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Bad Neuenahr: Mit Wasser zum Weltbad (43)

Wasser ist allgegenwärtig in Bad Neuenahr: Es fließt in der Ahr, sprudelt aus Brunnen und auch aus dem Boden – als Mineralwasser, das die Kurstadt so berühmt gemacht hat. „Wir sind die Stadt des Wassers und der Blumen“, sagt Horst Felten, Ehrenvorsitzender der Bürgergesellschaft Wadenheim und Urgestein von Bad Neuenahr, dem größten Stadtteil der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Mit der Entdeckung der Quellen durch Georg Kreuzberg fing alles an. Bad Neuenahr entwickelte sich zum Heilbad mit Weltruf.
Mit der Entdeckung der Quellen durch Georg Kreuzberg fing alles an. Bad Neuenahr entwickelte sich zum Heilbad mit Weltruf.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Der Ort, der später zum Bad wurde, ist ursprünglich aus drei ärmlichen Dörfern zusammengewachsen, die Berg und Burg Neuenahr zu Füßen lagen: Hemmessen, Beul und Wadenheim „firmieren“ seit 1875 unter dem gemeinsamen Namen Neuenahr. Und es war ausgerechnet ein Mann aus Ahrweiler, der für die Entwicklung Bad Neuenahrs die größte Rolle gespielt hat: Georg Kreuzberg (1796-1873), Entdecker der Mineralwasserquellen und Gründer des Apollinarisbrunnens. „Das war ein Glücksfall mit dem Kreuzberg“, betont auch Horst Felten. Denn ohne ihn, so ist er sicher, hätte Neuenahr niemals eine solche Bedeutung erlangt – vom Bad-Titel einmal ganz zu schweigen.

Im Jahre 1852 hatte Kreuzberg die Apollinaris-Quelle am Fuße der Landskrone entdeckt. Im Laufe der Jahre tat er weitere Quellen auf – es war der Beginn der Erfolgsgeschichte des Kur- und Heilbades Neuenahr. Als Gründungstag desselben gilt das Datum der feierlichen Weihe der Heilquellen im Beisein der preußischen Prinzessin Augusta, der späteren deutschen Kaiserin, am 28. Juli 1858. 166 Kurgäste wurden in der ersten Kursaison gezählt, fünf Jahre später waren es schon 1297. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Bad Neuenahr zu einem internationalen Kurort, der seinen Gästen Linderung bei Diabetes, Leber-, Gallen-, Darm- und Nierenleiden sowie bei Hautkrankheiten versprach.

Parallel dazu entwickelte sich die Gastronomie mit Gasthofbesitzern und Zimmervermietern. Die Ansprüche der Kurgäste waren bedeutsam für die Entwicklung des Kurorts. So gab es mehrere koschere Hotels, die um jüdische Gäste warben. Protestantische Kurgäste waren es wiederum, die den Bau der Martin-Luther-Kirche finanzierten. An das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde Neuenahr im Jahre 1880. Einen besonderen Komfort für die Kurgäste stellte die „Gleislose elektrische Bahn“ dar, die von 1906 bis 1917 zwischen Neuenahr und Walporzheim verkehrte. Derweil ging auch die Suche nach weiteren Quellen weiter: 1861 wurde der „Große Sprudel“ erbohrt, 1904 der Willibrordus-Sprudel – beide in ihrer Zusammensetzung einzigartig in Deutschland. 1973 kam die Walburgis-Quelle hinzu, deren Wasser in den Ahr-Thermen verwendet wird.

Horst Felten kennt sich aus mit der Geschichte und den Geschichten von Bad Neuenahr, von denen auch der Brunnen mit dem Goldenen Pflug erzählt.
Horst Felten kennt sich aus mit der Geschichte und den Geschichten von Bad Neuenahr, von denen auch der Brunnen mit dem Goldenen Pflug erzählt.
Foto: Petra Ochs

Prächtig sind die Kuranlagen, die in der „Gründerzeit“ nur so aus dem Boden schossen. Dazu gehört auch viel Grün: Noch heute ist Bad Neuenahr reich an Promenaden und Parks auf beiden Seiten der Ahr. Herzstück ist der Kurpark, dessen erste Entwürfe von niemand Geringerem als dem berühmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné stammen. Seit ihrer Gründung hat die Kurstadt wiederholt Veränderungen und Modernisierungen erfahren. Auch Krisen gab es immer wieder.

