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Kreis Ahrweiler

Bilanz: Energiewende im Kreis Ahrweiler tritt auf der Stelle

Die Energiewende im Kreis Ahrweiler tritt, soweit es die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien (EE) betrifft, auf der Stelle. Das geht aus dem sechsten Statusbericht zur Energiewende im Kreis Ahrweiler hervor, der am Montag auf der Tagesordnung des Kreis- und Umweltausschusses stand. Demnach ist die gesamte Stromproduktion aus EE im AW-Kreis – hauptsächlich Solarenergie, Biomasse und Windkraft – nach acht Jahren stetiger Zuwächse 2016 im Vergleich zum Vorjahr nicht nur nicht gestiegen, sondern leicht gesunken.

Der Windpark Weiber-Rieden ist im Kreis Ahrweiler bislang der Einzige, der am Netz ist.
Der Windpark Weiber-Rieden ist im Kreis Ahrweiler bislang der Einzige, der am Netz ist.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Als wahrscheinliche Gründe nennt der Bericht den zunehmenden und statistisch nicht erfassten Eigenverbrauch des gewonnenen Stroms durch die Solaranlagenbesitzer selbst sowie ein windschwaches Jahr 2016.

2011 hatte der Kreistag beschlossen, dass der Kreis seinen Beitrag zur Energiewende leisten soll. Demnach soll die benötigte Energie langfristig vollständig aus regenerativen Quellen gewonnen werden. Das erste Ziel lautet, den Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus EE zu decken. Doch der 2016 im Kreis erzeugte Strom aus regenerativen Quellen deckte rechnerisch nur rund 12 Prozent des Bedarfs. Damit bleibt der Kreis in dieser Hinsicht landesweit Schlusslicht.

Zuwächse gibt es allein beim Ausbau der Solarenergie. Die Zahl der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) betriebenen Anlagen zur Produktion von Strom aus Sonnenlicht stieg im Jahr 2016 um 4,6 Prozent auf 2603. Der Zubau in den vergangenen fünf Jahren beträgt 73 Prozent.

Ganz anders die Situation bei der Windkraft, ohne die den Experten der Europäischen Akademie zufolge das 100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Ziel nicht zu erreichen ist. 2016 waren neun Windenergieanlagen am Netz – so viele wie im Vorjahr. Nämlich acht im Windpark Weibern-Rieden und eine Kleinwindanlage in Lind. In Weibern wurde im Dezember 2016 eine weitere Einzelanlage emissionsschutzrechtlich genehmigt. Diese befindet sich derzeit im Bau und soll aller Voraussicht nach noch dieses Jahr ans Netz gehen. Weitere Windparks und Einzelanlagen sind vor allem in den Verbandsgemeinden Brohltal und Adenau in Planung.

Doch wie sich jüngst bei dem Gemeinschaftsprojekt der Ortsgemeinden Weibern, Kempenich, Hohenleimbach (VG Brohltal) sowie Heckenbach (VG Altenahr) zeigte, heißt Planung noch lange nicht, dass daraus etwas wird. Bis zu 14 Anlagen wollten die vier Ortsgemeinden errichten. Nach ersten artenschutzfachlichen Untersuchungen wurde das Vorhaben jedoch vollständig eingestellt.

Keine neuen Anlagen, weniger Wind – schon sinkt der Ertrag. Auch ging die Stromerzeugung aus Biomasse 2016 leicht zurück. Größere Potenziale für die Nutzung von Wasserkraft bestehen nach Einschätzung der Kreisverwaltung im AW-Kreis nicht. Mit einem Anteil von 0,4 Prozent spielt sie bei der Stromproduktion aus EE kaum eine Rolle (Wind: 39,9 Prozent, Solarenergie: 40,3 Prozent, Biomasse: 19 Prozent). Inwieweit 2016 weniger Strom aus Sonnenenergie erzeugt wurde, ist der Statistik nicht zu entnehmen. Zumindest wurde weniger Strom ins Netz eingespeist. Der Grund: Neue Anlagen werden immer häufiger ausschließlich für den Eigenverbrauch konzipiert. War es bisher üblich, möglichst die gesamte Dachfläche auszunutzen, sind neue Anlagen oft gerade noch groß genug, das eigene Haus zu versorgen. Die sinkende Einspeisevergütung ist ursächlich für diesen Trend.

