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Kreis Ahrweiler

Der Wolf ist nah: Wann kommt er über den Rhein?

Celina de Cuveland

Der zweifelsfreie Beweis per DNS-Untersuchung ist erbracht: Der Wolf ist zurück. Ein weibliches Tier streift offenbar im Kreis Neuwied im Bereich der bewaldeten Hänge oberhalb von Leutesdorf und Rheinbrohl umher. Dort fand im März der Leutesdorfer Damwildhalter Jörg Gerlich eines seiner Tiere ausgeweidet im Gehege – mit Bissspuren und Auffälligkeiten am Kadaver, die für den Riss durch einen Wolf sprechen. Auch im Kreis Ahrweiler führt das zu Verunsicherung, trennt doch nur noch der Rhein das sagenumwobene Wildtier vom Kreis. Und der ist für einen Wolf eigentlich keine Hürde, wie Ralf Schmidt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Ahrweiler, erklärt.

Symbolbild.
Symbolbild.
Foto: dpa

1 Wie realistisch ist es, dass der Wolf den Kreis Ahrweiler erreicht?

„Das ist schon sehr realistisch“, schätzt Ralf Schmidt die Situation ein. Grundsätzlich stelle der Rhein für Wölfe zwar eine natürliche Barriere dar. Aber gerade im Bereich des Hammersteiner Werth sei es durchaus denkbar, dass der einzelne Wolf der sich im Kreis Neuwied aufhält, durch den Fluss schwimmt. „Er sieht die Insel als nahes Ufer an“, erklärt Schmidt. „Und von dem Werth aus sieht er das linksrheinische Ufer. Er könnte den Fluss problemlos überqueren.“ Denkbar ist es allerdings auch, dass der Wolf nachts über die Rheinbrücke bei Neuwied läuft. Es habe in der Vergangenheit bereits Videos von Wölfen gegeben, die des Nachts Brücken überqueren, argumentiert Schmidt.

2 Wo würde sich ein Wolf im Kreis ansiedeln?

Ansiedeln würde sich das einzelne Tier, das sich im Kreis Neuwied aufhält, im Kreis Ahrweiler wahrscheinlich gar nicht. „Eher durchquert es den Kreis“, meint Schmidt. „Solange hier keine einzelne Wölfin auftaucht, hat ein Rüde keinen Grund, um hierzubleiben.“ Wahrscheinlich handelt es sich um einen jungen Wolf, dessen Mutter wieder Nachwuchs bekommen und den älteren Sprössling deshalb aus ihrem Revier verstoßen hat. Potenzielles Wolfsgebiet könnten aber die Eifelwälder im Kreis sein. Sollte der Neuwieder Wolf den Rhein überqueren, wäre es durchaus möglich, dass er sich über Waldorf und Niederzissen in Richtung Blasweiler und Schalkenbach aufmacht.

3 Was würde passieren, wenn der Kreis zum Wolfsrevier wird?

Wenn es sich um ein einzelnes Tier handelt, erst einmal nicht viel. Sollte sich eines Tages aber doch ein Rudel im Kreis niederlassen, würde das einige Probleme mit sich bringen. Zum einen für Autofahrer: Die Wölfe könnten genauso Unfälle verursachen wie andere Wildtiere, die auf die Fahrbahn laufen. Und zum anderen für Haus- und Nutztierhalter: Vor allem Besitzer von Schafen könnten Wölfe ein Dorn im Auge sein, meint Schmidt. Für die Wildtiere sind Hausschafe eine leichte Beute.
Aber auch für Spaziergänger mit Hunden könnte die Begegnung mit einem Wolf unschön enden. „Wenn es sich um einen Wolfsrüden handeln würde, könnte das brenzlig werden“, erläutert Schmidt den Sachverhalt. „Rüden sind dominant und dulden keine Eindringlinge in ihrem Revier. Im schlimmsten Fall würde der Wolf den Hund angreifen und töten.“ Schmidt weist aber auch darauf hin, dass der Kreis meilenweit davon entfernt ist, ein Wolfsrevier zu werden. Nur wegen eines einzelnen Wolfes müssten sich die Bürger im Kreis noch keine ernsthaften Gedanken machen. „Wir sehen die Situation entspannt“, sagt Schmidt.

Von unserer Mitarbeiterin Celina de Cuveland

CDU-Politiker fordern wolfsfreie Zonen in Deutschland

Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Neuwied, Erwin Rüddel, hatte jüngst vorgelegt: „Es ist mir egal wie, aber der Kreis Neuwied sollte wolfsfrei sein“, erklärt er. Ob das bedeute, dass man den Wolf betäubt „und in irgendeinen Urwald bringt“ oder ihn abschießt, spiele für ihn keine Rolle.

Nun hat der hiesige CDU-Politiker Horst Gies nachgelegt. Er war als Sprecher der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion bei einer Klausurtagung der agrarpolitischen Sprecher der CDU-Fraktionen in den Bundesländern im niedersächsischen Stade. Dort einigte man sich in der „Stader Resolution“ auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Wolf. Darin wird der Bund aufgefordert, ein aktives Wolfsmanagement zu etablieren. „Der Wolf legt sich mit Blick auf seine Habitatwahl nicht auf einzelne Bundesländer fest. Er verbreitet sich in einer zunehmenden Geschwindigkeit in vielen Bundesländern Deutschlands“, so Horst Gies. Nach Ansicht der CDU-Politiker müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, die einen Fortbestand der Weidetierhaltung und auch der Schäferei sichern. Nutztierhalter müssen bei Rissvorfällen schnell und unbürokratisch entschädigt werden. Hier wäre eine Beweislastumkehr, wie sie bereits in Sachsen praktiziert wird, bundesweit einzuführen. Darüber hinaus waren sich die Sprecher einig, dass in Abstimmung mit der Europäischen Kommission die rechtlichen Grundlagen für die Ausweisung von wolfsfreien Zonen geschaffen werden müssen. Inzwischen haben sich einige Naturschutzverbände fassungslos über die Aussagen des CDU-Abgeordneten Erwin Rüddel geäußert. Die Naturschutzinitiative (NI) und der Verein Pollichia schreiben in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „Solche Äußerungen stehen nicht im Einklang mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie, sind hochgradig unverantwortlich, da hiermit unberechtigt Angst und Panik geschürt sowie Desinformation betrieben wird“, erklärt Diplom-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI. ckk

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