40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Was hilft gegen den Kater? Rollmops und Wasser im Mythen-Check

Rollmops, Pizza und Co. als Katerfrühstück lindert die Beschwerden: So will es der Volksmund. Doch dabei handelt es sich um einen Mythos, wie der Mainzer Molekularbiologe Patrick Schmitt und der ebenfalls an der Johannes Gutenberg-Universität lehrende Biologe Prof. Bernhard Lieb ausführen. Im Gespräch erläutern sie die noch recht neue Erkenntnis. Und gehen auch anderen Kater-Mythen nach.

Bernhard Lieb und Patrick Schmitt räumen mit so manchem Mythos rund um den Kater auf.  Foto: privat
Bernhard Lieb und Patrick Schmitt räumen mit so manchem Mythos rund um den Kater auf.
Foto: privat

Kater-Mythos 1: Salziges Katerfrühstück – stimmt nicht

Patrick Schmitt: Der klassischen Empfehlung am Morgen nach einer durchzechten Nacht auf salzige Speisen, zum Beispiel den altbekannten Rollmops, zurückzugreifen, ist aus wissenschaftlicher Sicht nichts abzugewinnen. Derartige Empfehlungen basieren auf einer inzwischen widerlegten Binsenweisheit, der Verzehr salzhaltiger Speisen verstärke den Durst und helfe somit indirekt, das durch den Alkohol entstandene Flüssigkeitsdefizit wieder auszugleichen. Tatsächlich konnten Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) des Max-Delbück-Centrums für Molekulare Medizin in eindrucksvoller Weise zeigen, dass salziges Essen nur kurzfristig den Durst verstärkt, insgesamt aber zu einer geringeren Flüssigkeitsaufnahme führt. Überträgt man diese recht neuen Erkenntnisse nun auf den Kater, so erscheint der Verzehr salzhaltiger Lebensmittel im Rahmen des Katerfrühstücks nach heutigem Kenntnisstand sogar als eher kontraproduktiv.

Kater-Mythos 2: Raus an die frische Luft – stimmt

Bernhard Lieb: Eine Studie im Auftrag des „British Journal of Sports Medicine“ konnte zeigen, dass Sport und Bewegung die Nachwirkungen des Alkohols reduzieren können. Wichtig ist jedoch, dass regelmäßig Sport getrieben wird.

Kater-Mythos 3: Auf Fusel verzichten – stimmt

Bernhard Lieb: Neben dem Alkohol enthalten alkoholische Getränke eine Vielzahl von weiteren Substanzen in unterschiedlichen Mengen. Einige dieser Substanzen können den Kater am nächsten Morgen durchaus negativ beeinflussen. Biophysiker an der Universität Mainz fanden heraus, dass etwa Eiweißstoffe im Wein sogar Allergien auslösen können. Doch nicht nur Stoffe in den alkoholischen Getränken selbst, sondern auch im Essen können mit dem Alkohol wechselwirken. Bitterstoffe in der Grapefruit können den Alkoholabbau in der Leber negativ beeinträchtigen. Als Faustregel gilt, je weniger Begleitstoffe ein alkoholisches Getränk enthält, desto geringer ist die Gefahr, dass die Befindlichkeitsstörungen des Katers durch weitere Stoffe verstärkt werden.

Kater-Mythos 4: Wer viel Wasser trinkt, wacht ohne dicken Kopf auf – stimmt nicht

Bernhard Lieb: Nur Wasser zu trinken, hilft nicht unbedingt weiter. Denn die zugeführte Flüssigkeit muss auch bestimmte physiko-chemische Parameter erfüllen, also entsprechende Elektrolyte enthalten, um optimal aufgenommen werden zu können. Wer das Flüssigkeitsdefizit in seinem Körper ausgleichen möchte, kann dabei auf die Trinklösung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzen. Dazu werden vier Teelöffel Haushaltszucker, ein Dreiviertellöffel Salz, eine Tasse Orangensaft sowie ein Liter Wasser miteinander vermischt. Pro Kilogramm Körpergewicht sollten etwa 10 bis 15 Milliliter dieser Lösung innerhalb von 24 Stunden getrunken werden. Die Wirksamkeit hinsichtlich einer Rehydration ist wissenschaftlich belegt.

Patrick Schmitt: Eine natürliche Alternative stellt Kokosnusswasser dar. Forscher an der Airlangga University in Indonesien konnten zeigen, dass Kokoswasser analog zur WHO-Trinklösung aufgrund seiner Zusammensetzung ein hervorragendes Mittel zur Elektrolytversorgung darstellt.

