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Ahrtal: Auf Windkraft reagiert Schwarzstorch sensibel (19)

Ahrtal – Das Ahrtal hat das größte Vogelschutzgebiet im gesamten Rheinland-Pfalz. Hier kommen auch die rheinland-pfalz-weit gesehen größten Populationen des seltenen Schwarzstorches – aktuell acht Brutpaare im Kreis Ahrweiler – und des Rotmilans – aktuell etwa 80 Brutpaare im Kreis Ahrweiler – vor, die als Verantwortungsart in Deutschland eine besondere Rolle im Naturschutz spielen. Beide Arten gelten als besonders windkraftsensibel. Will heißen: Sie sind von den Anlagen besonders bedroht.

Derzeit wird die Windkraft im Zuge der Energiewende kontrovers diskutiert. Für einige bedeutet sie eine Verschandelung der Landschaft und eine Gefahr für viele Vogel- und Fledermausarten als einzige fliegende Säugetiere. Der BUND sieht die Windenergie jedoch als unerlässlichen Teil der zukünftigen Energieversorgung und erklärt, dass prinzipiell Windkraft und Naturschutz mit fachgerechter Planung miteinander vereinbar und verknüpfbar sind. Aber in Vogelschutzgebieten sollen nach dem Naturschutzverständnis des BUND keine Windkraftanlagen errichtet werden.

Der etwa einen Meter große Schwarzstorch mit seinen roten Beinen und dem roten Schnabel war von 1890 an in Rheinland-Pfalz ausgestorben. Seit 1982 ist der Brutvogel wieder in der Eifel anzutreffen. In ganz Rheinland-Pfalz kommen inzwischen wieder 30 bis 40 Brutpaaren vor. Die Fluchtdistanz des Schwarzstorchs gegenüber Menschen liegt bei 300 bis 500 Metern. Er ist etwas kleiner als der bekanntere Weißstorch. Die namensprägenden schwarzen Federn besitzen einen metallisch-grünlichen bis violetten Glanz.

Bei einem fliegenden Schwarzstorch erkennt man auf der Unterseite ein markantes weißes Dreieck. Vom Reiher unterscheidet sich das Flugbild dadurch, dass die Beine weit über das Schwanzende hinausragen, dabei werden Kopf und Hals gerade, der Schnabel leicht abwärts gehalten. Im Unterschied zum Weißstorch sind die Flügel gewinkelter und schmaler. Wie auch den Weißstorch ist der Schwarzstorch oft, die Thermik ausnutzend, im kraftsparenden Gleitflug mit ausgebreiteten leicht abwärts gebogenen Flügeln zu sehen.

Wo lebt der Schwarzstorch?

Der Schwarzstorch lebt bevorzugt in reich strukturierten nicht zu dichten Laub- und Laubmischwäldern mit Fließgewässern, Teichen und Tümpeln. Wichtig sind auch nah gelegene feuchte extensiv genutzte Wiesen. Ursprünglich lagen Brutstätten vorwiegend in über 100 Hektar großen Waldgebieten. Durch die dichtere Besiedelung sind die Ansprüche an die Fläche aber gesunken. Da der Schwarzstorch sehr störungsempfindlich ist, brütet er normalerweise nicht in der Nähe von Siedlungen.

Was frisst der Schwarzstorch?

Hauptsächlich ernährt sich der Schwarzstorch von Tieren, die im und am Wasser leben, wie Fischen, Amphibien und Insekten. Hauptnahrung sind Forellen, gefolgt von Groppen und Elritzen. Auf dem Speiseplan stehen für ihn aber auch Pflanzenteile wie Moose und Wasserpflanzen, die er auch an seine Jungen verfüttert. Wahrscheinlich benötigt er dies für seinen Mineralhaushalt. Erbeutet wird die Nahrung meistens durchs seichte Wasser watend. Dabei werden häufig die Flügel ausgebreitet, was den Fischen Sicherheit vortäuschen könnte, wodurch sie leichter zu fangen sind. Die Nahrungsreviere in unserer Mittelgebirgslandschaft sind sehr groß. Ein brütendes Schwarzstorchpaar benötigt ein Gebiet von 12 bis 15 km Radius um den Horst. So ist auch erklärbar, weshalb Schwarzstörche über Ahrweiler kreisend in der Thermik zu sehen sind.

Wie vermehrt sich der Schwarzstorch?

Schwarzstörche sind nicht auf einen einzigen Partner fixiert, paaren sich aber häufig mit dem gleichen Partner, da beide brutplatztreu sind. Geschlechtsreif werden sie mit drei Jahren, brüten aber meist erst mit vier Jahren das erste Mal.

Zur Paarungszeit kommt in der Regel zuerst das Männchen an und wartet am Nest bis zu 40 Tage auf das Weibchen, am häufigsten aber ein bis zwei Wochen. Nach der Nestinstandsetzung (Nester können zehn Jahre und länger benutzt werden) wird das Revier mit eindrucksvollen Schauflügen markiert, bei denen sich beide Vögel synchron bewegen und auch teilweise synchrone spiralige Abstürze zeigen.

Das recht große Nest wird in der Regel auf alten, großkronigen Bäumen errichtet. Eichen werden bevorzugt, weil sie schon im jungen Alter starke Äste haben, die gute Nistauflagen bilden. Die Nester sind meist weit oben errichtet, um das Anfliegen für den großen Vogel zu erleichtern.

Die Brutzeit beginnt Mitte April. Das erste Gelege enthält im Schnitt vier Eier, Nachgelege selten mehr als drei. Die Eier werden im Abstand von zwei Tagen gelegt und mit dem zweiten beginnt das Weibchen zu brüten, sodass die Küken erhebliche Entwicklungsunterschiede aufweisen können. Die 34 bis 38 Tage andauernde Brutzeit über versorgt das Männchen das Weibchen mit Nahrung. Beide Partner brüten, nachts jedoch immer das Weibchen.

Die Jungvögel werden 21 Tage lang Tag und Nacht bewacht und gegen Wind und Wetter sowie alle anderen Gefahren beschützt, anschließend können sie stehen und sind nach 60 bis 70 Tagen flügge. Dann ziehen die Jungen vor den Eltern in ihr Winterquartier.

Der Schwarzstorch zieht ab Mitte August bis in den September ins nördliche Afrika, zum Teil auch in den Nahen Osten, um dort zu überwintern.

Wie kam es zur Wiederansiedlung?

Der Schwarzstorch wurde nicht vom Menschen aktiv wiederangesiedelt. Es waren die Verbesserung der Nahrungs- und Brutbedingungen, die ihn wieder heimisch werden ließen. So sorgte die Verbesserung der Wasserqualität in den Bächen durch Kläranlagen und Renaturierung der Fließgewässer sowie die Anlage von flachen Teichen für eine Förderung der Fisch- und Amphibienpopulation. Zudem ging die Schadstoffbelastung der Beutetiere zurück.

Die Brutbedingungen wurden verbessert durch die Einführung der naturnahen Waldwirtschaft. Jetzt wurde die Umwandlung zu mehr Laub- und Mischwald gefördert, alte Baumbestände wurden erhalten durch Erhöhung der Erntealter und das Waldgefüge wurde verbessert, indem Kahlschläge vermieden werden. Reinhard van Ooyen und Kerstin Hoffmann, BUND

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