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    Nachwuchs im Wingert: Nadine Poss hat ein Faible für ökologischen Weinbau

    Die Nahe ist ein kleines Weinanbaugebiet, das aber in den vergangenen Jahren enorm an Profil und Ansehen gewonnen hat. Bei Proben, Prämierungen und Bewertungen schneidet es oft hervorragend ab. Einige Weingüter gehören zu den besten in Rheinland-Pfalz oder sogar Deutschland. Dazu haben auch etliche junge Winzer beigetragen, die den Aufschwung mit ihren Ideen und einem hohen Qualitätsanspruch beflügelt haben. Grund genug, einige von ihnen im Rahmen unserer neuen Serie „Nachwuchs im Wingert“ vorzustellen.

    Bei Nadine Poss ist während des Studiums in Geisenheim und nach einigen Auslandsaufenthalten der Entschluss gereift, sich zukünftig auf den ökologischen Weinbau zu konzentrieren.  Foto: Torsten Silz
    Bei Nadine Poss ist während des Studiums in Geisenheim und nach einigen Auslandsaufenthalten der Entschluss gereift, sich zukünftig auf den ökologischen Weinbau zu konzentrieren.
    Foto: Torsten Silz

    Zum Auftakt haben wir Nadine Poss in Windesheim besucht. Die frühere Deutsche Weinkönigin trägt sich nach dem Studium in Geisenheim und mehreren Auslandsaufenthalten mit dem Gedanken, gemeinsam mit ihrem Cousin eventuell das elterliche Weingut zu übernehmen. Im Gespräch mit dem „Oeffentlichen“ hat sie erzählt, welchen Schwerpunkt sie dabei setzen würde und was sie am Winzerberuf besonders fasziniert.

    Windesheim. Nach vielen Auslandsaufenthalten ist Nadine Poss mal wieder daheim in Windesheim. Und dort möchte die ehemalige Deutsche Weinkönigin am liebsten auch bleiben. Denn dort fühlt sich die 26-Jährige wohl. So wohl, dass sie sich vorstellen kann, eventuell mit ihrem Cousin Nicolay das elterliche Weingut zu übernehmen. „Immer, wenn ich heimkomme, strahle ich. Denn ich spüre: Das ist Heimat“, bekennt sie.

    Ein besonderer Gruß aus der Heimat

    Nadine Poss gehört zu einer jungen Generation von Winzern, die das stetig aufstrebende Anbaugebiet Nahe mit ihren frischen Ideen noch stärker profilieren und voranbringen können. Während des Studiums der Internationalen Weinwirtschaft in Geisenheim hospitierte sie unter anderem in Frankreich, Argentinien und Österreich. „Man kann überall was lernen und muss das mitnehmen, was man für richtig hält“, lautet ihre zentrale Erkenntnis aus all den dabei gesammelten Eindrücken und Erfahrungen. Das gilt auch für ihre Reisen, unter anderem nach Chile, Bolivien und Spanien.

    SERIE Nachwuchs im Wingert

    Als sie dorthin kam, sprach sie kein Wort spanisch. Dank ihres Gastpapas beherrscht sie die Sprache inzwischen. Zuletzt arbeitete die angehende Winzerin im Sommer in einem Weingut in Franken mit. „Die Weinlese möchte ich aber daheim mitmachen“, sagt sie mit jenem Lächeln, mit dem sie während ihrer Zeit als Weinkönigin viele Sympathien für sich und die Nahe gewonnen hat.

    Immer mehr ist ihr seitdem bewusst geworden, dass für sie am ökologischen Weinbau trotz des damit verbundenen höheren Aufwandes kein Weg vorbeiführt. Solche Schritte sieht sie auch als gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit: „So wie bisher kann es einfach nicht weitergehen“, sagt sie voller Überzeugung und ohne jedes Pathos. Ob bei der Ernährung, beim Müll oder eben beim Weinbau: „Wir alle müssen uns mehr Gedanken über unser Handeln machen.“ Die Eltern, die ihre Weinberge bereits begrünen, stehen den Plänen ihrer Tochter aufgeschlossen gegenüber.

    „Die Selbstständigkeit ist mein Ding“, hat Nadine Poss erkannt. Denn dabei könne man eigene Ideen von Anfang bis Ende umsetzen und so die eigene Handschrift deutlich machen. Und was gefällt ihr an diesem Beruf besonders? „Die Vielfältigkeit“, antwortet sie spontan. „Weinbau hat so viele Facetten.“ Die Arbeit draußen im Wingert, im Keller und im Büro, dazu die Vermarktung: „Ein Winzer hat viele Berufe.“ Das heiße aber auch: „Man darf sich für nichts zu schade sein. Das kann man sich nicht erlauben.“

    Das Genussprodukt Wein hat sie von klein auf begleitet: Als sie schon ein bisschen älter war, habe ihr der Vater immer mal wieder ein Glas hingestellt und sie ausgefordert: Riech mal. Sie hat eine Vorliebe für die weißen Burgundersorten, aber auch für den Spätburgunder: „Das können wir an der Nahe. Hier wird er besonders filigran und finessenreich.“ Eine trockene Scheurebe ist ihr lieber als ein Sauvignon Blanc. An den Riesling hat sie eine besondere Erinnerung: Während ihres Aufenthalts in Frankreich stieß sie unvermittelt auf einen Tropfen aus dem Weingut Jakob Schneider in Niederhausen: „Der hat so nach Heimat geschmeckt“, schwärmt sie heute noch von diesem Gruß von der Nahe.

    Die Nahe hat noch Potenzial

    Das Jahr als Deutsche Weinkönigin empfindet sie dank vieler bereichernder Begegnungen und Erfahrungen als „sehr wertvoll. Und es hat noch dazu viel Spaß gemacht“. Den hat sie auch, wenn sie Weinproben moderiert oder die Wahl der Naheweinkönigin. Das Anbaugebiet hat nach ihrer Einschätzung noch viel Potenzial. „Es ist klein, sympathisch, durch die Landschaft sehr reizvoll und noch nicht überlaufen.“ Inzwischen präsentiere sich die Nahe auf einem hohen Niveau frisch und modern. „Wir Weingüter könnten aber noch mehr Marketing für uns machen.“

    Beim Klimawandel sieht sie die extremen Wetterereignisse als das größte Problem. Ansonsten profitiere die Nahe zurzeit noch davon, dass es wärmer werde.

    In ihrer Freizeit treibt sie viel Sport, joggt oder fährt mit dem Mountainbike querfeldein. Außerdem mag sie andere Sprachen und Kulturen. „Dadurch lernt man auch, flexibel und offen zu sein.“ Das sieht sie auch als eine ihrer Stärken an. Dazu gehört auch die Kommunikation: „Ich kann gut mit Menschen.“ Und ihre Schwächen? „Ich bin ungeduldig und will auch schon mal mit dem Kopf durch die Wand.“ Trotz ihres starken Gerechtigkeitsempfindens kann sie sich nicht vorstellen, wie Julia Klöckner, eine ihrer Vorgängerinnen auf dem Thron der Deutschen Weinkönigin, in die Politik zu gehen. Dann schon eher, „mich für Projekte im Ort oder in der Region einzusetzen“.

    Von Kurt Knaudt

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