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Kreis Bad Kreuznach

Thema Hundeführerschein: Das Problem am anderen Ende der Leine

Gustl Stumpf

Kreis Bad Kreuznach. In der Regel sind sie treue Wegbegleiter. Immer mehr Deutsche kommen auf den Hund. Aber längst nicht alle Fellnasen sind gleich, viele nur unzureichend sozialisiert und wenig gesellschaftsfähig. Das liegt nicht allein am Wesen oder an rassetypischen Verhaltensweisen der Tiere, unterstreicht die zertifizierte Hundetrainerin Franziska Gattung aus Weinsheim. „Es geht immer auch um Beziehung und Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier“, bekräftigt sie und nimmt die Hundehalter in die Pflicht. Oft sind sie das Problem oder ein Teil davon, Stichwort Verantwortung.

Foto: picture alliance

An diesem Punkt aber scheiden sich die Geister. Die tödliche Beißattacke des Terriermischlings Chico vor wenigen Wochen in Hannover hat die Diskussion um artgerechte Hundehaltung neu entfacht.

Angesichts solcher Vorfälle plädiert etwa der Deutsche Tierschutzbund für die bundesweite Einführung eines Hundeführerscheins. „Es geht darum, die Sachkunde der Hundehalter zu verbessern – und zwar in allen Bundesländern“, erklärt Verbandspräsident Thomas Schröder.

Einen bundesweit offiziell anerkannten Hundeführerschein gibt es bislang noch nicht. Nur in Niedersachsen müssen alle, die sich das erste Mal einen Hund anschaffen, einen solchen Sachkundenachweis vorlegen. In Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Sachsen und im Saarland ist ein solcher allein für gefährliche Hunde beziehungsweise sogenannte Listenhunde zwingend vorgeschrieben. Franziska Gattung sieht eine ähnliche Entwicklung auch auf die Hundehalter in Rheinland-Pfalz zukommen. Den Hundeführerschein hält sie deshalb generell für „sehr sinnvoll“, unter anderem, um Halter in die Lage zu versetzen, ihren Hund gefahrlos zu führen, was wahrlich kein Selbstläufer ist.

Gattung hat vor der Tierärztekammer in Niedersachsen ihr Zertifikat erworben und ist eine von wenigen im Lande, neben Tierärzten mit Zusatzausbildung sogar die Einzige im Kreis Bad Kreuznach, die den Hundeführerschein anbieten und entsprechende Kurse bis hin zum Abschluss durchführen darf.

Besonders „verhaltensoriginelle Hunde“ haben es ihr angetan, obwohl es beim D.O.Q.-Test 2.0, so heißt das bundesweit einheitliche Grundlagendokument, in erster Linie um die Halter und deren Rolle im Beziehungsgeflecht geht. Seit vergangener Woche läuft in Weinsheim der erste Vorbereitungslehrgang mit Theorie und Praxisteil sowie anschließender Prüfung (siehe „D.O.Q.-Test 2.0“). Wer die besteht, erhält den Hundeführerschein.

Übrigens: Im Nachbarland Schweiz schreibt die Tierschutzverordnung vor, dass Hundehalter bereits vor dem Kauf ihres ersten Hundes einen Theoriekurs besuchen müssen, in dem sie über die Grundbedürfnisse von Hunden, den Zeitaufwand und die Kosten der Haltung informiert werden. Innerhalb eines Jahres nach dem Kauf müssen Hund und Besitzer ein praktisches Training absolvieren, in dem verschiedene Alltagssituationen geübt werden.

Elementare Aussagen zur wechselseitigen Beziehung zwischen Hund und Halter sind im deutschen Tierschutzgesetz verankert. Dinge wie Unterbringung, Auslauf oder Pflege, aber auch die Steuerpflicht werden dort geregelt. Dagegen ist eine Hundeversicherung nur in wenigen Bundesländern Pflicht, in jedem Fall aber empfehlenswert.

Für Hundetrainer Jens Strube, stellvertretender Vorsitzender des Bad Kreuznacher Tierschutzvereins, macht der Hundeführerschein im Ansatz Sinn, auch wenn der praktische Nutzen leicht fragwürdig sei, weil die einheitliche Gesetzesgrundlage fehlt. Dennoch: „Der Hundehalter spielt eine große Rolle, da sich der Hund als soziales Lebewesen an ihm orientiert und viel von ihm lernt“, so Strube. Ihn zu schulen sei deshalb eine wichtige Aufgabe.

