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    Diskussion in Adenau: Was Schüler von Politikern wissen wollen

    Da stutzte nicht nur Arbeitsministerin Andrea Nahles: 42 Prozent der Schüler am Erich-Klausener-Gymnasium in Adenau würden bei der Berufswahl nach Neigung und nicht auf Nummer sicher gehen, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gäbe. Überraschendes Ergebnis einer Umfrage, die der Leistungskurs Sozialkunde mit ihrem Lehrer Dietmar Schug initiiert hat, um damit Spitzenpolitiker aus dem Land bei der großen Talkrunde in der Hocheifelhalle zu konfrontieren.

    Spitzenpolitiker diskutierten am Dienstag im Erich-Klausener-Gymnasium in Adenau mit Schülern des Leistungskurses Sozialkunde.  Foto: Dreschers
    Spitzenpolitiker diskutierten am Dienstag im Erich-Klausener-Gymnasium in Adenau mit Schülern des Leistungskurses Sozialkunde.
    Foto: Dreschers

    Doch das war nur ein Baustein für das aufwendig vorbereitete Hearing, das den unter Strom stehenden Politpromis am Dienstagmorgen für mehrere Stunden auch einiges an Selbstdisziplin abverlangte. Denn die Schüler warteten nicht nur mit dem gesamten Spektrum an bundespolitischen Themen auf, sondern sie hatten auch Spielregeln aufgestellt für ihre Debatte, die sie unter das Motto „Demokratie leben heißt Politik wagen“ gestellt hatten: Diskussionen auf Augenhöhe, kein Abspeisen mit Standardsätzen, Klartext, Fairness. Womit die Schüler zurechtkommen mussten, ist auch bei Talkshows im Fernsehen zu erleben: Politiker, die um Redezeit feilschen, sich zu kurz gekommen fühlen oder Aussagen des politischen Gegners korrigieren wollen. Die Schüler ließen sich nicht aus der Ruhe bringen.

    Vorbei sind die Zeiten, in denen Schulen vor Wahlkampfzeiten für Spitzenpolitiker verbotene Zonen waren. Da schaufelte sich Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sogar in der heißen Phase vor der Bundestagswahl in ihrem Kalender einen Termin frei, um bei der mehrstündigen Podiumsdiskussion dabei zu sein. Die grüne Spitzenkandidatin Tabea Rößner fuhr mit ihrem Elektroauto von Mainz in die Eifel. 23 Veranstaltungen mit Schülern hat sie schon hinter sich. Diese „unfassbar engagierten Schüler“ aus Adenau haben sie gelockt. Auch die AfD war kein Tabu. „Demokratie setzt Offenheit voraus“, erklärte die 17-jährige Annemarie Michel, eine der vielen, gut präparierten Moderatoren. Und so war auch Uwe Junge, Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion, an den Ort seiner alten Arbeitsstelle – er gehörte zum Druckereizug der Bundeswehr in Adenau – angereist. Für die CDU saß Mechthild Heil auf dem Podium, für die FDP Christina Steinhausen und für die Partei Die Linke Jochen Bülow, Dritter der Landesliste. Sie alle hatte die mehrseitige Bewerbung überzeugt, mit denen sich der Leistungskurs Sozialkunde der MSS 12 empfohlen hatte. Was die Politiker erwartete, war eine mit viel medialer Technik, Videos und Spielszenen komponierte Gesprächsrunde. Auch Schüler der MSS 11 und 13 sowie die Theater-AG waren involviert. Jedes der Moderatoren-Teams hatte sich auf ein spezielles Thema vorbereitet, darunter auch komplexe Sachverhalte wie die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Und manchmal gelang auch, was der 17-jährige Nick Molitor oder der 18-jährige Marco Bell sich vorgenommen hatten: Politiker mit ungewöhnlichen Fragen zu locken. Von Jochen Bülow wollten die Schüler beispielsweise wissen, wann der Kapitalismus abgeschafft wird. Ein Raunen ging durch den Saal, als Uwe Junge, gefragt nach politischen Vorbildern, den SPD-Kanzler Helmuth Schmidt nannte. Für zusätzliche Spannung sorgten die kurzen Streitgespräche zwischen je zwei Politikern, die ihren Part beim Schlagabtausch zu beenden hatten, sobald das Glöckchen klingelte.

    Mit ihrer Veranstaltung haben die Schüler des Erich-Klausener-Gymnasiums mit viel Herzblut nicht nur eine unglaubliche Leistung neben ihrem normalen Schulstress erbracht, sondern auch eine Botschaft weitergegeben: Die junge Generation ist nicht politikverdrossen, sondern sucht nach authentischen Antworten. „Hätten wir eine Charta mit der grundlegenden Orientierung, stünde der Grundsatz ,Durchblick im postfaktischen Zeitalter bewahren' bestimmt weit oben“, heißt es denn auch in ihrer Bewerbung zum Hearing.

    Von unserer Redakteurin
    Beate Au

    Zweites Hearing

    Am Donnerstag, 21. September, steht für die Schüler eine zweite Wahlkampfveranstaltung mit Politikern zur Bundestagswahl im Erich-Klausener-Gymnasium auf dem Programm.

    Mit dabei: Michael Schneider (CDU), Christoph Schmitt (SPD), Martin Schmitt (Grüne), Ulrich van Bebber (FDP), Katrin Koch (AfD), Marion Morassi und Wolfgang Huste (Die Linke).

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