Doch einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg blühte Bad Neuenahr dank der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn noch einmal auf. In diese Zeit fallen die Eröffnung des Spielcasinos und die Hochzeiten des Dahlienfestes. Die Gesundheitsreformen der 1970er- und 1980er-Jahre versetzten dem Kurwesen dann aber einen großen Dämpfer. Die Auswirkungen sind noch heute spürbar. „Bad Neuenahr ist dabei, sich neu aufzustellen“, erklärt Horst Felten. Es habe sich bereits zu einem modernen Fremdenverkehrsort entwickelt, in dem das ehedem so starke Kurwesen kaum mehr eine Rolle spielt. „Die Übernachtungszahlen sind nach wie vor sehr gut – dank Reha und Tagungen“, so Felten. Zugute komme der Stadt auch die schnelle Autobahnanbindung. Als Wohnort ist Bad Neuenahr beliebt. Es wird viel gebaut – vor allem Eigentumswohnungen.

Doch woran liegt es, dass der Stadtteil eher für ältere als für jüngere Menschen attraktiv ist? „Der Mensch zieht dahin, wo die Arbeit ist“, glaubt Horst Felten. Und wer das Arbeitsleben bereits hinter sich gelassen hat, für den rückt vielleicht eher die Ärzteversorgung in den Blick – und in dieser Hinsicht ist Bad Neuenahr nach wie vor hervorragend aufgestellt.

Mit der Entdeckung der Quellen durch Georg Kreuzberg fing alles an. Bad Neuenahr entwickelte sich zum Heilbad mit Weltruf.
Mit der Entdeckung der Quellen durch Georg Kreuzberg fing alles an. Bad Neuenahr entwickelte sich zum Heilbad mit Weltruf.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Dabei ist die Infrastruktur auch für junge Familien nicht zu verachten. Neben einigen Kitas und einer Grundschule gibt es gleich mehrere weiterführende Schulen, darunter zwei Gymnasien. Eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat in den jüngsten Jahren das Haus der Familie: Das Mehrgenerationenhaus in der Weststraße ist unter anderem Sitz eines Kindergartens, Ort für kreative Angebote und Anlaufstelle für Sprachkurse. „Es ist wirklich eine Begegnungsstätte, die mit Leben erfüllt worden ist“, lobt Felten.

Ein reiches Vereinsleben hat Bad Neuenahr obendrein. Aushängeschilder in sportlicher Hinsicht sind die Sportvereine HTC, TV 06 und SC 13 – ersterer Ausrichter der Deutschen Tennismeisterschaften der Senioren, letzterer über viele Jahre hinweg eine große Nummer im Frauenfußball. Für gesellschaftliches Engagement sind die drei Bürgergesellschaften Beul, Wadenheim und Hemmessen bekannt. Sie haben sich vor allem die Integration von Neubürgern auf die Fahne geschrieben. Die Kultur bringt wiederum Einheimische und Auswärtige zusammen. Glanzlichter im Veranstaltungskalender von Bad Neuenahr sind der alljährliche Köchemarkt, die Klangwelle und die Uferlichter im Kurpark.

Seit dem Jahr 1969 ist das gut 12 000 Einwohner zählende Bad Neuenahr wichtiger Teil und Verwaltungssitz einer Stadt, deren Bewohner sich traditionell nicht wirklich grün sind. Auf die viel zitierten Animositäten zwischen den Ahrweilern und Bad Neuenahrern will Horst Felten aber gar nicht so viel geben. „Bad Neuenahr-Ahrweiler ist eben die Stadt mit den zwei 
Gesichtern“, meint er nur. Und: „Die beiden Orte passen gut zusammen.“ Petra Ochs

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