Trotzdem wird es, so Strube weiter, immer wieder zu Situationen kommen, in denen der Hund von seinem Wesen her und typisch rassespezifisch reagiert, ob es dem Menschen nun passt oder nicht. Die Floskel, das andere Ende der Leine ist immer schuld, sei weit verbreitet, trifft nach Jens Strubes Einschätzung aber „absolut nicht zu“.

Von unserem Reporter Gustl Stumpf

Der D.O.Q.-Test 2.0 - die bundesweit einheitliche Sachkundeprüfung für Hundehalter

Der D.O.Q.-Test 2.0 (Dog-Owners-Qualification-Test) ist bundeseinheitlich konzipiert, wird aber nicht in allen Bundesländern anerkannt. Die Prüfung besteht aus Theorie und Praxis. Der Hundehalter muss mindestens 16 Jahre, der Hund 12 Monate alt sowie gesund, geimpft und haftpflichtversichert sein.

Hundetrainerin Franziska Gattung bietet den einheitlichen D.O.Q-Test 2.0 samt Vorbereitungskurs an.  Foto: Gustl Stumpf
Hundetrainerin Franziska Gattung bietet den einheitlichen D.O.Q-Test 2.0 samt Vorbereitungskurs an.
Foto: Gustl Stumpf

Die Kosten: 60 bis 75 Euro (Theorie), 75 Euro (Praxis). Nach bestandener Theorieprüfung erhält der Halter ein Zertifikat, das ihn zur Teilnahme an der praktischen Prüfung berechtigt.

Die Theorieprüfung umfasst 30 Multiple-Choice-Fragen aus sieben Sachgebieten: Welpenkauf, Aufzucht, Lern- und Ausdrucksverhalten, Hund und Öffentlichkeit, Hund und Recht, Haltung, Pflege, Gesundheit, Hund und Mensch.

Info im Internet unter  www.hundeschule-badkreuznach.de

Vorbereitungskurse der Hundeschulen helfen, die Prüfungssituationen zu trainieren. Ablegen kann man die Prüfung in verschiedenen Vereinen und bei bestimmten Hundetrainern – im Kreis Bad Kreuznach bei Franziska Gattung, Weinsheim.

Ziemlich beste Freunde mit Konfliktpotenzial: Gustl Stumpf zum Thema Hundeführerschein

Hunde polarisieren. Sie spalten die Gesellschaft. Hört sich hochtrabend an, ist aber so. Für die einen ziemlich beste Freunde, für die anderen Häufchen-Ärgernis oder kläffendes Konfliktpotenzial – in der Öffentlichkeit prallen immer deutlicher Welten aufeinander.

Gustl Stumpf kommentiert
Gustl Stumpf kommentiert

Kein Wunder, nimmt die Zahl der Hunde doch von Jahr zu Jahr zu. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen Hunden, die den Menschen dienen, Rettungshunde etwa, Polizeihunde, Jagd- oder Therapiehunde, um nur einige zu nennen, und sogenannten Familien- oder Begleithunden.

Um sie geht es in erster Linie, weil jedermann/frau sie haben darf, egal wie groß, stark und beherrschbar sie sind. Für Hundefreunde kein Problem, für alle anderen schon. Sie fühlen sich bei entsprechenden Begegnungen auf der Straße, im Wald oder im Park belästigt, kriegen es mit der Angst zu tun, wenn Bello auf sie zustürmt oder kläffend an der Leine seines Herrchens zerrt.

Nicht alle Halter sind solchen Situationen gewachsen. Das nährt den Zorn der Hundehasser. Sie fordern Leinenzwang oder Maulkorb. Reibungsloses Zusammenleben sieht anders aus, gerät zunehmend ins Wanken. Giftköderattacken sind ein unrühmliches Indiz dafür. Auslösender Moment bisweilen: das Häufchen vor dem Gartentor, auf dem Gehweg oder in der Grünanlage.

Vielen Hundehaltern ist offensichtlich nicht klar, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen, wenn sie die Tretminen dort liegen lassen. Sie aufnehmen und samt Kotbeutel in Wald und Flur entsorgen, ist ebenfalls pfui! Insofern macht der Hundeführerschein durchaus Sinn, auch wenn die konsequente, einheitliche Umsetzung zur Herkulesaufgabe und noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird.

Deshalb: Besser jetzt schon gewisse Regeln beachten und ein friedliches Nebeneinander pflegen. Hund und Mensch zuliebe.

Bad Kreuznach
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