Vor diesem Hintergrund wird im Statusbericht vorgeschlagen, den Fokus in Richtung nachhaltige Wärmeversorgung zu verschieben. Hier habe der Kreis als Partner der Energieagentur Rheinland-Pfalz im Rahmen der Kampagne „Wärmewende gestalten“ sowie einer Vielzahl von Maßnahmen bereits vorgelegt. Bei der Stromerzeugung aus EE stecke die größte Dynamik nach wie vor im Bereich der Sonnenenergie.

Von unserem Redakteur Frieder Bluhm

RZ-Kommentar: Es fehlt der Mut und die ordnende Hand

Redaktionsleiter Uli Adams zu den Aussichten der Energiewende

Uli Adams
Uli Adams

Aufgebrachte Bürger, die um ihre Gesundheit fürchten; Naturschützer, die gnädig die Augen vor klimakillenden Kohlekraftwerken verschließen; Schöngeister, die den Erhalt der Kulturlandschaft beschwören – nein, Fürsprecher für die Windkraft, ohne die die Energiewende nicht zu leisten ist, sucht man im Kreis Ahrweiler vergeblich.

Und mit Ausnahme der Grünen ist auch in der Politik, die diesen Wandel von den Fossilien zu den erneuerbaren Energien letztlich aus gutem Grund und mit großer Mehrheit beschlossen hat, kein klares Ja zur Technik samt ihren Nebenwirkungen zu hören. Auf allen Ebenen – Bund, Land, Kreis, Verbandsgemeinden – hat man sich aus der Verantwortung gestohlen, wird sich weggeduckt. Verweise auf fehlende Zuständigkeit werden da besonders gerne genannt. Dass diese Zuständigkeit ans kleinste Glied der kommunalpolitischen Kette – die Gemeinde – frühzeitig weggedrückt wurde, verschweigt man gern. Soll die sich doch mit verärgerten und verunsicherten Bürgern herumschlagen.

Dabei fehlt eine ordnungspolitische Hand, die die Energiewende gestaltet – von den Verbandsgemeinden aufwärts bis zum Bund. Selbstverständlich auch im Kreis. Zum einen hat der Kreistag großspurig das Ziel ausgegeben, bis 2030 bilanziell den Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie zu beziehen. Zum anderen hat man alles darangesetzt, dass die im Kreis residierende Europäische Akademie ein Pilotprojekt bei uns durchführt, wie die Energiewende in ganz Deutschland gelingt. Die Szenarien, wie es funktionieren kann, haben die Wissenschaftler schon geschrieben. Aber auch was passiert, wenn die Politik nicht das Heft in die Hand nimmt: so gut wie nichts! Derzeit die wohl wahrscheinlichste aller Lösungsansätze.

E-Mail: uli.adams@rhein-zeitung.net

Windenergie: Wo tut sich was?

Seit dem Statusbericht 2015 gibt es Neuigkeiten:

  • Die Unterlagen für das raumordnerische Prüfverfahren am Mauchertsberg in der Ortsgemeinde Dedenbach liegen vor. Allerdings hat eine Vorprüfung durch die Generaldirektion Kulturelles Erbe sowie die Kreisverwaltung ergeben, dass diese in der vorgelegten Form nicht für die Durchführung des Verfahrens geeignet sind. Zudem sind aufgrund der neuen Abstandsregeln zu Wohngebieten neue Standorte zu definieren, da die aktuell beantragte Anlage innerhalb der Abstandsradien zur Ortsgemeinde Oberdürenbach (Ortsteil Schellenborn) liegt.
  • Für die Windparks in den Ortsgemeinden Reifferscheid einerseits sowie Barweiler, Bauler und Pomster andererseits – insgesamt acht Windräder – wurde seitens der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord das raumordnerische Prüfverfahren eingeleitet.
  • Auf Ebene der Flächennutzungsplanung ist derzeit die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler dabei, die Ausweisung von Konzentrationsflächen für die Windenergienutzung vorzunehmen. „Die Flächen können noch nicht benannt werden. Über die gegebenenfalls in Betracht kommenden Flächen muss zunächst noch in den städtischen Gremien beraten werden“, sagt die Stadt. Im Konzept für die klimaneutrale Landesgartenschau 2022 sind drei Windräder angedacht.
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