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Ahrdorf

Ahrdorf: Bodenständig und arbeitsam

Dem Namen nach war der Ort wohl eine Art Vorreiter: Ahrdorf, das Dorf an der Ahr, war schon da, als es sonst noch keine Ortschaften an der oberen Ahr gab. Etwas abseits der viel befahrenen B 258 säumen schön zurechtgemachte Fachwerkhäuser die wenigen Ortsstraßen.

Rund 300 Einwohner zählt Ahrdorf heute. Beim Thema Energieversorgung haben die Eifeler jedoch Großes vor. Mit Fotovoltaik und Biomasse möchten sich die Ahrdorfer unabhängig von den Stromversorgern machen. Foto: Petra Ochs
Rund 300 Einwohner zählt Ahrdorf heute. Beim Thema Energieversorgung haben die Eifeler jedoch Großes vor. Mit Fotovoltaik und Biomasse möchten sich die Ahrdorfer unabhängig von den Stromversorgern machen.
Foto: Petra Ochs

Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

Kein Zweifel: Beschaulich ist es in Ahrdorf. Doch einmal im Jahr geht hier die Post ab. Dann verwandelt sich der kleine Ortsteil von Blankenheim (Kreis Euskirchen) zum Schauplatz eines großen Seifenkistenrennens. „Wir repräsentieren hier die Eifel", sagt Ortsvorsteher Matthias Keul. Die Leute, die in Ahrdorf wohnen, seien bodenständig und arbeitsam. Rund 300 Einwohner zählt das Dorf, rund die Hälfte davon ist aber nicht im Ortskern, sondern 500 Meter davon entfernt im „Feriendorf" zu Hause. Das zu Beginn der 1970er-Jahre entstandene Ferienhausgebiet ist für viele der einstigen „Wochenendler" inzwischen zum ersten Wohnsitz geworden.

Bemerkenswert ist die Lage: Ahrdorf liegt im südöstlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen in einem „Drei-Kreise-Eck". In unmittelbarer Umgebung treffen hier die Kreise Euskirchen und Ahrweiler sowie der Vulkaneifelkreis aufeinander. Auch der Nürburgring ist nicht weit entfernt. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb liegt Ahrdorf doch recht weit „ab vom Schuss". Illusionen über sein Dorf macht sich auch der Ortsvorsteher keine. „Die Attraktivität ist relativ überschaubar", schmunzelt Keul. Gerade für Familien mit schulpflichtigen Kindern: Die nächstliegende weiterführende Schule ist die Gesamtschule in Blankenheim, für den Besuch eines Gymnasiums aber müssen die Kinder 35 bis 40 Kilometer einfache Fahrtstrecke in Kauf nehmen. Pendeln ist auch für die meisten berufstätigen Ahrdorfer angesagt.

Auswärtige kommen deshalb kaum auf die Idee, sich im Ort anzusiedeln oder gar zu bauen. „Wer hier nicht groß geworden ist, überlegt es sich zweimal", so Keul. Eine Dorfkirmes gibt es mittlerweile nicht mehr. Und lange vorbei sind auch die Zeiten, als im ehemaligen Hotel Hubertushof gefeiert und getanzt wurde. Als Veranstaltungsraum wird seit Anfang der 80er-Jahre das Bürgerhaus genutzt, das im ehemaligen Feuerwehrhaus angesiedelt ist. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ahrdorf im Jahre 970 – in einem Zug mit der Hubertuskapelle, das schönste historische Denkmal im Ort, für dessen Erhalt sich seit einigen Jahren ein Förderverein, neben dem Bürgerverein der einzige Verein im Dorf, engagiert. Vor 1794 war Ahrdorf ein politisches Kuriosum, da es als „Exklave" vollständig von fremden Territorien umgeben war: die Herrschaftsgebiete des Herzogtums Arenberg, die zum Kurfürstentum Köln gehörenden Dörfer Müsch und Hoffeld sowie die Orte Trierscheid und Nohn des Kurfürstentums Trier. Der Übertritt ins „Ausland" erfolgte also kurz hinter der Dorfgrenze.

Gut 60 Jahre lang – bis zum Jahr 1975 – dauerte der Teil der Ahrdorfer Geschichte an, in der die Eisenbahn eine wichtige Rolle spielte. Bedeutsam war der Bahnhof Ahrdorf als Knotenpunkt zweier Eisenbahnstrecken, die vor allem aus militärischen Erwägungen errichtet worden waren. Dies hatte auch einen schwarzer Tag in der Geschichte des Ortes zur Folge: Am 11. September 1944 wurden bei einem alliierten Bombenangriff auf einen Eisenbahntransport 15 Ahrdorfer Männer getötet – immerhin gut 9 Prozent der damaligen Bevölkerung. Weitere Tote im Ort forderte ein Bombenangriff am Ersten Weihnachtstag 1944.

Doch das Dorf mit so viel Vergangenheit soll auch eine Zukunft haben. Deshalb setzt sich Ortsvorsteher Matthias Keul als Teil einer Interessengruppe dafür ein, dass Ahrdorf durch eine eigene Strom- beziehungsweise zentrale Heizversorgung zum energieautarken Dorf wird. „Wir sind noch in der Planungsphase", erklärt Keul, „die Frage ist nur, wie viele Leute mitmachen." Angedacht ist ein Energiemix aus Fotovoltaik und Biomasse. Damit das Projekt auf soliden Füßen stehen kann, sind Dozenten und Studenten der Fachhochschule Köln mit im Boot.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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