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    Bad KreuznachVom Lago Maggiore an die Nahe: Sohn des Pizza-Pioniers Prina führt Erbe weiter

    Alfredo Prina hat sich einen Traum erfüllt. Der in Bad Kreuznach groß gewordene Koch und Hotelbetriebswirt betreibt seit Anfang Juni in der Planiger Straße, am Rande des Pariser Viertels, die Trattoria Prina. Das Lokal ist nicht das erste, das in der Kurstadt den Namen Prina trägt. Alfredos Vater, Orazio Prina, eröffnete 1966 eine der ersten Pizzerien in der Stadt und gilt somit als einer der Pizza-Pioniere Bad Kreuznachs.

    Einzig die Pizzeria „Da Carlo“, das frühere „HB-Stübchen“ in der oberen Mannheimer Straße, war ähnlich früh dran. 36 Jahre nachdem die letzte Prina-Pizza gebacken wurde, kehrt nun Alfredo Prina zurück und führt das gastronomische Erbe seines Vaters weiter. „Ein Familienprojekt“, wie der 56-Jährigen im Gespräch mit dem „Oeffentlichen“ erläutert.

    Vom Lago Maggiore an die Nahe

    „In den 1960er-Jahren kannte man in Bad Kreuznach noch keine Pizza“, blickt Alfredo Prina zurück. Sein Vater stammt vom Lago Maggiore in Norditalien, dort wiederum betrieb schon dessen Vater, Tullio Prina, eine Schenke (auf Italienisch „Trattoria“) für Lkw-Fahrer, die gerade mühsam die Alpen überquert hatten und einkehren wollten. Orazio Prina kam 1959 nach Deutschland, um dort als Gastronom zu arbeiten. Zunächst landete er in Aschaffenburg und kellnerte im Lokal eines Freundes. Eine glückliche Fügung: Dort lernte Orazio seine spätere Frau Elisabeth kennen. Ein paar Jahre später ging es für die beiden in den Kreis Bad Kreuznach.

    Orazio Prina flambierte in seinem Restaurant in der Kreuzstraße vor den Augen seiner Gäste. Damals ein Novum. Foto: privat
    Orazio Prina flambierte in seinem Restaurant in der Kreuzstraße vor den Augen seiner Gäste. Damals ein Novum.
    Foto: privat

    Zunächst betrieb man gemeinsam die Klonigersmühle in Langenlonsheim, etablierte dort die italienische Küche – oder zumindest das, was die deutsche Bevölkerung dafür hielt. „Pizza und Pasta sind natürlich beliebt, aber gerade die norditalienische Küche hat viel mehr zu bieten als die hier bekannten Klassiker“, beschreibt Alfredo Prina, der das Kochen genau wie sein Vater im Hotel Palace in Montreux am Genfer See lernte und später auch in Bad Wurzach im Allgäu, in Florenz sowie London arbeitete. Während in den 1960- und 1970er-Jahren eher Pizza und Pasta angesagt waren, müssen es heute extravagantere Gerichte ein.

    Neben den gängigen Italo-Standards will Alfredo Prina in seiner Trattoria die italienisch-alpine Küche stärker in den Vordergrund rücken. Geschmorte Fleischgerichte, Polenta, Risotto – damit will Prina 2017 punkten. Sein Aushängeschild? „Mein Osobucco“, sagt er. Geschmorte Kalbshaxe, die in Butter angebraten wird. Ebenso zu empfehlen: Geschmortes Kaninchen auf frischen Bandnudeln. So will sich Alfredo Prina von der Masse abgeheben. Während im Süden Italiens auf Olivenöl beim Braten gesetzt würde, seien es im Norden meistens Butter und Sahne, klärt Alfredo Prina auf. Dieser Olivenöl-Äquator verliefe etwas nördlich von Rom.

    Auch Alfredos Mutter, Elisabeth Prina, heute 83 Jahre alt, hilft in der neuen Trattoria mit. Natürlich in einem deutlich kleineren Pensum wie im Ristorante Prina damals. 1966 eröffnete sie mit ihrem Mann Orazio in der Kreuzstraße, dort wo sich heute „Dean & David“ befindet, eines der ersten italienischen Restaurants der Stadt. Nachdem die Räumlichkeiten in Langenlonsheim zu klein geworden waren, wagte man den Sprung in die „große“ Stadt. Das lohnte sich, die Pizzeria brummte. „Das war eine tolle Zeit, aber auch sehr viel Arbeit“, erinnert sich die Seniorin, der man ihre 83 Jahre weder ansieht noch anmerkt.

    Prina bildete viele Pizzabäcker aus

    In der Pizzeria lernten unter anderem Biagino De Giorgio und Toni Cinausero ihr Handwerk, beide gründeten später ihre eigenen Läden („Da Gino“ und „Pizza Express“). Pizza in Bad Kreuznach? „Ein absolutes Boom-Geschäft, die Deutschen wollen damals einfach mal etwas Anderes erleben als die deutsche Küche“, beschreibt Elisabeth Prina die Anfänge. Ende der 1960er-Jahre expandierte man sogar: Um den Pizzahunger der US-Amerikaner, die damals zu großen Zahlen in der Neustadt wohnten, zu stillen, eröffnete man am Salzmarkt „Prinas Pizza To Go“.

    Anfang der 1970er-Jahre gab es Pizza „To Go“. Das gefiel vor allem den vielen US-Amerikanern, die in der Neustadt lebten. Foto: privat
    Anfang der 1970er-Jahre gab es Pizza „To Go“. Das gefiel vor allem den vielen US-Amerikanern, die in der Neustadt lebten.
    Foto: privat

    Entsprechend den US-amerikanischen Essgewohnheiten konnte man dort seine Pizza vorbestellen und abholen. Eine Geschäftsidee, die vollends aufging. Später, so erzählt Alfredo, habe man das Niveau im Stammhaus etwas angehoben. „Damals kamen viele französische Facharbeiter und Ingenieure von Michelin in die Stadt, die hatten essenstechnisch andere Ansprüche.“ Filetsteaks und Froschschenkel kamen auf die Speisekarte. Zudem flambierte Orazio vor den Augen der Gäste, in Bad Kreuznach damals ein weiteres Novum. Das machte ein Eindruck.

    Eine Zeit, an die auch Alfredo Prina schöne Erinnerungen hat. Den Betrieb übernehmen stand ihm erstmal nicht im Sinn. „Ich wollte raus in die Welt“, sagt er.

    2017 schließt sich der Kreis. Alfredo Prina ist mit den ersten Tagen als Gastronom in der Stadt zufrieden. Abends sei am meisten los, aber er wolle in Zukunft auch verstärkt einen Mittagstisch anbieten. Die Lage, am Beginn des Pariser Viertels, empfindet er als positiv. „Man merkt, hier passiert etwas. Die Stadt will das Viertel aufwerten. Ich finde das interessant.“ Zu dem Gelingen will Prina seinen Teil beitragen, möchte italienische Abende mit Livemusik veranstalten. Gerne mal auch einen Piano-Abend. Und da kommt wieder die Familie ins Spiel: Sohn Vittorio, frischgebackener Abiturient, ist ein exzellenter Pianist.

    Von unserem Reporter Marian Ristow

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