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    Adenauer Bach: Nebenfluss mit großer Bedeutung (21)

    Das Einzugsgebiet der Ahr erstreckt sich über eine Vielzahl von Nebengewässern, die weit ins Hinterland hineinreichen. Für die Ahr ist das im oberen Teil neben dem Trierbach auch der Adenauer Bach. Eine eigene „richtige" Quelle hat der Adenauer Bach nicht. Er bildet sich für den normalen Beobachter aus dem Zusammenfluss mehrerer kleinerer Bäche, zuletzt dem Breidscheider Bach und dem Exbach im Gewerbegebiet „Im Broel" von Adenau. 

    Winfried Sander ist Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler.
    Winfried Sander ist Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler.

    Von Winfried Sander, Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler

    Kurz zuvor vereinigen sich der Quiddelbacher Bach und der Herschbroicher Bach, so dass in diesem Raum durch intensive Erosion ein relativ breites Tal entstanden ist, in dem sich Siedlungen und Gewerbe räumlich gut entwickeln konnten. Auf einer Höhe von ungefähr 320 Metern beginnt der Adenauer Bach vom Gewerbegebiet aus seine kurze Reise und mündet nach gut zehn Kilometern bei Dümpelfeld auf einer Höhe von 210 Metern in die Ahr. Das geringe Gefälle - etwas mehr als 100 Meter bei dieser Länge und damit nur einem Prozent - führt dazu, dass der Bach grundsätzlich nur eine geringe Geschwindigkeit besitzt. Dieser Umstand schützt aber nicht davor, dass auch am Adenauer Bach Hochwässer mit dramatischen Folgen entstehen können.

    Der Hintergrund: Das Gewässer hat Zulauf von anderen Bächen, die aus einer Höhe von teils über 600 Metern kommen und damit bei bestimmten Wetterlagen enorme Mengen an Niederschlägen in ihren Bachbetten zuführen. Von Dümpelfeld talaufwärts bis Adenau gab es nach historischen Aufzeichnungen 5 Mahl- und Lohmühlen (Lohe = Einsatz von Eichenrinde zum Gerben von Fellen), 4 Spinnereien und 2 Tuchfabriken, welche die Wasserkraft des Adenauer Baches nutzten. Bereits im Jahr 1216 wird in Leimbach eine Mühle genannt. Sie war eine Getreidemühle und wurde mit der Kraft des Adenauer Baches über einen Mühlteich angetrieben.

    Eine Art von Steuer musste der Müller im Jahre 1556 zahlen: Fünf Malter Korn und ein Mühlenschwein Pacht an das Amt Nürburg. 30-jähriger Krieg und die Folgen Die Öl- und Follmühle (unterhalb von Leimbach am heutigen Birnbach gelegen) musste auch ihren Obolus entrichten: Im Jahre 1728 sechs Gulden und zwölf Albus für den Wasserlauf an das Amt Nürburg. Der Begriff der Follmühle geht zurück auf das französische Wort „fouler (= walken, also stampfen und rollen), ein Vorgang der das zu bearbeitende Material (hier Tuch) geschmeidiger machte. Bereits nach dem 30-jährigen Krieg (also nach 1648) hat die Beschäftigung mit der Weiterverarbeitung eines wichtigen Produktes ihren Anfang genommen: Verarmte Bauerngehöfte, verwüstete Felder, unbebaute und von Wildkraut, Dornen und Disteln überwucherte Fluren, Not und Elend überall hatte der lange Krieg hinterlassen. Die Schafhaltung lieferte einerseits Fleisch und zudem Wolle - also Nahrung und Rohstoff, um Bekleidung herzustellen. Die Verarbeitung der Wolle erfolgte zuerst in Heimbetrieben in Adenau und verbreitete sich später auf die Umgebung. Aus diesem handwerklichen Können entwickelte sich am Ende des 17. Jahrhunderts ein zünftiger Stand: die Wollweberzunft. Um 1788 erreichte sie mit 141 Zunftmeistern ihre Blütezeit. Zählt man noch außer den Spinnern und Webern die Lehrlinge und Gesellen, Färber, Tuchscherer und Walker hinzu, so beschäftigte die Wollindustrie laut einem Zunftbrief fast 1000 Menschen in der Hocheifel.

    Die Herstellung beschränkte sich damals auf derbes Tuch für die ländliche Bevölkerung, auf warme Unterröcke für Feld und Stall und auf Strickwolle. Auch Aufträge vom Kurfürsten von Köln zur Lieferung von Montierungstuch für das Militär fanden ihre Kunden. Tuchindustrie entwickelt sich Zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatte die Adenauer Tuchmanufaktur zehn Arbeiter beschäftigt, die jährlich 4000 Meter Mittelstoff lieferten. Außerdem empfingen 80 Tuchweber das Garn von der Manufaktur zur weiteren Verarbeitung durch Handwebstühle. 27 000 Meter waren das jährliche Ergebnis ihrer Arbeit. Die fabrikmäßige Herstellung der Tuche verdrängte allmählich die Heimarbeit. Aus ihr entwickelte sich die Tuchindustrie. In diese Zeit fällt auch der Bau der ersten Tuchfabrik im oberen Teil von Adenau, die heute noch an dem 20 Meter hohen viereckigen Turm zu erkennen ist. 1851 erhielt die Fabrik eine maschinelle Einrichtung für Spinnen und Walken. Die erforderliche Kraft lieferte ein Wasserrad, das von einem Stauweiher gespeist wurde. Später ersetzte man das -rad durch eine Wasserturbine. In der Fabrik fanden 20 Arbeiter Beschäftigung. Der tägliche Verbrauch an Rohwolle belief sich auf 35 bis 40 Pfund. Das fertige Garn übergab man den Handwebern in Heimarbeit. Die weitere Verarbeitung - wie das Färben, Waschen und Trocknen, Walken und Scheren - erfolgte wieder in der Fabrik. 1898 baute die Fabrik den ersten mechanischen Webstuhl ein. Fortan waren alle Arbeitsgänge in ihr vereinigt. Dadurch vermehrte sich die Belegschaft des Betriebes auf 20 bis 25 Arbeiter vor dem 1. Weltkrieg, aber die Heimarbeit der Weber ging langsam zurück. Um diese Zeit, also etwa 1910, bewegte sich kein Webstuhl mehr in Adenau.

    Außer der Adenauer Tuchfabrik gab es noch eine zweite, nämlich zwischen Leimbach und Niederadenau steht die „Birnbachsmühle". Vor 1800 war sie eine Mehlmühle, die für einzelne Kunden arbeitete. Sie wurde später durch ein Hochwasser zerstört und zu einer Tuchfabrik umgebaut. Um 1850 erwarb die Fabrik Ägidius Radermacher aus Adenau. Sie ist bis heute im Besitze eines Nachkommens der Familie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die „Birnbachsmühle" stillgelegt und der Tuchbetrieb in Adenau in einem modernen Wollwerk am Buttermarkt in Adenau weitergeführt.

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