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Bad Bodendorf: Das Dorf ist das Tor zum Ahrtal (49)

Alle 20 Minuten erlebt Bad Bodendorf das gleiche Prozedere: Die Schranke am Bahnhof schließt sich, bevor ein Zug kommt, und hebt sich kurz darauf auch wieder. Was die meisten als unspektakulär und allenfalls störend empfinden, lässt bei manchem Eisenbahnfreund das Herz hüpfen.

Neben dem Heimat- und Bürgermuseum sowie dem Technikmuseum unterhält der Heimat- und Bürgerverein auch ein Heimatarchiv.
Neben dem Heimat- und Bürgermuseum sowie dem Technikmuseum unterhält der Heimat- und Bürgerverein auch ein Heimatarchiv.
Foto: Petra Ochs

Grund: Es ist die letzte Schranke in ganz Deutschland, die im Kurbelbetrieb noch von Hand bedient wird. Im Sinziger Stadtteil, der mit knapp 4000 Einwohnern der größte Stadtteil im Kreis Ahrweiler ist, läuft eben vieles ein wenig anders – und die Bodendorfer sind froh drum.

"Tor zum Ahrtal" steht auf dem großen Schild am Bahnhof geschrieben. Recht hat es, denn wer als Wanderer, Radfahrer oder Bahnreisender im Kreis Ahrweiler unterwegs ist, kommt um Bad Bodendorf kaum herum. So war das schon im Mittelalter, als der Ort ein wichtiger Punkt an der Aachen-Frankfurter Heerstraße, der "Krönungsstraße" der deutschen Könige, war. Heute sind es andere Wege, die ganz nah oder etwas weiter weg vorbeiführen: Bad Bodendorf ist Startpunkt des Rotwein-Wanderweges, zudem sind hier der Jakobsweg, der Rheinhöhenweg, der Rheinburgenweg und der Ahr-Radweg zu finden. Last but not least gibt es von hier aus auch eine Zuwegung zum Ahr-steig.

Ortsvorsteher Alexander Albrecht (auf dem Weg über die neue Fußgängerbrücke zum Schwanenteich) versteht sich in der Dorfgemeinschaft als Vermittler.
Ortsvorsteher Alexander Albrecht (auf dem Weg über die neue Fußgängerbrücke zum Schwanenteich) versteht sich in der Dorfgemeinschaft als Vermittler.
Foto: Petra Ochs

Bundesstraße trennt den Ort: Kurviertel und historischen Ortskern

Bad Bodendorf selbst hat vor Kurzem den "Rundweg der Düfte" verwirklicht. Mit dessen "Duftinseln" umschließt er alle Ortsteile – vom Naherholungsgebiet Schwanenteich über das Kurviertel bis zum historischen Ortskern. Und diese Verknüpfung hat auch ihren Sinn: Bad Bodendorf ist weitläufig und wird durch die verkehrsreiche B 266 in zwei Teile getrennt. 1971 zählte Bodendorf 1790 Einwohner, jetzt sind es mehr als doppelt so viele. "Der Ort ist schnell gewachsen, dabei aber ländlich geblieben", sagt Ortsvorsteher Alexander Albrecht. Durch Neubaugebiete hat Bad Bodendorf immer mehr an Umfang gewonnen. Beliebt ist aber auch der alte Ortskern. "Wir sind stolz darauf, dass junge Familien in die alten Fachwerkhäuser ziehen", meint Albrecht. Doch auch als Altersruhesitz sei Bad Bodendorf attraktiv.

Über den Erfolg des Wochenmarkts freut sich Albrecht mit Hans-Otto Schade, Vorsitzender des Gewerbevereins.
Über den Erfolg des Wochenmarkts freut sich Albrecht mit Hans-Otto Schade, Vorsitzender des Gewerbevereins.
Foto: Petra Ochs

Und die Attraktivität kommt nicht von ungefähr. Zum einen ist da die gute Verkehrsanbindung. Den Bahnhof vor der Tür, die nächsten Städte nicht weit entfernt und die Autobahn auch ganz nah: Von Bodendorf kommt man schnell überall hin. Dazu gibt’s einen großen Kindergarten und eine Grundschule, ein Schwimmbad, eine große Seniorenresidenz und ein Fachkrankenhaus für Angiologie und Kardiologie, einen Minigolfplatz und einige Sportstätten – allerdings noch keine Sporthalle. Die steht ganz oben auf der Wunschliste des Sinziger Ortsteils, der im Jahre 1969 eingemeindet wurde. Mehr als 70 Gewerbetreibende gibt es in Bad Bodendorf, dazu eine große Anzahl von Vereinen. Zwei von ihnen beschäftigen sich exklusiv mit dem Ort: Während der rege Heimat- und Bürgerverein mit Veranstaltungen, Initiativen und dem Heimat- und Bürgermuseum sowie dem Technikmuseum für den Blick zurück zuständig ist, schaut der Verein "Zukunft Bad Bodendorf" voraus. Noch ganz jung ist die Karnevalsgesellschaft Rievkooche, die den Mondscheinumzug etabliert hat. Und das Feiern wird in Bad Bodendorf ohnehin groß geschrieben – ob beim Weinfest, dem Dorffest, der Kirmes oder dem alljährlichen Weihnachtsmarkt.

Und er genehmigt sich gern einmal ein Schlückchen vom gesunden Nass des St.-Josef-Sprudels, der Bad Bodendorf bekannt gemacht hat.
Und er genehmigt sich gern einmal ein Schlückchen vom gesunden Nass des St.-Josef-Sprudels, der Bad Bodendorf bekannt gemacht hat.
Foto: Petra Ochs

Bürgerschaftliches Engagement wird groß geschrieben

Was die Projekte für das Dorf angeht, kann Ortsvorsteher Albrecht auf eine Menge bürgerschaftliches Engagement setzen: Viele packen mit an. Stolz ist er etwa auf die neue Fußgängerbrücke in der Nähe des Schwanenteichs, auf die "Wiederaufforstung" der Streuobstwiesen, auf den Rasenplatz für die Jungfußballer und vor allem auf den Wochenmarkt, der seit 2015 immer freitagnachmittags auf dem Platz vor dem Bahnhof stattfindet. Denn was die Nahversorgung angeht, ist Bad Bodendorf etwas benachteiligt. Dafür lässt sich hier gut essen gehen. Es gibt Gaststätten und Restaurants, und auch der Tennisverein und das Schwimmbad bieten Gastronomie.

Touristisch steht Bad Bodendorf, das offiziell gar kein Bad mehr ist, mittlerweile wieder recht gut da. Zu einem Erfolg für den Ort haben sich in dieser Hinsicht die zwei Wohnmobilplätze entwickelt: Sie bescheren dem Ort alljährlich knapp 30 000 Übernachtungen. "Und das ist eine gute Einnahmequelle für die Stadt", so Alexander Albrecht.

Petra Ochs

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