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Bad Kreuznach

Sie können beides brauchen: Rosen und Kraftbrühe am Frauentag

Von roten Rosen bis zur Suppenküche reichte das Angebot zum Weltfrauentag. Dabei hätten die Aktionen von ihrer Aussage her nicht unterschiedlicher sein können.

Mitglieder des Rotary Clubs Stromberg-Naheland packten unterstützt vom Partnerclub aus Luxemburg Rosen zugunsten des Frauenhauses ein.
Mitglieder des Rotary Clubs Stromberg-Naheland packten unterstützt vom Partnerclub aus Luxemburg Rosen zugunsten des Frauenhauses ein.
Foto: Josef Nürnberg

So packten Mitglieder des Rotary Clubs Stromberg-Naheland mit Unterstützung des Partnerclubs aus Luxemburg im Gartencenter Rehner 3100 Rosen ein, die Firmenchefs beider Länder zum Weltfrauentag an Mitarbeiterinnen verschenkten. Ein Teil des Erlöses kommt dem Frauenhaus Bad Kreuznach zugute.

Währenddessen richtete das Frauenbündnis gegen Altersarmut im Kreis Bad Kreuznach mit seiner Suppenküche den Blick auf die Frauenarmut. Wie Rita Schmitt erklärte, seien auch 100 Jahre nachdem das Wahlrecht für alle erkämpft wurde, Frauen in der Politik seltener anzutreffen als Männer.

Zum Frauentag gab es für jeden an der Bad Kreuznacher Suppenküche des Frauenbündnisses die passende Suppe.  Foto: Josef Nürnberg
Zum Frauentag gab es für jeden an der Bad Kreuznacher Suppenküche des Frauenbündnisses die passende Suppe.
Foto: Josef Nürnberg

„Weil Frauen keine Macht haben, sind es gerade sie, die in die Armut geraten“, sagt Schmitt. Bewusst wendet sich das Bündnis gerade an Frauen in Bad Kreuznach, weil deren Altersarmut vor Ort zunimmt. Laut DGB-Rentenreport 2017 für Rheinland-Pfalz erhalten drei Viertel der Frauen im Land eine Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 996 Euro.

Wie die Besucher bei einem guten Süppchen erfuhren, sind Niedriglöhne in sogenannten Frauenberufen, Minijobs ohne Rentenversicherungspflicht und die Teilzeitfalle einige der Ursachen. Darum herrscht im Frauenbündnis Zweifel, ob die Vereinbarungen der neuen Großen Koalition in Berlin wirklich existenzielle Verbesserungen bringen. Wenigstens an der Suppenküche ging es gerecht zu: Denn Frauen, die unter Doppel- und Dreifachbelastung leiden und im Alter eine Minirente erhalten, bekamen gestern eine Kraftbrühe. bj

Stefan Munzlinger: Einen Alibitag? Braucht niemand!

Was Clara Zetkin dazu wohl gesagt hätte: Vor knapp 108 Jahren rief die in Russland geborene, deutsche Sozialistin den Frauentag aus. Ob sie dabei rote Rosen im Sinn hatte? Mit Sicherheit nicht.

Stefan Munzlinger 
Stefan Munzlinger 

Ihr ging es um das Frauenwahlrecht, um Chancengleichheit auf allen Ebenen. Bis heute ist Vieles erreicht, ist das Bewusstsein für die Gleichstellung beider Geschlechter gewachsen – aber bestimmt nicht wegen punktueller Friede-Freude-Eierkuchen-Frauentage.

Bei den Einkommen hapert es noch immer, auch in der klassischen Rollenverteilung fährt alles weiter in einem scheinbar unabänderlichen Automatismus: Bei unseren Festen stehen Frauen hinter Kuchentheken, putzen Frauen die Bürgerhäuser, geben Frauen die Märchentante, sorgen Frauen für die Schmink- und Spielecke. Sollen sie ja auch, wenn es ihnen Spaß macht.

Nach außen betoniert es jedoch das Bild der ewig dienenden Fürsorgerin. Und die meisten Männer? Die lassen sich bedienen, schwingen Reden ... – und greifen sich selbstgefällig-wippend an die Hosenträger. Jenseits der Blumenvasen: „Frauentag“ ist das ganze Jahr. Nicht nur am 8. März – einen solchen Alibitag braucht kein Mensch!

E-Mail: stefan.munzlinger@ rhein-zeitung.net

Cordula Kabasch: Kein Alibitag - Noch viel zu tun

Die roten Rosen sind als Anerkennung gemeint, sollen Wertschätzung ausdrücken, doch der Gedanke hinter dem Weltfrauentag geht noch tiefer. Genau deshalb ist er notwendig.

Cordula Kabasch
Cordula Kabasch

Frauen wollen und sollen mit der gleichen Selbstverständlichkeit am sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben teilhaben wie Männer. Das ist auch 2018 noch längst nicht umgesetzt. Gerade in diesen Zeiten, in denen die Stimmen am rechten Rand der Gesellschaft lauter werden und ein rückwärtsgewandtes, unfreies, auch für Männer einengendes Rollenverständnis propagieren, ist der Weltfrauentag ein Instrument, um dagegen zu halten.

Es dient dazu, sich vor Augen zu halten, dass Kindererziehung immer noch Frauensache ist. Teilzeitarbeit und daraus resultierend Altersarmut stellen nach wie vor ein Frauenproblem dar, Vorstandsposten werden meist männlich besetzt und, am schwerwiegendsten, sexuelle Übergriffe gegen Frauen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Solange dieses strukturelle Ungleichgewicht herrscht, braucht es den Frauentag. Damit nicht vergessen wird, dass vieles erreicht wurde – aber auch noch etliches zu tun ist!

E-Mail: cordula.kabasch@rhein-zeitung.net

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