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    Weinbau in Kirn vor der Rückkehr?

    Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Kirn nicht nur Bier-, sondern auch Weinstadt. Können diese Zeiten wiederkommen? Oswald Walg, Lehrer und Berater für Weinbau im Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Bad Kreuznach, auch bekannt als Weinbauschule, meint: ja. Der Klimawandel macht's möglich.

    Heute dominieren Bäume und Büsche die Lagen unterhalb des Kirner Wahrzeichens, der Kyrburg. Doch einst wurde hier Wein angebaut. Laut Oswald Walg vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Bad Kreuznach, das auch als Weinbauschule bekannt ist, wäre dies heute wieder möglich.
    Heute dominieren Bäume und Büsche die Lagen unterhalb des Kirner Wahrzeichens, der Kyrburg. Doch einst wurde hier Wein angebaut. Laut Oswald Walg vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Bad Kreuznach, das auch als Weinbauschule bekannt ist, wäre dies heute wieder möglich.
    Foto: Stefan Butz

    Kirn - Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Kirn nicht nur Bier-, sondern auch Weinstadt. Können diese Zeiten wiederkommen? Oswald Walg, Lehrer und Berater für Weinbau im Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Bad Kreuznach, auch bekannt als Weinbauschule, meint: ja. Der Klimawandel macht's möglich.

    Einst wurde in den Wirtschaften fast nur Wein ausgeschenkt
    Am Kyrburghang wie auch am Niederberg wuchsen einst Trauben, aus denen der „Kirner Schmisser“ gekeltert wurde. Nicht nur in Kirn wurde Wein angebaut: Auch in Kirn-Sulzbach, Oberhausen, Hennweiler, Hahnenbach und Hochstetten waren in früheren Jahrhunderten Winzer ansässig. So beschreibt es Lokalhistoriker Michael Ohlmann in seinen Werken. Er weiß auch: Bis um 1900 wurde in den Gastwirtschaften der Stadt Kirn fast ausschließlich Wein ausgeschenkt.
    Um 1800, herum wurde der Weinbau in Kirn kurzzeitig aufgegeben, 1824 aber wieder eingeführt. „Ein großer Teil der Bewohner beschäftigt sich mit der Anlage von Weinbergen. (...) Man hat hierzu Lagen gewählt, die den besten Erfolg versprechen und scheut weder Mühe noch Kosten“, heißt es in einem Bericht des damaligen Bürgermeisters Cadenbach.
    Das hat sich anscheinend gelohnt: Der Ruf des Kirner Weins drang bis ins ferne London, wo James Sheen 1864 das Buch „Wine and Other Fermented Liquors“ (deutsch: Wein und andere vergorene alkoholische Getränke) herausgab. Dort heißt es: „In Kirn wird ein sehr exzellenter roter Wein aus Burgundertrauben gezogen, die 1780 von Fürst Dominik gepflanzt wurden. Seitdem der Wingert in die Hände des derzeitigen Besitzers überging, hat sich der Charakter dieser Weine stark verbessert, und jener, auf den wir uns beziehen, der 'Kirner Schmisser', muss den Vergleich mit den besseren Burgungder- und Claret-Sorten nicht scheuen.“ Claret ist die englische Bezeichnung für Rotweine aus der Region Bordeaux. Doch um das Jahr 1900 ist es erst einmal vorbei mit dem Weinbau in Kirn, die letzten Weinberge werden nach und nach aufgegeben. Der Grund bleibt unklar. War es etwa das Klima?

    Rebflächen sind begrenzt, Pflanzrechte nicht mehr vorhanden
    Daran dürfte es zumindest heute nicht mehr scheitern, macht Weinbauexperte Oswald Walg von der Bad Kreuznacher Weinbauschule deutlich. „Vom Klima her haben wir kein Problem, man könnte am Kyrburghang durchaus Riesling anpflanzen.“ Allerdings könnte die Rückkehr des „Kirner Schmissers“ aus anderen, weinbaurechtlichen Gründen schwierig werden, merkt Walg an. Denn für die früheren Lagen in und um Kirn gebe es schlicht keine Pflanzrechte mehr. Laut EU-Verordnung und deutschem Weingesetz darf man nicht einfach überall Wein anbauen. Die Rebflächen sind begrenzt. Wer einen Wingert anlegen will, muss solche Pflanzrechte haben.
    Doch könnte das Problem auch die Lösung bieten – zumindest, was potenzielle Steillagen wie den Kyrburghang betrifft. Denn Walg weiß auch, dass in den vergangenen Jahren viele Steillagen an der Nahe aufgegeben wurden. Die Rechte sind aber noch da – und wären wohl gar nicht so teuer. Walg nennt einen Euro pro Quadratmeter als Messzahl. Das nächste Problem: Dort, wo einst die Reben für den „Kirner Schmisser“ wuchsen, ist heute oftmals mehr oder minder naturbelassenes Areal, verbuschtes Land, gar Wald, wo möglicherweise auch seltene Pflanzen ebenso seltenen Tieren Unterschlupf finden. Um dieses Land zu roden und wieder Weinberge anzulegen, müsste man sich mit der Landespflege auseinandersetzen. Denn die hätte in diesem Fall das letzte Wort.
    Doch auch hier sieht Walg eine Möglichkeit: Wenn man die alten Weinbergsmauern zum Beispiel am Kyrburghang wieder freilegt und gegebenenfalls auch wieder aufbaut, könnten so seltene wärmeliebende Tiere wie Eidechsen angelockt werden, die bisher mit dem Buschland nicht viel anfangen können. So könne man vielleicht ein rigoroses „Nein“ verhindern.
    Doch das letzte Problem könnte auch das schwerwiegendste sein: das Geld. Einen Wingert anlegen, ein Weingut aufbauen: Das kostet. Und zwar richtig. Und wenn man dann als Neuling vom Weinbaugeschäft nicht viel Ahnung hat, wird's noch schwieriger. Daher hält Walg es für wahrscheinlicher, dass sich eher ein oder mehrere Hobbywinzer der alten Kirner Lagen annehmen und „für den Eigenbedarf“ produzieren. Aber dann wäre er wieder da: der „Kirner Schmisser“.

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