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Die Ahr bei Insul: Einstmals umschloss Fluss den Burgberg (14)

Gewässer sind dynamisch. Sie verändern ihren Verlauf oder ihre Richtung im Laufe vieler Hunderttausend bis Millionen Jahre. Ein gutes Beispiel dafür liefert die obere Ahr zwischen Schuld und Insul.

Heute ist der Burgberg von Wiesen und Feldern umgeben. Vor rund 150.000 Jahren, so die Geologen, umfloss die Ahr in einem großen Bogen den Burgberg. Heute verläuft der Fluss in seinem Tal etwa 30 Meter tiefer.
Heute ist der Burgberg von Wiesen und Feldern umgeben. Vor rund 150.000 Jahren, so die Geologen, umfloss die Ahr in einem großen Bogen den Burgberg. Heute verläuft der Fluss in seinem Tal etwa 30 Meter tiefer.

Von Winfried Sander, Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler

Schon der Name des Dorfes Insul, abgeleitet von der in einer Urkunde des Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August 1758 erwähnten „Länderey Insel", lässt darauf schließen, dass die Ahr hier in ihrem ehemaligen Verlauf zumindest eine Art von Halbinsel geschaffen hat. Noch heute ist erkennbar, dass der Fluss in vorhistorischen Zeiten, in der Zeitrechnung der Geologen etwa vor 150.000 Jahren, weit stärker südlich geflossen ist und einen ehemaligen Mäander (Änderung der Fließrichtung um 180 Grad) gebildet hatte, der den heutigen Burgberg in einer großen Schleife umfloss.

Durch stetigen Abtrag an den Seiten näherten sich die Mäanderbögen um den rund 270 Meter hohen Burgberg, und es kam zum Durchbruch der Mäanderschleife. Zurück blieb ein sogenannter Umlaufberg und die Ahr floss auf einem niedrigeren Niveau und in einem verkürzten Lauf mit höherer Geschwindigkeit in Richtung Rhein. Wie ist die ehemalige Mäanderschleife der Ahr entstanden und warum verläuft der Fluss heute in seinem Tal etwa 30 Meter tiefer? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Verlauf von Gewässern in großen oder auch kleinen Schlingen bis hin zu Mäandern auf eine langsame Fließgeschwindigkeit hindeutet – vergleichbar etwa mit dem Mündungsdelta eines großen Flusses, bei dem sich mehrere Arme wie etwas bei der Rhône bilden und dort die Landschaft Camargue entstehen ließen. Verantwortlich für den Verlauf von Gewässern ist letztlich die geologische Entwicklung eines Raumes. Die Ahr hat sich in einen Teil der Erdkruste (die oberen 30 Kilometer) eingegraben, die nahezu 300 Millionen Jahre alt ist. Es handelt sich um devonisches Gestein.

Die Eifel hatte allerdings über dieser Schicht aus dem Zeitalter des Devon Gesteinsschichten aus anderen, jüngeren geologischen Zeitaltern angehäuft bis zu einer Höhe von 4000 Metern. Diese Schichten wurden im Laufe der letzten 200 Millionen Jahre bei ihrer Wanderung (Plattentektonik) durch die verschiedenen Klimazonen durch Erosion abgetragen, und die Gewässer haben sich in die Schwäche- und Bruchzonen der Gesteinspakete eingegraben, auf diese Weise dann auch weiter in die darunter liegende, ältere devonische Schicht. Hinzu kommt, dass sich das Grundgebirge des Devon unterschiedlich an unterschiedlichen Stellen tektonisch hebt und senkt und somit die Fließgewässer mal in ihrer Geschwindigkeit beschleunigt oder auch mal bremst. Einen Määnderbogen der Ahr gibt es heute noch in Schuld zu bestaunen. Doch dass es hier zu einem Durchbruch kommt, damit ist kaum zu rechnen, solange die Natur sich nicht selbst überlassen ist. Aber das verhindert der Mensch mit seinen Befestigungen und Bauten entlang des Gewässers.

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