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Remagen

Der Mann, der mit "Alexa" spielt: Wie ein Softwareentwickler Sprachassistenten im Alltag nutzt

Petra Ochs

Wenn David Karich mal spät abends nach Hause kommt, braucht er im Dunkeln nicht lange den Lichtschalter suchen. Der kurze Befehl „Alexa: Flur an“ reicht, damit es hell wird. Für den 32-Jährigen ist das Leben mit dem sprachgesteuerten Assistenten für alle Lebenslagen mittlerweile selbstverständlich geworden. Doch Karich ist mehr als ein Fan.

David Karich zählt zu den erfolgreichsten Entwicklern für Alexa-Skills in Deutschland.
David Karich zählt zu den erfolgreichsten Entwicklern für Alexa-Skills in Deutschland.
Foto: Stephanie Müller

Der Softwareentwickler aus Kripp spielt mit den Möglichkeiten, die Alexa ihm bietet, um seinerseits „Skills“ zu entwickeln, die das Leben mit Alexa noch angenehmer machen. Schöne neue Welt: Auch wenn Datenschützer und Co. gegen digitale Sprachassistenten mobil machen, wird ihr Siegeszug kaum aufzuhalten sein. „In den nächsten fünf Jahren werden in einem Großteil der Haushalte Sprachassistenten stehen und ein völlig alltägliches Hilfsmittel wie Smartphones sein“, glaubt Karich

Schon von Berufswegen hat er großes Interesse an innovativen Technologien: Bereits im Alter von 20 Jahren hat Karich seine Softwareagentur FlipZoom Media gegründet. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine erste Ausbildung zum Mechatroniker für Industrierobotik schon in der Tasche und steckte gerade in seiner zweiten Ausbildung zum Mediengestalter für Digital und Print.

Geboren wurde David Karich in Zittau in Sachsen. Doch sein sächsischer Ursprung ist ihm ganz und gar nicht mehr anzuhören. „Den Dialekt hab ich mir ganz schnell abgewöhnt“, erzählt Karich. Im Alter von 16 Jahren verschlug es ihn ins Rheinland, zuerst nach Troisdorf, dann vor drei Jahren der Liebe wegen nach Kripp. Bei der Wohnungssuche entschied die gute Internetverbindung. Denn ohne Internet läuft beim „digitalen Nomaden“ Karich nichts mehr – auch nicht Alexa. Vor einem Jahr hat er angefangen, sich im Bereich Alexa-Spiele-Skills auszuprobieren, um alle Möglichkeiten zu testen. Dabei herausgekommen ist „Orakel Otto“, ein witziger Entscheidungshelfer für Alltagsproblemchen à la „Wer bringt heute den Müll runter?“ oder „Ziehe ich nun die blaue oder die rote Hose an?“. Der Start ließ sich gut an. „Und dann hat es mich sehr schnell gepackt“, erinnert sich Karich. „Orakel Otto“ ließ er das freche Trinkspiel „Shot oder Spott“ und „Flaschendrehen – Wahrheit oder Pflicht“ folgen. Bei der Gestaltung der Spiele setzt er auf Kreativität – er will die Nutzer mit seinen Antworten überraschen. Wichtig sei es, den Skill an richtigen Menschen zu testen. Seine Freunde übernehmen diesen Part nur zu gern.

Karichs Spiele für Alexa sind an klassische Spiele angelehnt, bringen also das Bewährte in die Moderne. Mit Erfolg: „Flaschendrehen“ gehört bislang zu den beliebtesten Spiele-Skills. Aber auch der Quiz-Skill „Lügenbaron“ erfreut allmonatlich Zehntausende Benutzer. Für das urkomische Musikquiz „Was singt Dave?“ griff David Karich sogar selbst zum Mikrofon. Bislang hat er 60 Songs „eingesungen“, und es kommen ständig neue dazu. Dass er in kürzester Zeit zu den erfolgreichsten Skill-Entwicklern in Deutschland aufsteigen würde, hat Karich selbst überrascht. Und inzwischen lohnt es sich für ihn auch finanziell: Für fast alle seiner Spiele hat er „Developer Rewards“ erhalten, mit denen Amazon die erfolgreichsten Skills-Entwickler belohnt. Das motiviert natürlich zum Weitermachen: Karich plant bereits neue Spiele, darunter eine Kindervariante vom „Lügenbaron“ mit dem Titel „Flunkerfloh“. Erstmals versucht er sich auch an einem Skill, der nichts mit Spielen zu tun hat – einem Bewerbungstrainer für Alexa. Petra Ochs

Wer oder was ist eigentlich Alexa?

Alexa (eigentlich Amazon Echo) ist ein sprachgesteuerter, internetbasierter intelligenter Persönlicher Assistent, den der Internetriese Amazon seit Ende 2016 auch auf dem deutschen Markt anbietet. Das Gerät kann bestimmte Aktionen ausführen, etwa Musik abspielen, den Wecker oder Timer einstellen, Begriffe erklären oder Kalender verwalten. Da diese Funktionalität aber limitiert ist, bietet Amazon auch noch einen „Marketplace“ für sogenannte Skills, die von Drittanbietern erstellt werden können.

Diese zusätzlichen „Fähigkeiten“ sind vergleichbar mit Handy-Apps und können wie diese vom Benutzer dem heimischen Gerät hinzugefügt werden. peo

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