Kater-Mythos 5: Schmerztabletten vor dem Schlafengehen beugen dem Kater vor – stimmt nicht

Patrick Schmitt, der auch zertifizierter Sachverständiger für Nahrungsergänzungsmittel, Arzneimittel und Patentbewertung ist: Schmerzmittel im Zusammenhang mit einem Kater einzunehmen, ist wenig sinnvoll und birgt sogar gesundheitliche Gefahren. Medikamente sollten generell niemals in Kombination mit Alkohol eingenommen werden, da sowohl der Alkohol, die Abbauprodukte des Alkohols sowie auch das Medikament in der Leber verstoffwechselt werden und es dabei zu schwerwiegenden Wechselwirkungen kommen kann. Die Einnahme von Schmerzmitteln bei einem Kater stellt zudem einen sogenannten Offlabel-Use, also eine Anwendung für ein nicht zugelassenes Anwendungsgebiet, dar. Entsprechend liegen diesbezüglich auch keine Daten vor, die die Sicherheit gewährleisten. Deshalb wird in den Packungsbeilagen der betreffenden Präparate auch von der Einnahme im Zusammenhang mit Alkohol abgeraten.

Alternativen zu Schmerzmitteln

Bernhard Lieb: „Statt zu Schmerzmitteln greifen immer mehr Menschen zu Produkten, die versprechen, die Katerbeschwerden zu lindern. Der Gedanke dahinter ist, aus den Erkenntnissen der Wissenschaft Nahrungsergänzungsmittel, sogenannte Anti-Kater-Drinks, zu entwickeln, deren Inhaltsstoffe so miteinander kombiniert sind, dass der größtmögliche ernährungsphysiologische Nutzen in Bezug auf den Alkoholkonsum aus der Einnahme gezogen werden kann. Dies etwa durch eine wissenschaftlich optimierte Zusammenstellung von Elektrolyten, Mineralstoffen, Vitaminen und Pflanzenextrakten. Ziel dieser Produkte ist es daher nicht, die Befindlichkeitsstörungen des Katers zu unterdrücken oder gar einen grenzenlosen Alkoholkonsum zu ermöglichen, sondern vielmehr den Körper durch eine ernährungsphysiologische Optimierung beim Alkoholgenuss zu unterstützen. Man sollte bei Katermitteln darauf achten, dass Inhaltsstoffe und Zusammensetzung von Experten wie Ernährungswissenschaftlern überprüft wurden und Qualitätsstandards beachtet werden, wie das hierzulande beispielsweise bei One:47 oder Afteralc der Fall ist.

Patrick Schmitt: „Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass der Körper bereits vor dem Alkoholkonsum ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist. Denn es gilt, je niedriger unser Wasseranteil im Körper zum Zeitpunkt des Alkoholgenusses ist, desto stärker werden wir die Folgen des Flüssigkeitsverlustes am nächsten Morgen spüren.“

Anti-Kater-Shot: Mainzer Start-up entwickelt Anti-Hangover-Drink

Mainz. Das Mainzer Start-up One:47 hat gemeinsam mit Wissenschaftlern nach eigenen Angaben Deutschlands ersten Anti-Hangover-Shot entwickelt. In dem Getränk stecken natürliche Zutaten wie Elektrolyte, Ginkgo, Kaktusfeige und Weidenrinde, dem natürlichen Vorkommnis des Aspirin-Wirkstoffs, wie das Unternehmen mitteilt.

Christopher Praetsch und Torben Murach (rechts) haben sich in einem buddhistischen Kloster kennengelernt.  Foto: privat
Christopher Praetsch und Torben Murach (rechts) haben sich in einem buddhistischen Kloster kennengelernt.
Foto: privat

Seit 2015 ist One:47 mit seinem Geschäftsmodell erfolgreich und mittlerweile Marktführer in Deutschland. Den Anti-Kater-Shot gibt es fertig gemixt oder als Pulver inzwischen bei diversen Discountern. Seit Sommer 2017 läuft mit 250 Probanden eine der international umfangreichsten Studien zum Thema Alkoholkater an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Unter der Leitung von Prof. Bernhard Lieb geht es dabei um Grundlagenforschung, aber auch um die Wirkung des Getränks von One:47.

Hinter der Firma stecken Torben Murach und Christopher Prätsch. Die jungen Betriebswirte lernten sich 2013 auf der Suche nach Ruhe und Reflektion in einem buddhistischen Kloster im hessischen Weinheim kennen. Beide waren nach ersten Berufserfahrungen in Großkonzernen enttäuscht und wollten eigenständig an etwas Sinnvollem arbeiten.

Gerade in der Karnevalszeit, wenn das närrische Treiben häufig mit ein paar Bier verknüpft ist, stellten sie oft fest, dass sie besonders kateranfällig sind. So entwickelten sie für sich und ihre Freunde eine erste Anti-Kater-Formel. Zwei Jahre später und in intensiver Zusammenarbeit mit Molekularbiologen und Lebensmitteltechnologen entstand One:47. Heute beschäftigen sie rund zehn Mitarbeiter.

Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es im Internet unter www.one47.de

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
67%
Nein, eher nicht.
33%
Stimmen gesamt: 141
Anzeige
epaper-startseite