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    Die große Angst vor der Vergesslichkeit

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    Behandelt Demenzkranke aus ganz Rheinland-Pfalz: Chefarzt des Geriatrischen Zentrums im Kreis, Dr. Heinz L. Unger.
Foto: Vollrath
    Behandelt Demenzkranke aus ganz Rheinland-Pfalz: Chefarzt des Geriatrischen Zentrums im Kreis, Dr. Heinz L. Unger.
    Foto: Vollrath

    Die Resonanz kommt nicht von ungefähr: Neben Mainz unterhält das Geriatrische Zentrum die einzige Gedächtnisambulanz in Rheinland-Pfalz. Das Einzugsgebiet ist dementsprechend groß: Patienten kommen von Daun bis Limburg, von Oberwesel bis Bonn zur Sprechstunde nach Burgbrohl oder Bad Neuenahr-Ahrweiler.

    Andere Krankheit ist oft beteiligt

    Eins steht fest: Relevante Gedächtnisstörungen gehören nicht zum "normalen" Altwerden. Nicht immer handelt es sich um Demenz, aber womöglich steckt eine andere Erkrankung (wie Depression, Tumor oder stummer Schlaganfall, Durchblutungsstörungen oder der Aufstau von Nervenwasser) dahinter. Genau dies soll durch die eingehende Untersuchung bei der Gedächtnissprechstunde abgeklärt werden.

    Doch wie lassen sich "relevante" Gedächtnisstörungen überhaupt erkennen? "Bei manchen Patienten merkt man es sofort. Andere haben eine gute Fassade", weiß Unger. Die Fähigkeit, Neues im Gedächtnis einzuspeichern, gehe als erstes verloren. Menschen erinnern sich zwar noch gut an Geschehnisse aus der Vergangenheit, vergessen dafür aber die alltäglichen Dinge: das Gespräch, das sie noch tags zuvor geführt haben, vereinbarte Termine oder aber den Platz, an dem sie Schlüssel, Brille und Co. abgelegt haben. Weitere Alarmsignale sind Konzentrationsschwäche, zunehmende Schwierigkeiten beim Autofahren, Orientierungsprobleme in der gewohnten Umgebung und das Verkennen von Situationen oder Angehörigen.

    "Es gibt Patienten, die spüren, dass etwas nicht stimmt", erklärt Unger. Doch nur die wenigsten kommen aus eigenem Antrieb in die Gedächtnisambulanz – zu groß ist die Angst, durch die Diagnose "Demenz" die Eigenständigkeit zu verlieren. Anderen Betroffenen fehlt das Störungsbewusstsein vollkommen, etwa klassischen Alzheimer-Patienten. "Man braucht die Fremdanamnese", erklärt der Neurologe. Aufmerksame Angehörige und Bekannte sind nötig, die die Symptome erkennen und auf Klärung drängen.

    Denn gerade die Früherkennung der Erkrankung ist immens wichtig: Nur dann, wenn die Demenz rechtzeitig diagnostiziert ist, lässt sich der Krankheitsprozess medikamentös um etwa zwei Jahre verzögern. "Wenn das Haus brennt, alarmiert man die Feuerwehr schließlich auch nicht erst, wenn es schon abgebrannt ist", sagt Unger. Auch dem Hausarzt kommt in Sachen Früherkennung eine wichtige Rolle zu: Er kennt den Patienten, seine Familie und die Umstände vor Ort besser als der Facharzt, der "weit weg" ist.

    Über 50-Jährige sind angesprochen

    Zumeist ist es auch der Hausarzt, der den Patienten in die Gedächtnissprechstunde überweist. Sie richtet sich konkret an Menschen ab 50 Jahre, die eine merkliche Verminderung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit verspüren. Etwa zwei Stunden dauert die Erstuntersuchung, bei der möglichst auch ein Angehöriger dabei sein sollte. Einfühlsam geht der Arzt auf den Patienten ein.

    Dieser soll am besten gar nicht erst spüren, dass es sich um eine Testsituation handelt, bei der unter anderem Worte gelesen und erinnert, Figuren abgezeichnet, Dinge aufgezählt, Wörter gebildet oder der passende Begriff zu einem Bild gefunden werden müssen. Per Computer werden die Ergebnisse ausgewertet. Bei eindeutigem Testprofil stehen dann noch weitere Untersuchungen an, um andere Erkrankungen ursächlich auszuschließen.

    Lautet die Diagnose am Ende wirklich "Demenz", sind bei der komplexen Therapie wiederum besonders die Angehörigen gefordert. Für sie gilt es, die kognitiven Fähigkeiten der Erkrankten genauso zu trainieren wie ihren Körper, sie geistig zu fördern, ihnen die Dinge nicht aus der Hand zu nehmen, sie da aber zu entlasten, wo sie Frust erleben. Kognitive Störungen sind dabei nur eine Seite der Medaille. Das, was den Angehörigen viel mehr Probleme bereitet, sind die Verhaltensauffälligkeiten der Erkrankten: Unruhe, nächtliches Umherwandern, Aggressionen oder Wahnideen sind Symptome, die sich glücklicherweise aber behandeln lassen. Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

    Z Montags findet die Gedächtnissprechstunde in der Brohltal-Klinik St. Josef in Burgbrohl statt, freitags im Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr. Terminvereinbarung über das Chefarzt-Sekretariat, Telefon 02636/53-3910

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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