausgeprägte gemeinsame Identität der Bevölkerung. Für das Gelingen der lokalen Energiewende sei indes eine enge Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Gemeinden und privaten Akteuren zentral.

    Die Studie kommt zu dem Schluss, dass für eine Optimierung von Erzeugung und Verbrauch neben dem Strom auch der Sektor Wärme betrachtet werden muss. Biomasse und Energieeffizienzmaßnahmen könnten danach eine wichtige Ergänzungsrolle spielen, insbesondere im Wärmebereich. "Ziel ist ein robuster Mix aus dem Ausbau verschiedener Wege der Energieerzeugung sowie Energieeffizienz- und Ausgleichsmaßnahmen", sagt Schaffrin.

    Die in der Studie zusammengefassten Ergebnisse dienen nun im zweiten Projektabschnitt der Erarbeitung von Entwicklungsszenarien, konkreten Maßnahmenempfehlungen und der Auswahl von Fallstudien für den nachhaltigen Umbau und Betrieb des lokalen Energiesystems im Kreis Ahrweiler. Bereits während der Bestandsaufnahme wurden erste Maßnahmen eingeleitet und Wege der interkommunalen Kooperation, der Unterstützung vorhandener lokaler Netzwerke und Beispiele für regionalwirtschaftliche Ausgleichsleistungen erarbeitet. Erst im Februar 2019 soll EnAHRgie mit Vorstellung und Verbreitung der Ergebnisse beendet sein und dann bundesweit als Muster dienen.

    Kommentar: Nur Vorbild sein reicht nicht

     RZ-Redakteur Frieder Bluhm zum Ergebnis der Studie

    Wenn einer einem anderen erhebliches Potenzial bescheinigt, ist dies die höfliche Umschreibung für: Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Gerade einmal 8 Prozent des Gesamtstromverbrauchs im Kreis Ahrweiler entspricht der hier aus erneuerbaren Energiequellen erzeugte Strom. Bei der Wärme sind es äußerst bescheidene 2 Prozent. Dabei übersteigt der Wärmeverbrauch im Landkreis den Stromverbrauch fast um das Dreifache. Wichtiger als die Zielsetzung von 100 Prozent bilanzieller Stromversorgung aus erneuerbaren Energien ist also, den Wärmebereich im Blick zu haben. Jedenfalls dann, wenn es darum geht, CO2 einzusparen. Der Kreis ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen, indem er seine Schulen und sonstigen Gebäude energetisch saniert hat. Darüber hinaus, darauf weist der Landrat zu Recht hin, werden die Rahmenbedingungen für die Energiewende von Bund und Land gesetzt. Ist ein Energiekonzept für den Kreis Ahrweiler deshalb vergebliche Liebesmüh? Nein, denn es hapert auch an der Koordination, um das Potenzial des Kreises auszuschöpfen. Nur auf die Vorbildfunktion des Kreises zu verweisen, wird nicht reichen.
    E-Mail: frieder.bluhm@rhein-zeitung.net

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