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Langenlonsheim

Schlag für Landwirte und Winzer: Langenlonsheimer RWZ-Agrartechnik schließt spätestens Ende 2019

Stefan Munzlinger

Herber Schlag für alle 1878 Kunden, darunter Landwirte, Winzer und Kommunen: Die Raiffeisen-Agrartechnik an der Langenlonsheimer Naheweinstraße wird spätestens zum 31. Dezember 2019 geschlossen.

Spätestens Ende 2019 wird die Langenlonsheimer RWZ-Agrartechnik geschlossen. Bauern erfuhren das am Mittwochabend und reagierten verärgert: „Erst haben sie einen heimischen Landmaschinenhandel übernommen – und jetzt machen sie ihn dicht. Typisch Konzerne.“  Foto: Stefan Munzlinger
Spätestens Ende 2019 wird die Langenlonsheimer RWZ-Agrartechnik geschlossen. Bauern erfuhren das am Mittwochabend und reagierten verärgert: „Erst haben sie einen heimischen Landmaschinenhandel übernommen – und jetzt machen sie ihn dicht. Typisch Konzerne.“
Foto: Stefan Munzlinger

Die 15 Mitarbeiter, davon alleine acht in der Werkstatt, werden auf die RWZ-Standorte ins 44 Kilometer entfernte Gundersheim und Saulheim (35 Kilometer) verteilt – bis auf den bisherigen Werkstattleiter Gerd Gräff (65), der in Rente geht. Auch im 53 Kilometer entfernten Kastellaun gibt es eine Raiffeisen-Agrartechnik.

Die bekannten Mitarbeiter aus Lalo sollen in ihren jeweiligen Reparatur- und Servicesparten für alle landwirtschaftlichen Geräte und ihre Kunden aus dem Raum Langenlonsheim zuständig bleiben.

Genaues Datum steht noch nicht

Die Schließung bestätigte Gerald Hosinger (63, Grünstadt), Kaufmann und Geschäftsführer der Raiffeisenwarenzentrale (RWZ) Rhein-Main mit acht Betriebsstellen wie in Langenlonsheim, 144 Mitarbeitern und 60 Millionen Euro Jahresumsatz, am Donnerstag dem „Oeffentlichen“. Wann genau geschlossen werde, könne er nicht sagen. Ob die scheidende RWZ-Agrartechnik weiter das volle Serviceprogramm wie bisher anbiete? „Das hängt vom Verhalten der Kunden ab“, so Hosinger, „wenn die nicht mehr kommen, müssen wir vor Ende 2019 schließen.“

Die RWZ-Zentrale Rhein-Main ist eine von fünf deutschen Raiffeisenzentralen mit unterschiedlichen Aufgabengebieten. Wichtig: Schließt auch die Agrarreparatur- und -servicetechnik in Lalo, RWZ-Agrarhandelbetriebe für Pflanzen, Dünger und Baustoffe/-material wie beispielsweise in Bad Sobernheim seien von diesen Plänen nicht tangiert, betonte Hosinger mit Blick auf sein Geschäftsfeld. 2012 übernahm die RWZ Rhein-Main die Betriebsstelle an der Naheweinstraße 233 von Landmaschinen-Mayer, mietete das Gelände und den Betrieb (Eigentümer ist Familie Golling). Man habe damals alle Mitarbeiter übernommen und wenig später noch eine neue Kraft eingestellt.

In der Folge habe man Jahr für Jahr schwarze Zahlen geschrieben, sagte Hosinger, „bis zum heutigen Tag“. Doch um den Strukturwandel in der Landwirtschaft aufzufangen – früher gab es in einem Dorf fünf, sechs Landwirte, heute ist es einer für fünf, sechs Dörfer –, müsse man eigentlich mit Millionenaufwand in einen Neubau investieren. „Das hatten wir von Anfang an auch vor, kriegen die Investitionssumme aber nie mehr rein“, erklärte Gerald Hosinger, dem die Entscheidung, die RWZ-Betriebsstelle in Langenlonsheim endgültig zu schließen, „wirklich schwerfällt“. Die Alternative dazu sei ein betriebswirtschaftlich inakzeptables „langsames Sterben“.

Wandel in der Landwirtschaft

Neben dem Untergang vieler Bauernhöfe, etwa, weil die Nachfolgegeneration fehle, mache RWZ auch der Fachkräftemangel zu schaffen („Wir brauchen die Leute an anderen, attraktiven Betriebsstellen.“) und außerdem rechtliche Auflagen bei TÜV-Prüfungen, Pflanzenschutz-Lagerungen und mehr. Eben all das, was nun immense Investitionen in den Standort Langenlonsheim verlangt hätte.

Erschwerend: Die Immobilie liege in einem Wohngebiet; dankenswerterweise hätten die Nachbarn immer Verständnis gezeigt.

Sang- und klanglos wolle man das RWZ-Gebiet nicht verlassen, wisse um die harte Landmaschinenmechaniker-Konkurrenz wie in Bretzenheim (Franzmann) und Bad Sobernheim (Christian) – und biete künftig eine Hotline rund um die Uhr und Servicefahrzeuge (Sprinter). Wenn Maschinen havarierten, ob Mähdrescher oder andere Geräte, schicke man die „top ausgestatteten Wagen mit qualifizierten Meistern“. Dafür würden pauschal 50 Euro erhoben; müsse man eine Maschine abholen, fielen 90 Euro an (ohne Material und Ersatzteile). Und alles mit dem einen Ziel: „Wir wollen unsere Kunden behalten.“

Geschäftsführer Hosinger selbst informierte am Mittwochabend in der Langenlonsheimer Betriebsstelle über die Schließung. 65 Kunden seien gekommen, anfangs habe zunächst eine verärgerte Stimmung vorgeherrscht: „Ich kann die Leute gut verstehen, wenn einer künftig weiter fahren muss. Das ist schon schwer.“ Hosingers Appell: „Gebt uns eine Chance, dass wir das auf die Reihe kriegen, steht uns mit Rat und Tat zur Seite.“

RWZ: Haben nichts verschlafen

Dass die Schließung auf eigenen Fehlern in der Betriebsführung oder auf verschlafenen Entwicklungen basiere, verwirft Gerald Hosinger: „Auch wenn es selbstherrlich klingt: Das ist so nicht.“ RWZ sei 2012 angetreten, habe die Mitarbeiter gehalten, sie kontinuierlich geschult und den Service ausgeweitet. „Uns kann niemand vorwerfen, wir hätten ihn nicht ordentlich bedient“, findet Hosinger, der einräumt, „im oberen Preissegment zu liegen.“ Fendt sei nun mal ein Premiumprodukt. Dennoch befinde man sich bei den Stundensätzen „weit unter 100 Euro“.

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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