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Antweiler

Dorfporträt: Antweiler am „wogenden Wasser" (8)

Ist es nun das „Dorf am Ahrberg" oder aber der „Ort zum Verweilen am wogenden Wasser"? Klar ist: Darüber, woher Antweiler ursprünglich seinen Namen hat, herrscht bis heute Unklarheit. „Wogende Wasser" hat der rund 540 Einwohner zählende Ort aber. Und zwar die Ahr, die sich im Laufe der Dorfgeschichte ein ums andere Mal in reißende Fluten verwandelte.

Dorfidylle pur versprüht der kleine Ort an der Oberahr. 540 Menschen leben in Antweiler, das einst als Bürgermeisterei eine größere Bedeutung für die Region hatte. Foto: Werner Dreschers
Dorfidylle pur versprüht der kleine Ort an der Oberahr. 540 Menschen leben in Antweiler, das einst als Bürgermeisterei eine größere Bedeutung für die Region hatte.
Foto: Werner Dreschers

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Besonders tragisch war das Hochwasser von 1910: Antweiler war damals Standort des Baubüros der Bahnstrecke, die von Dümpelfeld nach Jünkerath gebaut wurde, und die Flut kostete viele Bahnarbeiter das Leben. Gut 100 Jahre später ist die Bahn in Antweiler schon wieder selbst Geschichte: Die Trasse ist seit 1973 stillgelegt. Infrastrukturell steht der staatlich anerkannte Fremdenverkehrsort dennoch ganz gut da: Es gibt Ärzte und Geschäfte für den täglichen Bedarf, eine Kindertagesstätte, eine Grundschule mit Nachmittagsbetreuung sowie ein reges Vereinsleben.

Dem demografischen Wandel, sprich der drohenden Überalterung, begegnet Antweiler auf besondere Weise: Damit junge Familien einen Anreiz haben, in Antweiler zu bleiben oder hierhin zu ziehen, startete die Gemeinde im Jahre 2009 die Aktion „Baby-Bonus" – auch, um die Bauplätze im Neubaugebiet „Auf Dreiviertel" besser zu vermarkten. Konkret heißt das: Jede Familie, die im Ort neu baut oder ein Haus kauft, erhält pro Kind im Vorschulalter 500 Euro. Darüber hinaus pflanzt die Gemeinde für jedes Neugeborene einen Obstbaum an. Vom Herzogtum Arenberr in
die Verbandsgemeinde Gelebt wurde schon immer gern in Antweiler: Hier befand sich bereits zu merowingischer Zeit eine Siedlung.

Die Kirche St. Maximin wurde 1762 als barocker Saalbau erbaut und 1959 mit einem Glockenturm versehen, der dem Gotteshaus eine überaus moderne Note verleiht. Foto: Werner Dreschers
Die Kirche St. Maximin wurde 1762 als barocker Saalbau erbaut und 1959 mit einem Glockenturm versehen, der dem Gotteshaus eine überaus moderne Note verleiht.
Foto: Werner Dreschers

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes fällt ins Jahr 975, als der Trierer Archidiakon Wicfried der Abtei St. Maximin in Trier Ländereien zusprach, die an „Amentwilere" (Antweiler) und „Musca" oder „Musche" (Müsch) angrenzten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Antweiler dem Herzogtum Arenberg an, ab 1816 war es Teil der Bürgermeisterei Aremberg im Kreis Adenau.

Nur vier Jahre später wurde der Sitz des Bürgermeisteramtes in das verkehrsgünstiger gelegene Antweiler verlegt, die Bezeichnung „Bürgermeisterei Aremberg" als Verwaltungsbezirk jedoch bis ins 20. Jahrhundert beibehalten. Erst Ende der 1920er-Jahre erfolgte die Umbenennung in „Amt Antweiler". Als der Kreis Adenau 1932 aufgelöst wurde, wurde das Amt Antweiler dem Kreis Ahrweiler zugeordnet. Seit 1970 schließlich ist Antweiler Teil der Verbandsgemeinde Adenau. Sehr bedeutsam für das Dorf an der Ahr war die Eisenindustrie. So sind am Eingang zum Limbachtal noch alte Schlackenhalden und Überreste der ehemaligen Erzgruben zu finden. Das „Aremberger Eisen" hatte einen guten Ruf und wurde auch ins Ausland verkauft.

Eine Besonderheit waren die in der Eisenhütte in Antweiler gegossenen Takenplatten, die zu den ältesten deutschen Ziergussstücken gehören. Auch in manchen Häusern in Antweiler sind sie noch als Wand- oder Ofenschmuck zu finden, darunter auch im Schullandheim Antweiler, dem Hans-Mohrmann-Haus, in dem heute hauptsächlich Kinder aus Duisburg zu Gast sind. Im Wappen von Antweiler ist alles beisammen, was einst für den Ort bedeutsam war: Die drei gelben Mispeln verweisen auf die frühere Zugehörigkeit zur Herrschaft Arenberg, Buch (Heilige Schrift), Bischofsstab, Mitra und Wandertasche sind die Attribute des heiligen Maximins, des Schutzpatrons des Ortes. Hammer und Schlegel schließlich weisen auf den Bergbau hin. Von einer Pfarrkirche in Antweiler ist erstmals um 1316 in Urkunden die Rede.

Rund um die Kirche wird auch jede Gelegenheit zum Feiern genutzt. Selbstverständlich auch die WM 2014. Foto: Werner Dreschers
Rund um die Kirche wird auch jede Gelegenheit zum Feiern genutzt. Selbstverständlich auch die WM 2014.
Foto: Werner Dreschers

Diese alte Kirche aber ist längst nicht mehr erhalten, lediglich Mauerreste und ein großes Kreuz auf der Altarstelle erinnern noch an sie. Die heutige Kirche St. Maximin wurde 1762 als barocker Saalbau erbaut und im Jahre 1959 mit einem Glockenturm versehen, der dem Gotteshaus eine überaus moderne Note verleiht. Der Strom fürs Dorf kam aus Gilligs Mühle
 Antweilers Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten spiegelt sich in weiteren gut erhaltenen Gebäuden wider. Neben einigen restaurierten Bauerngehöften und dem Gemeindehaus gehören das ehemalige Bahnhofsgebäude, die stillgelegte Bergwerksanlage „Grube Wilhelm", in der noch bis etwa 1930 Kupferkies gefördert wurde, die historische Ahrbrücke und eine funktionstüchtige alte Wassermühle, deren Geschichte bis ins Jahr 1686 zurückgeht, zu den Sehenswürdigkeiten des Dorfes.

Für das Dorf war die „Mühle Gillig" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung, denn von 1913 bis 1948 versorgte sie den ganzen Ort mit Strom. Getreide mahlt sie bereits seit 1976 nicht mehr. Heute werden im umgebauten Kornspeicher Veranstaltungen wie das alljährliche Kammermusikfestival und Mühlenführungen (etwa am Deutschen Mühlentag) angeboten. Noch immer bezieht die Mühle ihr Wasser zur Stromerzeugung aus der Ahr, die mit einem Wehr oberhalb von Antweiler gestaut und über einen etwa 250 Meter langen Kanal zur Mühle geleitet wird. Apropos Wehr: Ganz in seiner Nähe dient die Ahr als „Naturschwimmbad" (nicht nur) für Kinder und Jugendliche. Früher gab es hier auch Schwimmunterricht.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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