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    Ahr-Spion übermittelte auch an Honecker

    Mit Dieter Popp hatte die Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Ahrweiler jetzt einen Besucher „vom Fach“. Popp war Top-Spion der DDR.

    Ex-Spion Dieter Popp genießt seinen Zigarillo vor dem Ex-Regierungsbunker. Foto: Jochen tarrach
    Ex-Spion Dieter Popp genießt seinen Zigarillo vor dem Ex-Regierungsbunker.
    Foto: Jochen tarrach

    Nicht, dass der heute 72-jährige, in Berlin geborene Popp einst direkt am Bau des Bunkers beteiligt gewesen wäre oder ihn zu seiner aktiven Zeit jemals betreten hätte, aber er kannte die Baupläne „schneller, als sie die einzelnen Abteilungen im Bundesverteidigungsministerium in Bonn durchlaufen hatten“.

    Kopien der Pläne landeten damals direkt auf den Tischen des Militärischen Nachrichtendienstes (MIL-ND) der Nationalen Volksarmee (NVA) sowie des Staatsratsvorsitzenden der DDR in Ost-Berlin. „Es war noch nicht der erste Spatenstich getan, da wusste man in Ost-Berlin schon genau, was Sache war“, so Popp im Gespräch mit der Rhein-Zeitung.

    Man sieht es dem eher unscheinbaren Mann nicht an, wenn er heute an einem Zigarillo nuckelnd vor der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in der Sonne sitzt, dass er in den Jahren 1969 bis 1990 eine Spitzenquelle des Mil-ND der NVA der DDR in der Bundesrepublik war und unbehelligt an der nachrichtendienstlichen Aufklärung des Regierungsbunkers vonseiten der DDR entscheidenden Anteil hatte.

    Erst nach der politischen Wende im Jahr 1990 wurde Popp enttarnt. Ausgerechnet ein ehemaliger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) lüftete seine wahre Identität. Er wurde von der Polizei verhaftet, der Spionage angeklagt und schließlich am 23. Dezember 1991 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ihm wurden außerdem rund 70 000 Euro Geldstrafe und 20 000 Euro Verfahrenskosten auferlegt.

    Nach seiner Haft trat er als Mitbegründer und Vorsitzender des Vereins „Kundschafter des Friedens“ auf. Ziel des Zusammenschlusses war es, die Freilassung der ehemaligen Spione der DDR zu erreichen. Zu den Kommunalwahlen im September 2004 trat er in Bonn für die PDS an und bekam 75 Wählerstimmen.

    Popp war gelernter Versicherungsfachmann und arbeitete als geschätzter Mitarbeiter bei einem großen Versicherungsunternehmen in Bonn. Gemeinsam mit seinem von ihm persönlich für das MfS angeworbenen Freund Egon Streffer, der ab 1970 im Planungsstab des Verteidigungsministeriums arbeitete, übermittelte er rund 20 Jahre lang geheime militärische Dokumente und Einschätzungen mit den Einstufungen „Streng geheim“, „NATO-Secret“ und „US-Top Secret“ nach Ost-Berlin.
    Bestens informiert waren beide über die WINTEX/CIMEX-Übungen, deren Unterlagen und Erkenntnisse nicht nur zum Geheimdienst der NVA, sondern über eine „Standleitung“ direkt auch an die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) der DDR-Staatssicherheit gingen. Während Egon Streffer die geheimen Unterlagen direkt aus dem Ministerium beschaffte, war Dieter Popp für ihn als sogenannter Resident (Führer oder Kontaktmann) tätig und übermittelte die Papiere meist per Kurier in den Osten.

    „Wenn es die DDR noch gäbe, würde ich von dort heute eine gute Rente beziehen“, berichtet er der RZ, ohne irgendein Anzeichen, dass er inzwischen seine politischen Ansichten geändert hätte. Noch 1999 hatte er in einem Buch geschrieben: „Für mich ist Gorbatschow der größte Verräter des 20. Jahrhunderts. Unsere Arbeit als Kundschafter für die DDR werden und wollen wir nicht in Frage stellen, denn auch durch unsere Arbeit gab es 40 Jahre in Europa keinen Krieg.“

    So sieht er seine Arbeit als Top-Spion als einen Beitrag für die Stabilität zwischen Ost und West. Als sein Meisterstück bezeichnete er einmal die Übermittlung der westlichen Verhandlungspositionen von der KSZE-Konferenz 1975 in Helsinki. „Der Ostblock fuhr hin und wusste ganz genau, wie weit der Westen gehen würde.“

    Ein Gleichgewicht und das Wissen, was der andere kann und will, seien Ergebnisse seiner Arbeit gewesen. Schließlich sei auch der Regierungsbunker im Ahrtal Bestandteil des gegnerischen Systems gewesen. Vorausgesehen hat er aufgrund seiner Erkenntnisse auch frühzeitig das Ende des Ostblocks, so zumindest seine Aussage. Deutlich habe er gespürt, dass etwas im Gange sei. Und spätestens auf der Konferenz von Malta im Dezember 1989 habe Gorbatschow das ganze Imperium verscheuert.

    Bei Currywurst und Pommes erzählt Dieter Popp vor dem Regierungsbunker der RZ seine ganz persönliche Geschichte, mit der er offensichtlich noch nicht abgeschlossen hat. Immerhin, heute kann er als Rentner ohne Bedenken den Rest des einst so hoch geheimen Regierungsbunkers besichtigen. Zu verraten gibt es nichts mehr. Die Zeit ist über ihn hinweggegangen.

    Eveline Lemke besucht den Regierungsbunker in Ahrweiler
    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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