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    Bad Sobernheim/Bad Kreuznach/Sprendlingen

    "Pferde machen guten Job": Traumatisierte junge Flüchtlinge auf dem Ponyhof

    Endlich konnten sie ihre traumatischen Erlebnisse einmal vergessen: Acht geflüchtete Jugendliche tummelten sich einen ganzen Tag lang auf dem Ponyreiterhöfchen bei Sprendlingen. Zusammen mit deutschen Praktikantinnen striegelten sie die Pferde, ließen sich auf deren Rücken herumführen und wanderten zusammen mit den Vierbeinern zu markanten Punkten in der Umgebung.

    Acht junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern in Bad Kreuznach leben, tummelten sich mit deutschen Praktikantinnen auf einem Ponyhof. Die Aktion wurde mit dem Ertrag des Benefizkonzerts "Zeichen setzen" unterstützt.
    Acht junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern in Bad Kreuznach leben, tummelten sich mit deutschen Praktikantinnen auf einem Ponyhof. Die Aktion wurde mit dem Ertrag des Benefizkonzerts "Zeichen setzen" unterstützt.
    Foto: frei

    Schülerinnen, die ein Praktikum auf dem Reiterhof absolvieren, begleiteten die Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren. Auch wenn es mit den deutschen Sprachkenntnissen noch haperte, verstanden sich die jungen Leute auf Anhieb und die Pferde wirkten dabei quasi als Vermittler. "Das funktioniert wunderbar, alle sind begeistert" berichtete Monika Mulas. Sie betreut die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, die in einer Wohngruppe der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der Stiftung Kreuznacher Diakonie in Bad Kreuznach ein vorläufiges Zuhause gefunden haben.

    Zu verdanken hatten die Jugendlichen aus Syrien, Somalia und Afghanistan dieses Vergnügen fünf jungen Musikern, die mit dem Ertrag ihres Benefizkonzerts "Zeichen setzen" im letzten Herbst in Bad Sobernheim geflüchteten Kindern helfen wollen, in ihrer neuen Heimat anzukommen. Ein Teil des erwirtschafteten Geldes wurde investiert, um den Geflüchteten Begegnungen mit gleichaltrigen Deutschen zu ermöglichen. Dazu waren unter anderem eine multi-kulturelle Koch-Session sowie Fahrrad-Reparaturtage geplant. An dem Tag auf dem Ponyreiterhöfchen kam man sich beim Umgang mit den Pferden und beim gemeinsamen Grillen näher. "Die Pferde machen einen guten Job", fasste Mulas ihre Beobachtungen zusammen und stellt fest: "Selten sind die Kinder so entspannt und zufrieden."

    Jeder Jugendliche kam mit schweren Erfahrungen im Gepäck

    Die Auszeit tut den jungen Leuten gut; jeder kam mit traumatischen Erinnerungen im Gepäck nach Bad Kreuznach. Die 18-jährige Nacima etwa war mit ihrer Zwillingsschwester von Somalia aus ein Jahr und sechs Monate lang unterwegs. Der Weg führte durch die Wüste nach Libyen und von dort auf einem mit Flüchtenden vollgestopften kleinen Boot über das Mittelmeer nach Europa. Unterwegs wurden die Mädchen getrennt, die Schwester lebt jetzt in München. "Im Sommer darf ich sie besuchen", freut sich Nacima. In Bad Kreuznach lebt sie jetzt ein Jahr und drei Monate und hat Deutsch gelernt. Sie besucht die Berufsbildende Schule und will Krankenschwester werden.

    Die Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge der Jugendhilfe der Kreuznacher Diakonie betreut die jungen Leute im Auftrag des Jugendamts so lange, bis deren Herkunft, Bildungsstand und familiärer Hintergrund sowie der Aufenthaltsstatus und ihr Recht auf Asyl geklärt sind. Danach werden sie in andere Einrichtungen weitervermittelt.

    Alle gehen zur Schule, aber von Normalität sind sie weit entfernt: Schwer lastet die Ungewissheit ihres weiteren Schicksals auf ihnen. "Die Kinder sind alle traumatisiert", erläutert Mulas. "Aber an einem Tag wie heute können sie das einmal vergessen." Schnell fanden sie Kontakt zu den Praktikantinnen und verhalfen diesen zu neuen Erfahrungen.

    "Ich hatte nicht erwartet, dass sie alle so lieb und locker drauf sind", äußert sich die 17-jährige Angela. "Dabei ist es unvorstellbar, was sie schon mitgemacht haben." Auch Patricia (16) ist beeindruckt: "Daran sieht man, dass nicht alles stimmt, was an Negativem über Flüchtlinge gesagt wird." Janine Wagner, Besitzerin des Ponyreiterhöfchens, weiß um die therapeutische Wirkung, die der Umgang mit ihren Tieren erzielen kann. Ihr Angebot ist auf Familien und Kinder aller Altersstufen zugeschnitten, auch auf jugendliche Rollstuhlfahrer.

    Bad Kreuznach
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