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Dorsel: Höhenort fürchtet Lückenschluss

Dorsel -Dorsel ist ein Grenzdorf: Direkt hinter der Gemeindegrenze beginnt Nordrhein-Westfalen. Von der Ahr an der B 258 schlängelt sich die Kreisstraße 5 rund einen Kilometer hinauf, bis man den kleinen Ort auf einem fast 400 Meter hoch gelegenen Höhenrücken erreicht. Was noch verbindet das Dorf mit der Ahr?

Die Dorseler feiern gern: Auch aus dem Traktorwettbewerb zwischen Bürgermeister und Jagdpächter wurde ein kleines Dorffest. Foto: Werner Dreschers
Die Dorseler feiern gern: Auch aus dem Traktorwettbewerb zwischen Bürgermeister und Jagdpächter wurde ein kleines Dorffest.
Foto: Werner Dreschers

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Die direkt am Fluss gelegene alte Stahlhütte, die zu Dorsel gehört – einstmals wie heute. Die ersten Hochöfen brannten hier bereits ab 1633. Heute ist auf dem Gelände ein Campingplatz angesiedelt. Niemand würde mehr vermuten, dass Dorsel früher Schauplatz einer für die damalige Zeit sehr bedeutenden Eisen- und Stahlindustrie war. Auf primitiven Wagen wurde der Eisenstein über waghalsige Wege von Lommersdorf über Dorsel zur Stahlhütte transportiert. Das hier hergestellte Stabeisen war für seine ausgezeichnete Qualität bekannt und wurde unter anderem in der Waffenschmiede in Lüttich verwendet. Das Aus für die hiesige Eisenverhüttung kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Mit den großen Fabriken im Ausland konnte das Werk nicht mehr konkurrieren, zudem waren die Kosten für die weite Landfracht zu hoch.

Die Dorseler Feuerwehr steht für den Rettungsdienst und die Tradition in der kleinen Höhengemeinde. Foto: Werner Dreschers
Die Dorseler Feuerwehr steht für den Rettungsdienst und die Tradition in der kleinen Höhengemeinde.
Foto: Werner Dreschers

Folge: 1880 wurde der Betrieb endgültig eingestellt. In Sachen Gewerbe ist Dorsel heute sehr viel magerer aufgestellt: Neben dem Campingplatz tragen einige Handwerksbetriebe zum Gewerbesteueraufkommen bei. Doch die Gemeinde ist anders als anderswo nach wie vor sehr landwirtschaftlich geprägt – es gibt noch vier Haupterwerbslandwirte. „In Dorsel liegt noch kein Land brach", freut sich Günter Adrian, selbst Landwirt. Rund 200 Einwohner (inklusive der mit Zweitwohnsitz) zählt das Dorf. „Der Altersdurchschnitt ist natürlich extrem hoch", erklärt Adrian. Einige Häuser stehen leer. Und es sei schwer, junge Familien in den zwar idyllisch, jedoch sehr abseits gelegenen Ort zu locken. An gutem und vor allem günstigem Bauland mangelt es dabei ganz und gar nicht: Davon hat Dorsel viel zu bieten.

Das Problem: Wie ein Damoklesschwert hängt der lang geplante Lückenschluss der A 1 über dem Ort. Konkret: Dorsel liegt unmittelbar an der geplanten Autobahntrasse. „Die Autobahn würde nur 150 Meter westlich an Dorsel vorbeiführen. Und wir haben zu 80 Prozent Westwind", klagt Adrian. Und er prognostiziert: „Für den Ort Dorsel ist der Lückenschluss tödlich." Trotzdem ist sich der Landwirt darüber bewusst, dass sein Dorf „wie eine kleine Insel" ist: Drumherum wünscht sich die Mehrheit einen Weiterbau der Autobahn. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort um 1149 im Namen eines Heinrich von Dorsel. Vom 13. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Dorsel Teil des Herzogtums Arenberg. Aus dem 13. Jahrhundert stammt die kleine Pfarrkirche St. Sebastian. So alt wir das Gotteshaus ist kein anderes Gebäude in Dorsel. Und das liegt daran, dass das Dorf im 18. Jahrhundert fast komplett abgebrannt ist.

Beim Neubau der Häuser gab es eine Auflage: Die Giebel sollten alle gerade zur Straße hin gebaut werden. In der Ahrstraße ist dies besonders gut zu erkennen. Ein Kulturdenkmal ist zu Beginn der Ahrstraße das prächtige alte Pfarrhaus, das von Privatleuten restauriert wurde. Sogar ausgezeichnet ist ein zu einem Ferienhaus umgebauter ehemaliger Winkelhof in Dorsel: Für die Revitalisierung des Eifeler Gehöfts im Dorfkern gab es den rheinland-pfälzischen Staatspreis 2013 für Architektur und Wohnungsbau. Grauwacke und Holz, typische Eifeler Baumaterialien, prägen das Ensemble aus Bruchsteinhaus und Scheune. In einer Seitenstraße von Dorsel liegt die Alte Schule, die 1984 zum Bürgerhaus ausgebaut wurde. Seit Kurzem gibt es wieder eine Dorfkneipe. Gefeiert wird gern in Dorsel: Kirmes im August und „Halbkirmes" zum Sebastianusfest im Januar. Auch das Vereinsleben im Dorf funktioniert noch: Neben der Feuerwehr gibt es einen Gesang- und einen Sportverein.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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