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Simmertal

Simmertaler will mit Aromawald zur Artenvielfalt beitragen

Stefan Butz

So richtig ins Auge fällt das Areal nahe des Apfelbachs noch nicht. Erst bei näherem Hinsehen wird klar: ganz schön viele Pflanzen für so ein kleines Stückchen Land. Bank und Wege gibt es auch. Dort entsteht etwas. Es ist nichts Geringeres als ein Aromawald. Der soll seltenen essbaren Pflanzen und alten Sorten eine neue Heimat geben. Was derzeit zu sehen ist, ist nur ein Schaugarten. Ideengeber und Motor des Projekts ist der Simmertaler Carsten Müller (47). Geht es nach ihm, zieht sich der neue Wald in einigen Jahren wie ein Netzwerk durch die Gemeinden des Kellenbachtals.

Aromawald-Initiator Carsten Müller und Simmertals Ortsbürgermeister Werner Speh binden Pflanzen im Aromawald-Schaugarten am Apfelbach. Dieses derzeit noch 500 Quadratmeter große Areal soll in anderen Gemeinden als Anregung dienen. Tor und Schild zum Schaugarten folgen bald.  Foto: Stefan Butz
Aromawald-Initiator Carsten Müller und Simmertals Ortsbürgermeister Werner Speh binden Pflanzen im Aromawald-Schaugarten am Apfelbach. Dieses derzeit noch 500 Quadratmeter große Areal soll in anderen Gemeinden als Anregung dienen. Tor und Schild zum Schaugarten folgen bald.
Foto: Stefan Butz

Nun, im 50. Jahr des Bestehens des das Projekt tragenden Vereins Kultur und Heimat Kellenbachtal, in dem alle Gemeinden des Tals Mitglied sind, soll aus dem Schaugarten das Netzwerk werden. Einen Mitstreiter hat Müller schon gefunden: den Simmertaler Ortsbürgermeister Werner Speh. Denn der Aromawald soll nicht auf irgendwelchen Flächen entstehen, sondern auf kommunalen Brachflächen, die langfristig für das Projekt genutzt werden können.

Dass der Aromawald vielfältig ist, zeigen bereits die Anfänge in Simmertal. Bereits seit Jahren wird entlang des Apfelbachs auf der anderen Seite des Schaugartens pro Neugeborenem ein Apfelbäumchen gepflanzt. Und jedes Kind erhält eine andere Sorte. 19 Bäumchen stehen bereits.

Dass der Aromawald nur aus Pflanzen besteht, die für den Menschen Wohlbekömmliches produzieren, ist Teil der Idee, erklärt Müller: So sollen die seltenen Sorten nicht nur wieder verstärkt angepflanzt, sondern auch von den Menschen der Umgegend genutzt werden. Omas Kochbuch tut sicher ein Übriges, weil sich dort auch noch die passenden Rezepte finden. Ob ein Hildegard-Garten am in Simmertal kreuzenden Hildegardweg, ob zig verschiedene Sorten eines Baums oder Strauchs, ob eher wild oder akkurat gepflegt, ob als Vereins- oder Klassenprojekt oder rein aus Bürgerbeteiligung, ob als Kräutergarten oder als wahrhaftiger Wald – fast alles ist möglich, die Varianten sind enorm.

Die Eingriffe des Menschen sollen allerdings in jedem Falle eher gering bleiben. Das hilft nicht nur den Pflanzen, sondern auch den Tieren: Wird nicht gespritzt, fühlen sich Insekten wie Bienen oder Schmetterlinge meist wohler. Und Insekten benötigen ob ihres zahlenmäßig großen Rückgangs Rückzugsräume, wo sie ungestört leben können, ist sich Müller sicher. Und wo Insekten sind, sind auch Insektenfresser nicht weit. Die wiederum ziehen größere Raubtiere an ...

Seit drei Jahren treibt Müller die Idee bereits um, vor anderthalb Jahren begann er mit dem Anlegen des Schaugartens und der Apfelbaumpflanzung. In Simmertal war das einfach: Dort half die Fabry-Stiftung mit einem Startkapital von 5000 Euro. In den anderen Gemeinden ist das Projekt noch nicht weit gediehen. Dort hofft Müller auf die Unterstützung und die Rückmeldung der dortigen Ortsbürgermeister.

Aber auch in Simmertal soll sich noch einiges tun, denn der Schaugarten soll Entscheidungsträger der anderen Kellenbachtalkommunen dazu bringen, in der eigenen Gemarkung eine Fläche für einen eigenen Aromawald zu finden. Doppelt so groß soll der Schaugarten noch bis Herbst werden. Dann würde er 1000 Quadratmeter umfassen. Damit das gelingt, muss Müller weitere seltene Arten an den Apfelbach holen. Die gibt es bei Spezialbaumschulen. So will er sicherstellen, dass aus den derzeit 500 verschiedenen Pflanzen 1000 werden.

Dabei entstand das Projekt ganz profan: Als Müller vor einigen Jahren den Verein Kultur und Heimat führte, wurde ihm nahegelegt, ein Projekt zu suchen, das Alt und Jung verbinden könne. Bald schon nahm die Arbeit fürs Projekt überhand. Müller konzentrierte sich auf den Aromawald, mit dem er auch die „Erfahrungen der Älteren und die Kreativität der Jungen“ bündeln möchte.

Dass Müller kein Tagträumer ist, sondern etwas anpackt und durchzieht, dürfte den Simmertalern spätestens dann klar geworden sein, als er erfolgreich im Herzen der Gemeinde, am Dreieck, wieder eine Gaststätte eröffnete: den Bier- und Weingarten Stella. Rustikal, einfach, ideenreich. Müller hat sich schon immer für den Naturschutz und die Artenvielfalt interessiert. Mit seiner Frau ist er im Dorf als umtriebig und ideenreich bekannt. „Der sprudelt nur so vor Ideen“, weiß Ortsbürgermeister Werner Speh.

Weitere Infos zum Aromawald gibt's bei Carsten Müller, unter Telefon 06754/946 67 66.

Von unserem Reporter Stefan Butz

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