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    Mainz

    Nicht ganz normal: Mutiger Heldenkampf mit kleinen Bällen

    Die Brücke scheint wirklich zu schweben, schwerelos gleitet der Minigolfball darüber. Die Hand des Superhelden an der Wand ragt zum Greifen nah in den Raum, auch der Drache und die Mäuse scheinen sich losgelöst im Raum zu tummeln. „Es findet der Heldenkampf statt – und am Ende gewinnt das Gute“, sagt Tim Schieferstein. Keine Frage: Das hier ist kein normales Minigolf.

    Marcel Graf alias Costwo ist der Künstler, der die 3-D-Kunstwerke in 1000 Stunden Arbeit schuf.  Fotos: Gisela Kirschstein
    Marcel Graf alias Costwo ist der Künstler, der die 3-D-Kunstwerke in 1000 Stunden Arbeit schuf. Fotos: Gisela Kirschstein
    Foto: Gisela Kirschste

    Mitten in der Mainzer Altstadt kann man seit wenigen Tagen Indoor-Minigolf spielen. In einem ehemaligen Schlecker-Markt installierten Schieferstein und seine Mitgesellschafter einen kompletten 18-Loch-Parcours. „Schwarzlichthelden“ nennen sich die gebürtigen Wiesbadener. Aus gutem Grund: Der gesamte Kurs ist in Schwarzlicht getaucht, das helle Töne und Neonfarben besonders zum Leuchten bringt. Da wirken Spiralen wie Berge, stechen Umrandungen, Rampen und Wellen hervor wie Leuchtbahnen.

    Doch das ist noch nicht alles: Die weiße Brille, die Tim am Eingang überreicht, ist eine 3-D-Brille – und auf einmal steht man mitten in einer verzauberten Abenteuerwelt. Die U-Bahn scheint geradewegs auf den Spieler zuzurauschen, die Hyäne grinst ihn direkt an – und die Golden Gate Bridge schwebt über dem Boden. „Uns ging es darum, eine Bildergeschichte zu erzählen, die es so noch nicht gibt“, erzählt Schieferstein, der eigentlich Finanzdienstleister und Goldbarrenhändler ist. Die Idee hat sein Partner Daniel Kayser aus Bremen mitgebracht – das nächste Schwarzlicht-Minigolf stehe in Würzburg. „Schnell war klar: Das wollen wir auch. Ich bin ein Spielkind, es geht ums Freizeiterlebnis und um die Geschäftsidee.“ Anderthalb Jahre dauerte es von der Idee bis zur Verwirklichung, lange suchten die Macher nach dem geeigneten Objekt.

    270 Quadratmeter groß ist der alte Drogeriemarkt in der Mainzer Holzstraße, doch für die 18-Loch-Bahnen eigentlich immer noch zu klein. Also wurden die Erfinder kreativ – und verlegten kurzerhand eine Bahn über eine Treppe und eine die Wand hoch. Durch neonfarbene Röhren und über kleine Aufzugspiralen wird nun der Ball an die Decke transportiert und locht hoch oben über dem Kopf ein. Rund sechs Monate dauerte die Umsetzung, 128 Schwarzlichtlampen brauchte es – und mehr als 1000 Stunden Sprayarbeiten aus 1756 Farbdosen. Denn die Wände sind ein einziges Gemälde in 3 D, gefertigt von dem international tätigen Spraykünstler Marcel Graf alias Costwo. „Das hat mit Graffiti nur noch wenig zu tun“, sagt der 35 Jahre alte Dresdener und grinst. Inspiration holt er sich von den alten klassischen Malern, Michelangelo oder Leonardo da Vinci: „Die hatten wirklich etwas drauf.“

    Tim Schieferstein präsentiert den Schwarzlicht-Parcours.
    Tim Schieferstein präsentiert den Schwarzlicht-Parcours.
    Foto: Gisela Kirschste

    Costwo hat bereits schon in Los Angeles die Außenfassade der Canvased Gallery bemalt und ein Geschäftsflugzeug in Israel. Die Motive für die Schwarzlichthelden entwickelte er selbst, Anlehnungen an Vorbilder wie Superman sind unübersehbar, alle Motive sind aber seiner eigenen Kunst entsprungen. „Die Malerei wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt er und erzählt, wie seine Eltern ihn als Fünfjährigen nachts malend im Wohnzimmer fanden.

    „Alles hier drin ist doppelt gemalt“, erklärt Costwo das Prinzip des Malens für Schwarzlicht: Erst hat er mit normaler Farbe gesprüht, dann noch einmal mit UV-Tönen darüber – so wurden quasi aus 400 Quadratmetern Wandfläche 800 Quadratmeter. Die 3-D-Effekte entstehen durch ein bestimmtes Farbschema: „Mit Schwarzlicht ist es der Rotanteil in der Farbe, der darüber bestimmt, wie weit der Farbton nach vorn tritt“, erklärt Costwo. Also musste alles, was im Hintergrund bleiben sollte, blau und dunkel werden, was aber am weitesten nach vorn sollte, wurde rot oder orange.

    Auch die Hindernisse und Bahnen entwarfen die Schwarzlichthelden selbst, vorstehende Elemente wurden mithilfe eines Bühnenbildners gestaltet. So wird das Auge in die Irre geführt, während der Spieler den Superhelden beim Kampf gegen Dr. Evil beisteht und von Bahn zu Bahn das Gute wieder die Überhand gewinnt.

    • Geöffnet ist die Bahn täglich, der Eintritt kostet 9,50 Euro, eine Reservierung über die Internetseite www.schwarzlichthelden.de wird empfohlen.
    Von Gisela Kirschstein

     

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