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Kreisstadt/Dernau

Bund unterhält Brunnen: Woher die Bevölkerung im Notfall Wasser bekommt

Jochen Tarrach

Trinkwasser, das wohl mit wichtigste Lebensmittel überhaupt. Obwohl es für die Bürger unseres Landes normalerweise ausreichend und in entsprechender Qualität vorhanden ist, zeigt die gegenwärtige Trockenperiode, dass es in besonderen Situationen auch einmal knapp werden kann. Wenn es tatsächlich so kommt – was dann?

Hier „Im Pfarrgarten“ in Dernau kann man zwar rund um die Uhr per Schwengelpumpe aus dem Notbrunnen das kostbare Nass entnehmen, aber Trinken ist trotzdem verboten, zumindest in Friedenszeiten.
Hier „Im Pfarrgarten“ in Dernau kann man zwar rund um die Uhr per Schwengelpumpe aus dem Notbrunnen das kostbare Nass entnehmen, aber Trinken ist trotzdem verboten, zumindest in Friedenszeiten.
Foto: Jochen Tarrach

Zum reinen Überleben würden rund 2,5 Liter zum Trinken täglich reichen. Aber der Mensch neigt dazu, verschwenderisch damit umzugehen. So ist in den letzten 100 Jahren der tägliche durchschnittliche Wasserverbrauch von 20 auf 140 Liter gestiegen. Noch hat man es in der Bundesrepublik Deutschland nicht erlebt, dass das öffentliche Wassersystem aufgrund einer Trockenperiode nicht ausreichte. Doch ganz düster sieht es aus, wenn es aufgrund von Wasserknappheit durch eine überregionale Katastrophe (Verstrahlung, Verseuchung) oder durch Kriegsereignisse aus dem Wasserhahn nur noch ungesund tröpfelt.

Genau aus diesem Grund unterhält der Bund seit 1970, dem Höhepunkt des kalten Krieges, auf der Basis des Gesetzes über die Sicherstellung von Leistungen auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft für Zwecke der Verteidigung rund 5000 Trinkwassernotbrunnen. 912 davon stehen allein in Berlin, aber mit sechs in Bad Neuenahr-Ahrweiler und einem in Dernau ist die Region um die Kreisstadt vergleichsweise gut versorgt.

Nach Ende des Kalten Krieges hat auch die Notwasserversorgung ihre Brisanz verloren. Das Gesetz ist zwar noch immer gültig, aber viel mehr getan wurde nicht, da auch die Bevölkerung selbst das Interesse an solchen Fragen verloren hat und politisch kein Druck gemacht wurde. Bleibt die Frage, was sollen im Ernstfall zum Beispiel die Bürger in Adenau oder Kempenich tun, die nicht gerade neben einem Notbrunnen wohnen? Die RZ hat beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn sowie bei der Stadtverwaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler nachgefragt, wie es um die Notwasserbrunnen steht.

1 Was genau ist ein Wassernotbrunnen? Es handelt sich dabei um Wassergewinnungen, die weitgehend unabhängig von anderen Versorgungssystemen sowie dem Stromnetz sein sollen. In der Kreisstadt wurden sie in den Jahren 1981 bis 1985 durch den Bund für rund 300.000 Mark gebaut und bezahlt.

Dieses seltsame Gebilde an der Ahrtorbrücke in Ahrweiler ist ein Brunnen zur Wassernotversorgung, hauptsächlich gedacht für den Verteidigungsfall. Derer Brunnenaufbau mit einem Schloss gesichert. Fotos: Jochen Tarrach
Dieses seltsame Gebilde an der Ahrtorbrücke in Ahrweiler ist ein Brunnen zur Wassernotversorgung, hauptsächlich gedacht für den Verteidigungsfall. Derer Brunnenaufbau mit einem Schloss gesichert. Fotos: Jochen Tarrach
Foto: Jochen Tarrach

2 Auf Grundlage der Bevölkerungszahl gibt es im Verhältnis zu anderen Städten in und rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler verhältnismäßig viele Trinkwassernotbrunnen. Wie kommt das? Das ist der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler als zentraler Ausbildungsstätte des BBK zu verdanken. Jeder Notbrunnen ist nach einem anderen System mit unterschiedlicher Wasserförderung aufgebaut. Durch die Nähe zur AKNZ wollte man so viele Arten der Wasserförderung darstellen wie möglich. Innerhalb jährlicher Seminare wird nicht nur die Handhabung geübt, sondern auch die Funktion der Brunnen überprüft.

3 Wer ist für Pflege und Wartung zuständig? Für die Wartung der Anlagen auch im Stadtgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler ist der Bund (BBK) zuständig. Das Wasserwerk der Stadt begleitet lediglich die von der AKNZ durchgeführten Seminare.

4 Wo genau sind die Trinkwassernotbrunnen lokalisiert? Direkt zu sehen sind nur zwei der sieben Brunnen in unserer Region. Das ist einmal der „Im Pfarrgarten“ in Dernau sowie der nahe der Ahrtorbrücke in Ahrweiler gegenüber der Feuerwehr. Dort ist noch ein zusätzlicher Brunnen, der nicht sofort als solcher zu erkennen ist. Weitere Brunnen sind an der Uhlandstraße in Bad Neuenahr, nahe des Twin, neben der Heimersheimer Stadtmauer sowie am Walporzheimer Ahrufer. Alle von ihnen sind völlig unabhängig vom öffentlichen Wassernetz.

5 Wie viel Wasser muss so ein Notbrunnen bringen und wie tief sind sie in die Erde gebohrt? Die Brunnen sollen den auf 15 Liter pro Person ausgelegten täglichen Wasserbedarf der Menschen sowie die Versorgung von Krankenhäusern und auch Nutztieren sicherstellen. Die Förderdaten der Notbrunnen im Stadtgebiet liegen zwischen 1,5 und 35 Kubikmeter pro Stunde. Die Brunnentiefen liegen zwischen fünf und 23 Metern.

6 Hat das Wasser aus den Notbrunnen Trinkwasserqualität? Das Wasser unterliegt nicht den Anforderungen an die gewohnte Trinkwasserqualität gemäß der Trinkwasserverordnung, sondern entspricht dem Paragraf 3 der Ersten Wassersicherstellungsverordnung. Aus diesem Gründe sollte zum Beispiel aus dem öffentlich zugänglichen Brunnen in Dernau auch nicht ohne Not getrunken werden.

Von unserem Mitarbeiter Jochen Tarrach

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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